Samstag, 4. Juli 2015

"Die Blutgabe" - Franka Rubus

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Die Blutgabe | Band 1 einer Reihe
480 Seiten | Aufbau Verlag | ISBN 978-3-8412-0305-2

Vampire haben die Herrschaft an sich gerissen und Menschen zu Sklaven gemacht. In den Machtkampf zwischen alten und jungen Vampiren gerät der Mensch Red September, als er loszieht, um seine Geliebte zu suchen. Er schließt sich Extremisten an, die sich zum Ziel gesetzt haben, alle neuartigen Vampire auszurotten. Von ihnen lässt er sich zu einem Vampirjäger ausbilden, doch dann muss Red feststellen, dass seine Geliebte selbst zum Vampir geworden ist. Er steht nun vor einer schweren Entscheidung: Seine Geliebte zu erlösen, oder aber selbst ein Vampir zu werden... (Quelle)


Von Twilight und Klappentexten

Als Twilight vor einigen Jahren unglaublich erfolgreich wurde, hat das eine ganze Welle romantischer Vampirromane ausgelöst, in denen sich meistens ein junges Mädchen in einen geheimnisvollen Jungen verliebt hat, der sich dann als Vampir oder gar Werwolf/Nachtmahr/Wassermann/Marsmensch entpuppt hat. Gleichzeitig habe zumindest ich persönlich mitbekommen, dass viele Autoren sich bewusst gegen diese gutaussehenden Kuschelvampir gesträubt und versucht haben, es bewusst anders zu machen. Ich will dabei gar nicht sagen, irgendein Buch wäre nur deshalb schlecht, weil es auf der einen oder anderen Welle mitschwimmt und werde jetzt nicht diskutieren, warum ich Twilight nicht mochte, denn darüber wurde schon alles gesagt. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Roman damit beworben wurde, erfrischend anders zu sein, aber ich habe das Gefühl, dass dies auch eines dieser Bücher ist, das versucht, bewusst nicht Twilight zu sein. Die gute Nachricht ist, dass es wirklich nicht wie Twilight ist. Die schlechte Nachricht ist, dass es mir aus vielen anderen Gründen nicht gefallen hat.

Bevor ich das Buch bespreche, muss ich mal eine Sache loswerden, die mich inzwischen wirklich maßlos aufregt: Falsche Klappentexte. Denn der Klappentext, der von der offiziellen Verlagsseite stammt und über dieser Rezension steht, verrät nicht nur das Ende des Buches, sondern auch mehr, als überhaupt im Buch steht. Die Frage, ob er Vampir werden oder Mensch bleiben will, stellt sich für Red zumindest während des gesamten ersten Bandes noch nicht einmal ansatzweise und dass seine Freundin inzwischen Vampir geworden ist, ist ein ziemlicher Spoiler. Ich verstehe wirklich nicht, was das soll, denn eigentlich soll ein Klappentext ja neugierig machen und dazu anregen, das Buch zu kaufen und zu lesen. Nicht das gesamte erste Buch überflüssig machen, damit man es überspringen und mit dem zweiten Band anfangen kann. 

Von Red und Seide

Ich kann das Buch eigentlich nicht besprechen, ohne es in zwei Hälften zu teilen, denn ganz in der Mitte gibt es einen krassen Perspektivbruch. Wo die Geschichte die erste Hälfte über noch Red folgt, einem jungen Menschen, der aus einer Blutfarm in die fast nur noch von Vampiren bevölkerte Welt ausbricht, um seine Freundin zu suchen, springt die Handlung in der Mitte noch einmal ganz an den Anfang zurück und folgt nun Cedric, Vampir und Wissenschaftler, sowie seiner Assistentin Katherine. Die beiden Handlungsstränge haben miteinander zu tun, aber im Nachhinein nur über Kris und die Verbindung wirkt fast konstruiert. Traurigerweise finde ich das hier nicht einmal schlimm, weil ich die erste Hälfte des Buches so langweilig und furchtbar fand, dass es mich nicht gestört hätte, hätte man die einfach vergessen und verschwiegen.

