Mittwoch, 8. Juli 2015

"Weißer Fluch" - Holly Black

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Weißer Fluch | Curse Workers #1 | 384 Seiten | cbt | ISBN 978-3-570-30805-9 | OT: White Cat (USA) | Leseprobe 

In einer Welt, in der Magie seit Jahrzehnten verboten ist, sind allein sie mächtig – die Fluchmagier. Menschen, die Erinnerungen, Gefühle und das Schicksal mit der geringsten Berührung ihrer Hand verändern können. Menschen, die im Untergrund arbeiten. Cassel Sharpe entstammt einer solchen Familie von Fluchmagiern, doch er ist ein Außenseiter, der einzige normale Teenager in einer magisch begabten Familie. Es gibt nur ein kleines Problem dabei: Vor drei Jahren hat Cassel seine beste Freundin Lila umgebracht – und er weiß nicht, warum … (Quelle)


Die weiße Katze – Magie, Blut & Mord

Ich schleiche tatsächlich um „Weißer Fluch“ herum, seit es in den USA erschienen ist. Wie ich letztens mit Schrecken festgestellt habe, sind das nun tatsächlich schon fünf Jahre, in denen ich das Buch mehrmals in der Hand hatte und mich dann doch dagegen entschieden habe. Warum? Nachdem ich „Weißer Fluch“ nun gelesen habe, kann ich das gar nicht mehr so genau sagen. Holly Black ist auf dem englischsprachigen Literaturmarkt nun wirklich kein unbekannter Name und wird nicht selten in einem Atemzug mit Maureen Johnson, Sarah Rees Brennan und Cassandra Clare genannt und genau in diese Richtung geht auch ihr „Weißer Fluch“: Unglaublich dichte, düstere Phantastik für Jugendliche von einer Qualität, die man leider nicht immer erwarten darf. Und genau hier muss ich dann auch gleich einhaken: „Weißer Fluch“ ist bei Weitem keine leichte Kost für Zwischendurch und wird daher nicht jedem Fantasyleser gefallen. Mir hat der Roman allerdings unglaublich gut gefallen, gerade, weil er seine Ecken und Kanten hat, die ihn aus der Masse hervorheben.

„Weißer Fluch“ entführt uns in eine Art parallele Welt, in der alles eigentlich genau so gelaufen ist, wie bei uns auch. Mit der Ausnahme, dass es seit jeher bekannt ist, dass es sogenannte Fluchmagier gibt, die Menschen mit einer einzigen Berührung verzaubern oder verfluchen können. Seit 1929 ist ihnen das jedoch verboten, weshalb sie ihre Magie im Untergrund ausüben müssen, was dazu geführt hat, dass es mittlerweile eine regelrechte Mafia von Fluchmagiern gibt, die von sechs großen Familien angeführt wird. Auf den ersten Blick wirkt es, als gäbe es sonst keinerlei Veränderungen, doch Holly Black baut sehr geschickt eben doch alternative Verläufe in der Geschichte ein: So ist Australien nicht von britischen Sträflingen bevölkert worden, sondern von Fluchmagiern, die etwas Böses getan haben und weggeschickt worden. Es gibt Anspielungen auf Fernsehsendungen und Popmusik, die Fluchmagie stark einbinden und es gibt eine Vereinigung, die sich gegen die Diskriminierung von Fluchmagiern einsetzt. Außerdem müssen alle Menschen Handschuhe tragen, damit es Fluchmagiern schwerer gemacht wird, mithilfe einer Berührung zu verfluchen.

Das World Building hat mir ziemlich gut gefallen, schon allein, weil Holly Black so mutig einfach die Gesetze unserer Welt verdreht, anstatt darum herumzureden oder die Magier wie sonst immer im Geheimen existieren zu lassen. Ich kenne persönlich nicht viel Urban Fantasy, die eine eigene Parallelwelt vorstellt, finde die Idee aber durchaus reizvoll. Darüber hinaus muss ich allerdings sagen, dass die eigentliche Geschichte auf den ersten Blick nicht wirklich etwas Originelles ist: Cassel Sharpe ist der einzige in seiner Familie, der kein Fluchmagier ist, weshalb Großvater, Mutter und seine beiden Brüder Barron und Philip die Familiengeheimnisse von ihm fernhalten. Als Cassel zu schlafwandeln beginnt und merkwürdige Träume hat, in denen immer wieder eine weiße Katze auftaucht, der er auch bald wach im Garten seines Elternhauses begegnet, wird ihm bewusst, dass es ein paar Geheimnisse gibt, die er aufdecken muss, um etwas Furchtbares zu verhindern. So gesehen kennt man diese Art von Plot natürlich schon, aber bei „Weißer Fluch“ ist es nicht einmal der Plot selbst, der den Roman so besonders macht, sondern, wie sich der Plot über den Roman hinweg aufbaut und immer komplexer wird. 