Ohne die zweite Hälfte hätte ich dem Buch vielleicht einen Stern gegeben, vielleicht auch gar keinen. Das Schlimmste dabei war für mich fast Red, der Protagonist. Die erste Hälfte wird fast ausschließlich aus seiner Perspektive erzählt und das bricht dem Buch das Genick. Das Problem ist schlicht, dass Red nicht nur ungeheuer nervig ist, er hat auch einfach keine einzige Charaktereigenschaft. Ich habe mir Mühe gegeben, da etwas heraus zu lesen, aber mir fällt wirklich nichts ein, was ihn irgendwie ausmacht. Dafür muss er ständig jeden Satz und jedes Ereignis noch einmal mit mehreren Sätzen kommentieren, aber meistens ist er sowieso nur wahlweise empört oder entsetzt oder erstaunt. Er ist sein Leben lang auf einer Farm ohne eigene Identität und abgeschnitten von der Außenwelt aufgewachsen, und genau so wirkt er auch. Zudem kennt er natürlich vieles nicht, zum Beispiel ist er erstaunt, als er das erste Mal einen Schlüssel sieht. An anderer Stelle erkennt er aber, dass Célestes Kleid aus Seide ist. Woher er die kennt, ist mir ein Rätsel.

Der Schreibstil ist die erste Hälfte über sehr plump und erzählend. Anstatt dass durch Reds Reaktionen ab und zu mal gezeigt wird, wie er sich fühlt, erwähnt man das lieber noch dreimal und erzählt einfach, wie es ihm geht. Red ergeht sich dabei dermaßen in Pathos und Phrasen, dass es irgendwann wirklich keine Freude mehr ist, ihm zuzuhören. Noch dazu liest man nicht selten erstmal seine Reaktion, wie ihm mal wieder vor Erstaunen der Kiefer nach unten klappt, bevor man überhaupt liest, wovon er so überwältigt ist und keine Chance hat, mit ihm überwältigt zu sein. Ich konnte keine einzige seiner Emotionen nachempfinden und war irgendwann einfach nur noch genervt von ihm und seinen ewigen Jammereien. Noch dazu werden die wirklich spannenden Dinge am Anfang sehr gerafft erzählt, wodurch kaum Spannung aufkommt, alles was folgt wird unnötig in die Länge gezogen, obwohl eigentlich gar nichts Wichtiges passiert, bis auf Dinge, die man erst 200 Seiten später versteht. Red trainiert, Red ist müde, Kris trinkt von Red, Red schläft ein, Red vermisst Blue, Red geht trainieren.

Reds einzige Motivation ist seine Freundin Blue, die vor ihm aus der Farm geflohen ist, aber ich konnte sie zu keinem Zeitpunkt nachempfinden. Red erwähnt zwar immer wieder, dass er Blue sehr geliebt hat, aber sie hat, genau wie er, darüber hinaus auch keine einzige Eigenschaft. Außerdem kommt sie nicht einmal vor, weil Red ja nach ihr flieht und das Buch dort erst einsetzt, wodurch es bis auf Red kaum jemanden gab, dessen Schicksal mich weniger gekümmert hat. Red jagt einem Phantom hinterher, das er kennt und das für ihn wichtig ist, aber nicht für den Leser. Dadurch ist man nicht in der Lage, mitzufiebern und sich wirklich darum zu kümmern, ob Red Blue findet und wo sie ist.

Von Chase und Klischees

Die Nebenfiguren sind zwar auch nicht viel besser ausgearbeitet und mir immer noch viel zu blass, aber neben Red wirkt wahrscheinlich meine linke Socke wie eine überzeugende Romanfigur. Nicht schön fand ich, dass alle Figuren erstmal ausnahmslos über ihr Aussehen eingeführt wurden. Will, Michael und Claire wirken eher wie Statisten. Sarah, Chase, Tony und Hannah wirken, als könnten sie interessante Figuren sein, allen voran Chase, aber sie kommen viel zu kurz. Nicht schön fand ich allerdings, dass Red als Sarahs herausragendste Eigenschaft mehrmals ihre großen Brüste erwähnt, als hätte sie darüber hinaus nichts zu bieten. Zudem macht Tony öfter wirklich fiese Kommentare ihr gegenüber, die ich wirklich nicht in Ordnung fand. Tony war, sofern ich das richtig heraus gelesen habe, schwarz, entspricht allerdings fast vollkommen dem Klischee eines US-amerikanischen Bootcamp-Aufsehers, was ich in diesem Zusammenhang eher ungünstig finde.