Zuerst einmal wäre da die Hintergrundgeschichte rund um Lila Zacharov, die Tochter eines der Oberhäupter der sechs großen Familien und Cassels beste Freundin – bis er sie umbringt. Weshalb er das getan hat, weiß er nicht mehr, bloß noch, dass er es getan hat. Was mir gut gefallen hat war, dass die Ermordung Lilas nicht bloß irgendwie im Hintergrund stand, sondern echte Konsequenzen hatte. An sich hat Tod bei Holly Black immer eine Konsequenz und passiert nicht wie in anderen Jugendbüchern nebenbei oder ganz ohne Folgen, was ich sehr begrüße. Lilas Tod aber beeinflusst Cassel stark ohne, dass ihr Tod benutzt wird, um ihm eine Motivation zu geben. Viel eher lernen wir Lila als Person über eingeschobene Rückblenden sehr gut kennen, wir erfahren Stückweise, was vor ihrem Tod passiert ist und wer sie war – und wer Cassel vor ihrem Tod war und wie er sich verändert hat. Es ist natürlich von vorn herein auffällig, dass Cassel sich an den Mord kaum erinnern kann und ich kann euch schon einmal verraten, dass natürlich am Ende viel mehr hinter Lilas Tod steckt, als Cassel zu Beginn vermutet. So entwickelt sich dieses Stück Hintergrundgeschichte recht bald zu einem interessanten Thrillerplot, der sich bis zum Ende durch „Weißer Fluch“ zieht und mit immer neuen, spannenden Wendungen aufwartet.

Die schwarzen Lederhandschuhe – Details, Schein & Identität 

Es ist also gar nicht mal der eigentliche Hauptplot, der den Leser bei der Stange hält, sondern viel eher der Handlungsstrang um Lilas Tod, der sich Stück für Stück zusammenfügt und dann irgendwann auch sehr schön und nachvollziehbar mit der Haupthandlung verschmilzt. Die zweite Sache, die mich an „Weißer Fluch“ durchaus fasziniert, ist das Spiel mit Identitäten, Erinnerungen und Sicherheit. Ganz langsam löst Holly Black alles auf, was Ich-Erzähler Cassel Halt gibt. Es ist ein bisschen, wie wenn man einen Faden nimmt und die einzelnen dünneren Fäden herauszieht, bis nichts mehr übrig ist. Von vorn herein hat er keinen richtigen Platz in dieser Welt, als Nichtmagier in einer Familie von mächtigen Fluchmagiern, aber es gibt auch immer weitere Hinweise darauf, wie wenig gesichert seine Existenz eigentlich ist, ein Motiv, das zuerst bloß sachte mitschwingt und dann immer lauter wird, bis es sich genau wie Lilas Ermordung in die Haupthandlung mischt. Am Ende ergibt alles ein sehr stimmiges Gesamtbild und eine sehr komplexe, detailreiche Geschichte, was man am Anfang des Romans in der Form auf keinen Fall erwartet.

„Weißer Fluch“ ist ein sehr düsterer, manchmal beklemmender Roman, was ein Roman, der sich um das Auflösen von Identitäten und dergleichen dreht, wohl auch sein muss. Am Anfang malt Holly Black uns ein Bild davon, wie Cassel lebt und wie alles ist, aber dann muss man nach und nach feststellen, dass nichts wirklich so ist, wie es scheint. Es beginnt damit, dass Cassel nach einem Vorfall Angst haben muss von seinem Internat geworfen zu werden, das für ihn eine Art Symbol von Normalität und Sicherheit ist, und Stück für Stück nimmt Holly Black ihm dann alles weg, was ihn ausmacht. Das ist nicht immer schön zu lesen, aber ein sehr interessantes Konzept, besonders im Jugendbuch, das mir sehr gut gefallen hat, besonders am Ende, wo ich einen Moment gebraucht habe, um mir alles in seiner Gesamtheit noch einmal vor Augen zu rufen und zu durchdenken. Der einzige Makel ist für mich allerdings, dass mir das große Finale und das Ende des Romans viel zu verhuscht und fast schon zufällig erzählt wurden.