Auch sehr klischeehaft habe ich die Darstellung von Pei Li empfunden, deren Verhalten mehrmals auf ihre "asiatische Höflichkeit" und ihre Herkunft zurückgeführt wurde. Sie ist zu höflich, um Cedric vor allen anderen etwas auszuschlagen und natürlich sehr Regimetreu und konservativ. Das Klischee der zurückhaltenden und gehorsamen asiatischen Frau hilft wirklich niemandem, genau so wenig wie von der ethnischen Herkunft einer Person auf ihre Persönlichkeit zu schließen. Das sind Pauschalisierungen, die nicht selten in Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit münden. Es führt auch niemand das Verhalten von Chase auf seinen amerikanischen Ungehorsam zurück. Die weißen Figuren sind unterschiedlich und niemand hat irgendwelche Eigenschaften, weil er weiß ist, aber Pei Li ist zurückhaltend und höflich, weil sie Chinesin ist. Natürlich wird Pei Li nicht als schlechter als die anderen dargestellt, schon gar nicht aufgrund ihrer Herkunft, aber eine gute Darstellung sieht eben auch anders aus.

Von Dystopien und Lücken

Was mir im ersten Teil extrem aufgefallen ist, ist dass das Setting hier weder rund noch gut ausgearbeitet wirkt. Die Handlung spielt sich vor allem bei den Bloodstalkers ab, in einem abgeschotteten Haus, und durch die Augen von Red, der keine Ahnung von gar nichts hat. Dadurch erfährt man kaum, wie es in der Welt der Vampire aussieht, wie alles organisiert ist und alles, was einen in einer Dystopie eigentlich interessiert. Man weiß nur, dass Menschen auf Farmen gehalten werden und Vampire die Welt bevölkern. Dass viel mehr hinter allem steckt und sowohl die Welt an sich als auch der Vampirmythos gut durchdacht sind, merkt man erst im zweiten Teil. Das ist nicht nur schade und raubt dem Roman viel Atmosphäre und Spannung, es ist auch nervig, wenn beispielsweise von progressiven und konservativen Vampiren die Rede ist und erst hunderte Seiten später geklärt wird, was das ist.

Durch den Mangel an Informationen wirkt die Welt während der ersten Hälfte des Romanes nicht nur wie eine Pappkulisse, leider wirkt dadurch das eine oder andere Mal alles äußerst unlogisch. Denn ein Bild von der Welt macht man sich unweigerlich trotzem und immer wieder bekam ich neue Informationen, woraufhin ich wieder alles umwerfen musste, was ich mir bis dahin zusammen gereimt hatte. Noch dazu machen die Vampire immer wieder diffuse Anspielungen, die einfach keine Spannung aufkommen lassen, weil man zu wenig Informationen hat, um rätseln zu können, worum es geht, was hinter allem steckt.

Ein echtes Problem waren meiner Meinung nach die vielen Logiklöcher. Ich habe zum Beispiel bis zum Ende hin nicht verstanden, warum Céleste Menschen ausbildet, um sie Vampire töten zu lassen und was sie überhaupt will. Ein paar Bluter zu töten ist doch auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, oder? Ich habe es wirklich nicht verstanden und weil der halbe Roman darauf aufbaut, ist das ein Problem. Gar nicht erklärt wird, was Wahres Blut ist. Wahres Blut ist der Grund, weshalb Red für Kris so wichtig ist und macht einen Großteil von Kris' Motivation aus. Allerdings leben bei den Bloodstalkers mehrere Menschen mit Wahrem Blut, also scheint es ja nicht so schwer sein, da ran zu kommen. Und warum ist Wahres Blut überhaupt so wichtig? Für mich hat es jedes Mal so gewirkt, als müsste Wahres Blut als Erklärung hinhalten, sobald der Plot versagt. Ebenfalls nie geklärt wird, was es damit auf sich hat, dass jemand vom selben Stamm ist wie jemand anderes, denn das bezieht sich offensichtlich auch auf Menschen. Und was hat es mit den Blutgaben auf sich, warum bemerkt man diese schon, bevor jemand zum Vampir wird?

Von Cedric und Chromosomen

Der zweite Teil hat mir besser gefallen, aber immer noch nicht gut. Ich muss jedoch klar sagen, dass der Schreibstil im zweiten Teil sehr viel flüssiger war und mir nicht mehr groß negativ aufgefallen ist. Cedric als Protagonist war um einiges besser als Red, alleine schon, weil er einen Hintergrund, Eigenschaften und eine Persönlichkeit hat. Katherine erschien mir hier jedoch ein wenig zu blass und das Rätsel um ihre Vergangenheit konnte mich nie wirklich packen, weil sie mich als Person nicht wirklich interessiert hat und weil mir nie klar war, warum das jetzt wichtig sein soll. Kris kam hier auch häufiger vor, und vor allem nicht durch die Augen von Red. Ich glaube, dass Kris durchaus Potenzial zu einer sehr interessanten Figur hat, aber auch, dass das nicht richtig ausgeschöpft wurde. Mir war bis zum Ende hin nicht richtig klar, was er über den Konflikt mit Céleste hinaus, den ich durchaus interessant fand, für ein Ziel hat und worauf er hin arbeitet.

Interessant fand ich die biologischen Ansätze, um Vampirismus zu erklären. Ich stehe so etwas immer etwas kritisch gegenüber, weil es häufig sehr unlogisch wirkt, und hier muss ich wirklich mal einen Vergleich mit Twilight ziehen. Dass Vampire mehr Chromosomen haben und deshalb supertoll und stark sind, ist einfach nicht logisch. Es ist so schreiend unlogisch, dass man sich nur die Haare raufen will. So unlogisch war es hier nicht und man merkt, dass die Autorin zumindest von Biologie Ahnung hat. Ich bin allerdings nicht sicher, ob jemand die doch sehr biologischen Erklärungen versteht, der keine Ahnung von Biologie und Genetik hat. Nicht erschlossen hat sich mir allerdings, warum die Entdeckung, die die Protagonisten am Ende machen, noch niemand davor gemacht hat, wenn doch so viel geforscht wurde, denn wirklich kompliziert wäre das nicht gewesen.

Auch ansprechen will ich die Brutalität des Romanes. Das ist kein Jugendbuch und ich habe auch kein Problem mit Brutalität und Gewalt an sich. Hier hat mich jedoch gestört, wie rücksichtslos Red später Vampire getötet hat und vor allem, dass er es genossen hat. Red entwickelt sich zu einer Killermaschine, der gerne losgeht und Vampire brutal verstümmelt und tötet. Leider wird das, besonders aus seiner Sicht, nicht genug reflektiert und hinterfragt. Gewalt in Romanen darf vorkommen, aber meiner Meinung nach darf sie nicht so weit gehen, zu Gewaltverherrlichung zu werden und dieser Roman ist kurz davor. Die Vampire, die sie töten, waren einmal Menschen und sie haben die Möglichkeit, ihr Bewusstsein wieder zu erlangen. Trotzdem wird es als heroisch und aufregend dargestellt, sie brutal abzuschlachten.

Das Ende des Romans ist leider sehr vorhersehbar, denn am Ende gibt es keinen besonderen Twist mehr, alles läuft so, wie es vorher schon geplant und besprochen wurde. Das raubt dem Finale seine Spannung und vor allem dem Roman seinen Abschluss. Mir ging das alles zu schnell und mir war es zu unüberraschend. Von einem Finale erwarte ich mehr. Leider setzt das aber nur fort, wie der Roman auch insgesamt aufgebaut ist: Ich habe das Gefühl, er weiß nicht wirklich, wo er hin will. Er entscheidet sich nicht, ob es um die Suche nach dem Vampirmythos oder die Bloodstalkers und deren Agenda gehen soll und räumt beidem gleich viel Platz ein, wodurch beides zu kurz kommt. Ich hätte vorgeschlagen, den Perspektivbruch in der Mitte zu lassen und beides parallel zu erzählen, was weitaus klüger gewesen wäre, aber ich würde so weit gehen und sagen, dass man Red und alles, was damit zusammen hängt hätte weg lassen können. Insgesamt wirkt der Roman durch die fehlende Agenda einfach langweilig. Mich hat einfach nicht interessiert, wie es weiter geht, weil die Handlung nur so vor sich hin dümpelt, ohne ein echtes Ziel zu haben.