Ich hätte mir ein Ende gewünscht, das genauso gut durchdacht, komplex und fulminant ist wie die 300 Seiten, die darauf vorbereiten, doch viel eher stolpern die Helden am Ende sehr planlos durch die Situation, was mir besonders im Hinblick darauf, was für ein talentierter Betrüger Cassel ist, nicht reicht. Wo sind seine komplexen  Pläne und Intrigen, wenn er sie mal echt braucht? Das Ende ist in Ordnung, gut geschrieben und durchwegs mitreißend, aber es ist nicht der große Knall, den ich erwartet habe und Cassel fällt hier fast schon ein wenig aus der Rolle. Es wird auch leider nicht alles vollkommen aufgelöst, was vielleicht im zweiten Band noch kommt, aber meiner Meinung nach hier schon kommen müsste. So gibt es einen kleinen Handlungsfaden um Cassels Schwägerin Maura, die sich seit einiger Zeit komisch verhält. Was genau mit ihr los ist, wird zwar aufgelöst, aber ich habe leider nicht herauslesen können, weshalb es mit ihr passiert. Es ist eben so passiert, aber die Gründe dafür behält Holly Black leider für sich und verpasst da dann leider auch irgendwie eine Chance, Maura und ihre Familie greifbarer zu machen.

Mein einziges anderes Problem mit „Weißer Fluch“ ist auch eher kleinerer Natur: Ich hatte teilweise leider keine Ahnung, wieso gewisse Dinge so funktionieren, wie sie eben funktionieren. Es gibt ein paar sehr eindrucksvolle Szenen, die ich auch wirklich gern gelesen habe, in denen mir aber einfach das Verständnis für das, was da geschah fehlte. Leider kann ich kein Beispiel geben, ohne eine große Wendung in der Handlung vorwegzunehmen, also denke ich mir rasch eines aus: Zum Beispiel ist es gut möglich, dass ein Autor sich ausdenkt, dass ein bestimmter Zauber nur durch eine Ananas gewirkt werden kann und zwar, wenn man diese gegen die Wand wirft. Und dann gibt es auch sehr atmosphärische, wunderschön erzählte Gänsehautszenen im Roman, in denen der Protagonist die Ananas gegen die Wand wirft und zaubert, aber dann wird dem Leser leider nicht erklärt, wieso es denn jetzt unbedingt eine Ananas sein muss und wieso man die oben drauf gegen eine Wand werfen muss. Ihr versteht sicherlich, worauf ich hinaus will: Holly Black denkt sich einige spannende, tolle Szenarien aus, aber leider teilt sie die großen Warums dahinter nicht mit dem Leser. Aber ich für meinen Teil möchte wissen, wieso etwas gerade so funktioniert und nicht anders, mir reicht es da nicht, wenn man mir erzählt und zeigt, dass es funktioniert.

Der rote Diamant – Familie, Betrug & Graustufen 

Darüber hinaus hat Holly Black aber wirklich einen sehr schönen, atmosphärisch dichten Erzählstil, der zu einer düsteren Urban Fantasy auch wirklich perfekt passt. Sie lässt Cassel als Ich-Erzähler im Präsens erzählen und was mir wirklich gut gefallen hat, waren hier die Schnittstellen zwischen Cassels trockenem Humor, seinem Pessimismus und den düsteren Stellen, die sich keinesfalls im Wege standen, sondern sich eher gegenseitig bereichert haben. Diese Mischung aus schwarzem Humor und ein bisschen Grusel, gepaart mit rasanter Action und einem komplexen Rätsel, das sich nach und nach entfaltet, macht „Weißer Fluch“ zu toller Urban Fantasy abseits von typischer Jugendbuchfantasy. Da muss ich dann aber auch gleich erwähnen, dass es in diesem Rahmen auch keine richtige Liebesgeschichte gibt. Zwar erzählt Cassel uns, dass er früher in Lila verliebt war und er unternimmt einen oder zwei Versuche seine Exfreundin Audrey zurückzugewinnen, doch der Roman hat seinen Fokus eindeutig woanders, was ich aber persönlich lieber mag, auch, wenn ich sehr gern gute Liebesgeschichten lese. Ich bin mir sicher, dass alle Romantiker in Band II und III der Reihe noch auf ihre Kosten kommen werden, aber Band I beschäftigt sich mit anderen, nicht minder spannenden Themen.

Auch die Figuren sind, wie sollte es bei so einem Roman anders sein, sehr komplex und ambivalent gehalten. Es gibt hier kaum eine Figur, die man richtig mögen kann, denn obwohl alle ihre sympathischen Seiten haben und auch zeigen, haben sie auch alle ihre Abgründe. Und das sind tiefe, schwarze Abgründe, in die man teilweise gar nicht blicken möchte. Holly Black schafft es aber tatsächlich, zumindest Ich-Erzähler Cassel sehr liebenswert erscheinen zu lassen, obwohl er, wie er auch selbst sagt, kein guter Mensch ist. Cassel ist mit seinen siebzehn Jahren bereits ein hervorragender Lügner und Betrüger, der sich bestens mit der Psychologie hinter dem Lügen auszukennen scheint und dieses Wissen für seine Pläne und Intrigen verwendet. Darüber hinaus hat er seine beste Freundin getötet. Und trotzdem konnte ich nicht anders, als Cassel trotzdem zu mögen, weil er wie jeder Mensch auch seine guten Seiten hat. Dasselbe gilt selbst für Figuren wie Cassels Mutter, die im Moment im Gefängnis ist, weil sie mithilfe von Magie einen Milliardär ausgenommen hat. Sie ist furchtbar intrigant, zwingt ihre Kinder seit sie laufen können für sie zu stehlen und manipuliert sie mit Magie, auf der anderen Seite scheint sie aber ernsthaft besorgt um Cassel und scheint es wirklich gut zu meinen. Besonders schön dargestellt finde ich auch die Dynamiken innerhalb der durchaus kaputten Familie, die auf mich sehr realitätsnah wirkten. 

Das schöne ist, dass Holly Black hier nichts entschuldigt oder sogar verklärt. Cassel tut schlimme Sachen und dafür gibt es keine Entschuldigung. Er erkennt das manipulative Verhalten seiner Mutter sehr wohl und verharmlost es auch nicht. Auch die Machenschaften der „Magiermafia“ werden hier nicht gerechtfertigt oder als in Ordnung gezeigt. Holly Black legt uns die Gründe dar, weshalb sich dieses Untergrundnetzwerk entwickelt hat und man kann durchaus verstehen, wieso es dazu gekommen ist, doch das muss nicht heißen, dass es deshalb in Ordnung ist und Holly Black will auch nicht, dass wir das denken. Es ist einfach nichts schwarz und nichts weiß (bis auf die Katze aus Cassels Träumen), alles ist grau, alles ist ambivalent und hat mehrere Seiten, alles ist komplex und nicht selten sehr schwer zu bewerten. So finden die Fluchmagier natürlich, dass das Magieverbot aufgehoben sein sollte und zurecht wird dem Leser ganz anders, wenn er liest, wie die Fluchmagier diskriminiert werden, aber irgendwie kann man dann auch verstehen, wieso alles so gekommen ist, wenn man sich anschaut, wie viele Fluchmagier ihre Macht missbrauchen. Es scheint hier einfach keine gute und keine böse Seite zu geben, alle haben ihre gerechtfertigen Ängste, aber gleichzeitig selbst eine Menge auf dem Kerbholz und das gefällt mir richtig gut.