Von Peru und Rassismus 

Wirklich problematisch fand ich allerdings, wie der Vampirmythos hergeleitet wird und in diesem Absatz werde ich spoilern müssen. Im Roman gibt es konservative und progressive Vampire. Progressive Vampire sind zu Beginn ihres Lebens blutrünstig und töten alles, was ihnen in die Quere kommt. Am Ende des Romanes wird die Entstehung der progressiven Vampire auf einen Eingeborenenstamm in Peru zurück geführt, der abgeschottet von der Welt Inzest betrieben hat, wodurch der Vampirismus mutiert ist. Ich finde diese Herleitung ungeheuer problematisch. Die Schuld am bösen Vampirgen wird hier einem "unzivilisierten" Stamm irgendwo im Regenwald untergeschoben, nur weil die so isoliert gelebt haben und so blöd waren, Inzest zu betreiben, hat der Westen nun dieses Problem, hier wäre das nie passiert. Es ziemlich neo-imperialistisch, die Ureinwohner Perus als wilde Menschen darzustellen und genau das tut man hier, wenn man ihnen Inzest unterstellt. Noch dazu sehr ignorant und auf so vielen Ebenen falsch, dass ich das kaum in Worte fassen kann. Hier werden "wilde Eingeborene" als eine Gefahr für die Menschheit dargestellt, obwohl gerade weiße Menschen für sie die größte Gefahr sind. Ob das beabsichtigt war oder nicht, ändert nichts daran, dass es dieses rassistische Stereotyp transportiert wird.

Bitter ist auch, dass sich hier gerade die Weißen bei den Natives infizieren, obwohl es normalerweise genau umgekehrt ist: Beim Kontakt mit eigentlich isolierten Stämmen schleppen fremde Menschen nicht selten Krankheiten ein, die den Natives den Tod bringen, weil sie dagegen nicht immun sind. Die Forscher in diesem Roman kümmern sich auch gar nicht darum, dass sie für die Natives gefährlich sein könnten, sie marschieren einfach fröhlich durch den Dschungel und freuen sich darauf, bei jedem Stamm freundlich empfangen und beherbergt zu werden. Hier wird die Gefahr, die weiße Menschen eigentlich für die Natives darstellen, einmal umgekehrt. Jetzt sind es die Natives, die eine fatale Krankheit verbreiten, die für die weißen Menschen gefährlich wird. Ich will nur noch einmal erwähnen, dass ich der Autorin hier nicht unterstelle, absichtlich so ein Klischee verbreiten zu wollen. Das ändert aber nichts daran, dass sie das tut und dass dieses Klischee rassistisch ist. Mit genug Recherche in die richtige Richtung hätte man das umgehen können.

Es ist nun einmal so, dass den Natives in ganz Amerika übel mitgespielt wurde. Nord- und Südamerika wurden im Zuge der Kolonialisierung komplett von Europäern bevölkert, die die Natives dort teilweise brutal ausgerottet haben. Die Darstellung einheimischer Menschen in den Medien ist immer noch durchzogen von üblen Klischees und Diffamierungen. Insofern ist wirklich Vorsicht geboten, wenn man sich dazu entschließt, über sie zu schreiben - was nicht heißt, dass man nicht über sie schreiben soll! Unbedingt! Aber mit Respekt, auf Augenhöhe und mit der nötigen Recherche. In diesem Roman wird eine Gruppe weißer Forscher beschrieben, die sich natürlich gerne von den netten Natives aufnehmen lassen, zu deren Ehren ein Fest gefeiert wird, als hätte jeder nur auf sie gewartet, und dann gibt es da noch den bösen Stamm, der abgeschottet lebt und deshalb Inzest betreibt und eine Seuche über die Menschheit bringt. Das alles sind rassistische Stereotype, übrig aus der Zeit der Kolonien und so unnötig und unpassend, wie die typischen Kannibalenstämme in Hollywoodfilmen. Das Reproduzieren solcher Vorurteile ist gerade deshalb so bitter und schlimm, weil Menschen heute noch unter genau diesen Stereotypen leiden, weil sie immer noch massivem Rassismus ausgesetzt sind.