Zum Schluss möchte ich Holly Black noch ein großes Lob dafür aussprechen, wie divers sie ihren Roman gestaltet hat. Nicht nur sind einige Hauptfiguren nicht-weiß, auch die große Schar von Nebenfiguren. Zwar werden einige davon nur einmal mit Namen erwähnt, aber trotzdem finde ich es gut, dass das dann nicht nur Namen sind, die weiß klingen – besonders im Kontext von Cassels Eliteinternat. Auch die sechs großen Magierfamilien haben nicht alle amerikanisch oder weiß klingende Namen. So klingt ein Name japanisch und ein anderer jüdisch. Bis auf die russischstämmige Familie Zacharov spielt zwar keine der Familien in diesem ersten Band eine große Rolle, aber allein der Umstand, dass die Macht unter den Fluchmagiern eindeutig nicht nur in weißen, amerikanischen Händen liegt finde ich sehr schön und ein gutes Zeichen. Cassel selbst allerdings ist schwer einzuordnen, denn er kennt seine Ethnie nicht. Das hängt natürlich mit dem Identitätsverlust zusammen, den ich oben erwähnt habe. Holly Black spielt hier einfach sehr viel mit den kleinen Details, mit den Dingen, die einem Menschen Sicherheit geben und identitätsstiftend sind, und genau diese Kleinigkeiten, die aufeinander aufbauen und sich anhäufen machen den Roman im Endergebnis so stark.

Doch obwohl Cassel seine Ethnie nicht kennt, geht Holly Black sicher, dass wir ihn nicht als weiß lesen: Es wird immer mal wieder erwähnt, dass er dunkle Locken und dunklere Haut hat, genauso wie seine beiden Brüder, ihre Mutter und ihr Großvater, Desi, der auch eine sehr spannende Figur ist. Großvater Desi hat die Theorie, dass die Familie indischstämmig ist, was jedoch niemals bewiesen wird. Cassel erwähnt außerdem, dass er nicht einmal seinen Nachnamen Sharpe für echt hält, sondern für einen Namen, der zufällig mal auf einem geklauten Ausweis seines Vaters stand. Hier zeigt Holly Black wohl auch, was für eine Familie von Kleingangstern nur realistisch ist: Sie müssen immer wieder alle Spuren verwischen und verlieren dabei dann auch tatsächlich Teile ihrer Herkunft und Identität, was wieder in das Hauptmuster des Romans hineinspielt. Ich finde es aber ziemlich schön, dass Holly Black es sich hier nicht leicht macht und Cassel einfach weiß sein lässt, sondern trotzdem immer wieder mal darauf hinweist, dass er es eben nicht ist, zum Beispiel, wenn er im Zug von Leuten auf fremden Sprachen angesprochen wird, die er nicht kennt, weil die Leute von seinem Aussehen her schließen, er würde sie sprechen können.

Zielgruppenempfehlung: Ich würde „Weißer Fluch“ vorbehaltlos allen Jugendlichen und Erwachsenen ab 14 oder 15 Jahren empfehlen, die wirklich düstere Fantasy mögen. Wer herkömmliche Jugendbuchfantasy oder eine Liebesgeschichte sucht, könnte natürlich trotzdem Spaß an „Weißer Fluch“ haben, sollte sich aber bewusst machen, dass „Weißer Fluch“ weder eine große Romanze beinhaltet, noch den typischen Jugendfantasyregeln folgt. Auch erwähnen möchte ich, dass es teilweise nicht nur brutale, graphische Szenen gibt, die hin und wieder auch eklig sein können, sondern auch sehr dunkle, teils beklemmende Konzepte und Elemente, die nicht jedem Leser gefallen werden.

Fazit: „Weißer Fluch“, der erste Band von Holly Blacks Trilogie rund um die „Curse Workers“ ist eine zum Zerreißen spannende, düstere Mischung aus cooler, actionreicher Urban Fantasy, rasanten Thrillerelementen und einer Mafiageschichte voller Intrigen, Lügen, Betrügereien und Komplotten. Dank Cassels pessimistischer Weltsicht und seinem zynischen Humor hat der Roman oben drauf eine ziemlich ungewöhnliche, aber dichte Atmosphäre, die an das „Noir“-Genre der 1940er erinnert. Wer auf der Suche nach einem phantastischen Thriller Noir ist und vor dem Jugendbuchgenre, das sich im Alter der Protagonisten niederschlägt, nicht zurückschreckt, sollte sich „Weißer Fluch“ unbedingt genauer ansehen. Mir hat der Roman bis auf kleine Makel wie unaufgelöste Geheimnisse und das inkonsequente Ende wirklich sehr gut gefallen, weshalb er von mir großteils für seinen komplexen Weltenbau, die ambivalenten Figuren, die spannenden Motive und die vielschichtige Handlung 4.5 von 5 Sternen bekommt. 


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