Zielgruppenempfehlung

Ich würde das Buch auf keinen Fall Kindern oder Jugendlichen empfehlen, denn es ist eindeutig ein Roman für Erwachsene, der stellenweise viel ausführlich beschriebene Gewalt beinhaltet. Romantik sollte man nicht erwarten, denn die kommt wirklich nicht vor. 

Fazit

Eine spanndende Grundidee leidet hier unter der Umsetzung. Kris, Cedric und Céleste wären interessant genug gewesen, um eine überzeugende Handlung um sie herum zu spinnen. Die originellen Ideen, das Setting, eine spannende Handlung und ich hätte dem Roman leicht eine hohe Punktzahl gegeben, denn es zeigt sich durchaus Potenzial. Red zieht das Buch jedoch nach unten wie ein Anker. Die Handlung um ihn ist weder spannend noch logisch, er hat keinen Charakter und seine Agenda interessiert mich schrecklich wenig. Noch dazu gibt es viele Logiklöcher, die vielleicht im Folgeband noch genauer erläutert werden würden, aber die Erklärung hätte hier kommen müssen, denn hier habe ich mich über sie geärgert. Insgesamt ist das hier somit leider ein Roman, der nicht zu wissen scheint, wo er hin will, oder das einfach nur sehr gut vorm Leser versteckt hält. Spannung kam bei mir zumindest nicht auf. Von mir gibt es daher nur zwei von fünf Sternen und keine Empfehlung.

Kommentare:

  1. Schade, schade, ein Buch ohne Romantik sehe ich sonst ja immer ganz gern. Dann muss nur eben auch der Rest stimmen.

    Aber was ist es eigentlich mit Vampirromanen und Rassismus? Nicht dass es in allen vorkommt, aber ich kann jetzt spontan an drei Reihen denken, bei denen das alles wenigstens ansatzweise problematisch ist. Twilight war nicht ohne, wenn ich mich recht entsinne, die Reihe hier und einmal hab ich einen ersten Band erwischt, bei dem es hieß, es gäbe keine asiatischen Vampire, weil ihr Blut schlecht schmecken würde - ob das wirklich ganz Asien betrifft und warum das so ist oder warum das überhaupt wichtig ist (weil Vampirismus auch ohne Biss übertragen werden konnte) ... wer weiß. Vermutlich wollte die Autorin es einfach nur so, falsch wäre es sowieso.

    Und zum Thema spoilernde Klappentexte: Falls ihr mal vorhabt, die "Kingmaker, Kingbreaker"-Dilogie von Karen Miller zu lesen, schaut euch besser nicht die deutschen Klappentexte an, oder zumindest nicht zu genau. Die verraten nämlich, was kurz vor Ende des Bandes schon passiert, was ein bisschen die Spannung rausnimmt.
    Ich versteh auch nicht ganz, warum die Verlage da zu viel Info reinpacken. Zwar ist es manchmal wirklich schwer, einen Text zu verfassen, der Interesse weckt, wenn das Buch generell etwas ruhiger ist, aber Spoiler sind dann auch keine ideale Lösung.

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    1. Ich persönlich kann mich nicht genau erinnern, wie das in Twilight gelöst war, aber ich denke auch, dass ich mich in dem Thema nicht genug auskenne, um das beurteilen zu können. Aber glaube aber, dass es da Dinge gegeben haben könnte, die Menschen gestört haben. Gut fand ich jedoch, dass in den Filmen die Werwölfe wirklich mit Natives besetzt wurden. Das ist leider echt nicht selbstverständlich.

      Das mit dem asiatischen Blut, das nicht schmeckt, ist ja echt der Hammer. Ich bin froh, dass ich diese Reihe nicht gelesen habe. Dabei wäre es doch wahrscheinlich, genau wie hier, gar nicht so schwer gewesen, das nicht rassistisch zu machen! Ich glaube, da fehlt wirklich noch das Bewusstsein. Nicht zuletzt deswegen haben wir ja auch diesen Blog. Es freut mich aber, wenn nicht nur uns das auffällt.

      Das mit den Klappentexten erschließt sich mir auch nicht. Die deutschen Klappentexte der "Shades of London" Reihe von Maureen Johnson sind teilweise schlicht falsch und handeln offensichtlich von einem ganz anderen Buch. Oder jemand hat lediglich einmal das Buch aufgeschlagen, ein paar Seiten gelesen und dann einen Klappentext geschrieben.

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    2. Danke für die Warnung, was die "Kingmaker, Kingbreaker"-Reihe angeht, die habe ich auf dem Wunschzettel! Die deutschen Klappentexte schaue ich dann am besten erst nach dem Lesen an und vielleicht kann ich da gucken, dass ich die bei der Rezension ein wenig umdichte.

      Was das mit dem asiatischen Blut angeht: Das fällt mir leider öfter auf. Mir hat das die "Something Strange & Deadly"-Reihe von Susan Dennard ein wenig verdorben (davon abgesehen, dass der zweite Teil im Gesamtbild nicht so gut war). Im ersten Band, den ich liebe, hat Susan Dennard schon sehr merkwürdige Klischees und falsche Fakten parat, was Chinesen angeht, obwohl es da wenigstens ein tolles chinesisches Mädchen als Nebenfigur gibt. Im zweiten Band sagt ein Dämon der Hauptperson dann sinngemäß, dass irgendwelche Monster keine Asiaten fressen und die Heldin fragt ihn, weshalb nicht und er sagt: "Vielleicht mögen sie kein asiatisches Essen". Diesen Spruch finde ich einfach so widerlich. Ich war von dem Buch eh leider überhaupt nicht angetan und habe es dann nach diesem Spruch abgebrochen, es wurde einfach immer schlimmer. :'D

      Was Twilight angeht, finde ich es ein wenig unglücklich, dass ausgerechnet die Natives, die ja eh bis heute als "wild" und so gelten, Werwölfe sind und es kaum eine native Figur gibt, die keiner ist. Das wurde ja auch kontrovers diskutiert und da hänge ich mich lieber nicht rein, weil ich zu dem Thema nicht genug weiß, aber es ist schon sehr interessant, dass solche Muster tatsächlich sehr oft in moderner Fantasy zu finden sind und wahrscheinlich sehr oft einfach aus Unwissen, als aus bösem Willen, aber manchmal frage ich mich, ob das nicht fast schlimmer ist, weil man es schwerer erkennen kann. Was ich absolut schade finde ist aber, dass das Quileute-Reservat seit Twilight von Fans der Bücher als Touristenziel verstanden wird, was sicherlich auch nicht alle Anwohner toll finden.

      Auf jeden Fall vielen Dank für deinen Kommentar, Shiku, wir freuen uns immer sehr, wenn wir sehen, dass wir mit unseren Beobachtungen nicht allein dastehen. :)

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    3. Ich muss auch zugeben, dass ich das damals alles nicht gesehen habe, als ich die Bücher las (fand nur Edward schon immer creepy, wusste aber auch nicht so recht, was mich stört), und hab erst später drüber nachgelesen.
      Aber was das Casting angeht: stimmt. Sollte eigentlich Botschaft genug sein für andere Filme, in denen über Whitewashing nachgedacht wird, aber nein ...

      Ich dachte auch, ich les nicht richtig. Zum Glück war das Buch allgemein sehr schlecht (so sehr an Twilight orientiert, dass es schon fast ein Plagiat war), da hat es mir wenigstens keine gute Geschichte verdorben.
      Ich bin da echt froh über Plattformen wie Tumblr und Twitter oder eben auch Blogs. Aber gerade durch die ersten beiden wird es so leicht, andere Stimmen zu finden und einfach mal zuzuhören. Mir fällt mittlerweile so viel mehr auf als vor ein paar Jahren. Längst nicht alles, aber ich arbeite dran.

      Oh, den muss ich mir mal angucken, da kenn ich den ersten Band wenigstens und spoiler mich nicht.
      Immerhin gibt es einen Klappentext, vielleicht sollten wir auch drüber froh sein. :D Gerade bei englischen Büchern sind ja jetzt meist Zitate abgedruckt und ein Klappentext in der Innenklappe, hatte aber auch schon Taschenbücher, wo dafür dann gar kein Platz mehr war, oder nur sehr wenig.

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    4. Huch, ich hatte Camis Antwort vorhin gar nicht gesehen!

      Bei solchen "Theorien" in Büchern frage ich mich ja auch immer ... meinen sie jetzt wirklich ganz Asien oder nur den Osten/Südosten? Da stecken so viele verschiedene Kulturen drin, das könnte den Autor_innen doch schon mal auffallen, dass das bestenfalls problematisch ist? Andererseits ... wenn das Bewusstsein nicht da ist, fällt das zugegebenermaßen auch schwerer.

      Stimmt, das hatte ich auch gelesen. Dass das Reservat jetzt als Touristenziel gesehen wird, wusste ich aber noch nicht, wobei ich es mir eigentlich hätte denken können. :/ Dass die Fans damals zumindest in Massen nach Forks wollten, war ja auch vorhersehbar. Kann mir auch nicht vorstellen, dass dann alle unbedingt respektvoll mit der Gegend umgehen.

      Nichts zu danken! Ich hab mich auch sehr gefreut, als ich euren Blog damals entdeckt habe, und dachte mir, dass ich mir jetzt endlich mal mehr Zeit zum Kommentieren nehmen muss. :D

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    5. Ich fürchte, da machen sich viele Autoren viel zu wenig Gedanken drüber. Asien, ist doch alles gleich. Dasselbe Problem gibt es häufig mit Afrika.

      Es freut uns auf jeden Fall sehr, dass dir der Blog gefällt! Und über deine Kommentare freuen wir uns auch sehr, wir tauschen uns gerne über die Bücher, die wir gelesen haben mit anderen Lesern aus!

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  2. Hallo :)

    Schlechte oder falsche Klappentexte sind wikrlich ärgerlich! Grade bei deutschen Jugendbüchern ist mir das leider auch schon öfter begegnet!
    Schade dass das Buch soviel ungenutzt gelassen hat und auch viel vermurkst hat! Ich liebe Fantasy, Vampire und Endzeitromane schon sehr lange und es ist echt traurig das man in diesem Bereich kaum gute Bücher findet und immer wieder die gleichen Klischees zu lesen bekommt! Grade die Natives die irgendwelche Viren verbreiten oder mit ihrem Voodo-Zauber alle zu Zombies machen tauchen sehr oft auf!
    Twilight habe ich nie gesehen und nur mal in Band 1 reingelesen, fand das aber nicht toll damals und habs dann einfach ignoriert.

    Der Protagonist kennt keine Schlüssel aber erkennt Seide? Oo Sehr unlogisch, wirklich! Ich frage mich immer warum sowas nicht auffällt während das Buch entsteht, es gibt doch Korrekturlesen und alles!

    @Cami: Bei "Something Strange & Deadly" konnte mich Band 1 schon nicht überzeugen das lag aber auch daran das ich völlig falsche Erwartungen hatte! Und nach deinem Kommentar bin ich echt froh das ich Band 2 nicht gelesen habe! :)

    Liebe Grüße

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    1. Mir war gar nicht bewusst, dass es dieses Muster öfter gibt. Zum Glück habe ich das hier zum ersten Mal lesen müssen. Umso wichtiger, das einmal anzusprechen, finde ich.

      Das mit der Seide ist nur ein kurzer Nebensatz, in dem er erwähnt, dass das Kleid einer anderen Figur aus Seide ist. Wahrscheinlich wurde das einfach übersehen, aber irritiert hat es mich schon. Das hätte hier aber auch eigentlich Aufgabe des Lektorats sein müssen, finde ich, denn so einen Fehler macht jeder Schriftsteller mal.

      Hoffentlich findest du noch deine vampirische Dystopie! Wenn du etwas Gutes gefunden hast, dann lass es uns wissen, denn ich lese so etwas eigentlich auch wirklich gerne.

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