Donnerstag, 4. Juni 2015

"Geigenzauber" - Maja Ilisch

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Geigenzauber | Einzelband | 283 Seiten | Carlsen Impress | ISBN 978-3-646-60022-3 | Leseprobe

Schon als sie ihn zum ersten Mal hört, kann Mia nicht anders und folgt wie magisch angezogen den Klängen seiner Geige – durch die überfüllte Fußgängerzone hindurch zu dem abgerissen aussehenden Jungen mit den verstaubten goldblonden Haaren, der so wundervoll spielt, dass es fast wehtut. Wie weggeblasen scheinen ihr das ungerechte Verhalten ihrer angeblich besten Freundin Caro und die Sorgen um ihre kranke Schwester. Was zählt, ist nur noch Branwell – ein Junge wie aus einer anderen Welt –, mit dem sie sich zu einer Reise quer durch Deutschland aufmacht und nicht ahnt, in welch große Gefahr sie sich begibt …

Magische Momente & Psychische Störungen

Maja Ilischs "Geigenzauber" war ein Buch, in das ich hohe Erwartungen gesetzt und das mich leider dennoch enttäuscht hat. Der Klappentext klang wirklich spannend und auch der Schreibstil ist solide, baut eine magische Atmosphäre auf, mit genau der richtigen Mischung aus märchenhaft und düster. Dennoch muss ich leider sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hat, denn so herausragend einige Aspekte hier waren, so können sie nicht aufwiegen, dass eine schöne Verpackung noch keinen schönen Inhalt macht.

Durchaus gelungen ist hier die Darstellung der psychischen Störung von Mias Mutter und ihrer Schwester. Man merkt, dass die Autorin hier wohl sehr gut recherchiert hat und wirklich weiß, wovon sie spricht. Im Laufe der Handlung werden viele Probleme und Klischees angesprochen, die Menschen mit ähnlichen Diagnosen betreffen, auch wird die bipolare Störung der Mutter sehr gut erklärt, ohne Menschen mit psychischen Störungen zu stigmatisieren. Dennoch muss ich hier sagen, dass eben gerade viele Klischees angesprochen werden, mit denen sich Menschen mit psychischen Störungen konfrontiert sehen. Einige Dinge, die Mia ihrer Mutter an den Kopf wirft, könnten Menschen zu nahe gehen, die so etwas nicht lesen können oder wollen. Die Darstellung insgesamt bleibt positiv und Konflikte werden gelöst, allerdings möchte ich hier eine Warnung für jene Leser aussprechen, die so etwas lieber nicht lesen würden.

Leider hat mir dieser Aspekt des Romans im Kontext der Geschichte nicht gut gefallen. Ohne Frage, die Darstellung psychischer Störungen an sich ist gelungen, allerdings gelingt es hier nicht, das auch gut in die Handlung des Romanes einzubinden. Eher wird nebenbei viel davon erzählt, wie es der Mutter mit der psychischen Störung geht, es wird im Laufe des Romanes geschildert, wie Mias Schwester lernt damit klar zu kommen, aber der Aspekt hat mit allem anderen nichts zu tun und nimmt dafür dann wieder zu viel Raum ein. Natürlich muss die psychische Störung der Mutter nicht magisch mit den Feen verknüpft sein, um eine Daseinsberechtigung zu haben, aber für eine Nebenhandlung wirkt alles zu wenig eingebunden und mehr draufgeklebt als verwebt. Insgesamt wirkt die Gewichtung hier nicht stimmig und man hat teilweise mehr das Gefühl, ein Sachbuch zu lesen. Auch wird das alles nicht mehr ganz so wichtig, wenn Branwell dann mal da ist.

Morsches Holz & Sowas wie Handlung

Hier gehen die Probleme leider erst so richtig los, bei Branwell und der eigentlichen Handlung, denn die gibt es ehrlich gesagt nicht. Es tut mir leid, wenn ich jetzt spoilern muss, aber ehrlich gesagt besteht die Handlung des Buches einzig und alleine darin, dass Mia Branwell trifft, mit ihm durch Deutschland reist, Branwell ein Problem bekommt, das sehr konstruiert wirkt und nirgendwo hin führt, andere Feen das Problem lösen, Mia wieder nach Hause fährt und Branwell dann auf einmal vor ihrer Tür steht. Es gibt keine spannenden Twists, eigentlich nichtmal eine wirkliche Handlung, nur Mia, die ohne ersichtlichen Grund Branwell hinterher rennt, weil sie glaubt, mit ihm glücklich werden zu können, obwohl das offensichtlich nicht der Fall ist. Zwischendrin werden immer wieder Dinge erwähnt, die sich unglaublich spannend anhören, besonders die Mythologie des Romanes betreffend, aber nichts davon wird je aufgelöst oder überhaupt noch einmal wichtig.

Der Leser bekommt hier viele Häppchen vorgeworfen, die den Appetit anregen, aber nie die ganze Mahlzeit, und so bleibt man am Ende hungrig. Man hat den Eindruck, dass hinter allem noch viel mehr stecken müsste, besonders hinter Branwell, eine wirklich spannende Geschichte, aber ebenso wenig wie Mia bekommt der Leser keine befriedigende Auflösung. Niemand weiht sie ein und das hinterlässt einen einfach nur unbefriedigt. Gerade das Ende lässt vieles zu wünschen übrig, denn es gibt einfach keines. Wo nach meinem Gefühl ein dritter Akt folgen sollte, bricht der Roman ab, wirft einem eine kitschige, absolut unlogische und im Kontext des Romans auch ziemlich bedenkliche Wiedersehensszene vor die Füße und dann ist es zu Ende. Wo ist denn der spannende Roman, der mir 200 Seiten lang versprochen wurde? 

Ewige Liebe & Problematische Inhalte

Ein großes Problem ist hier meiner Meinung nach Mias Perspektive. Ich habe kein grundsätzliches Probem mit ihr als Person, eher damit, dass sie eine der unspannendsten Figuren ist, um diese Geschichte zu erzählen, sofern ich annehme, dass es überhaupt eine zu erzählen gibt. Mia tut den ganzen Roman über eigentlich nichts. Ihre beste Freundin lässt sie einfach stehen, weil es ihr peinlich ist, mit Mia gesehen zu werden, aber sie lässt das mit sich machen. Nun gut, sie ist 13 und solche Probleme hätte ich noch realistisch gefunden, wären sie im Laufe des Romanes angesprochen und gelöst worden, aber als Branwell auftaucht, ist es damit dann auch vorbei. Mia verbringt den ganzen Roman eigentlich nur damit, ihm wie blöd hinterher zu rennen, weil sie ihn für ihre große Liebe hält. Branwell behandelt sie nicht einmal gut, er ist eine ziemlich weltfremde Fee und hat so offensichtlich absolut gar kein Interesse in Mia, dass es weh tut. Die spannenden Dinge tut immer jemand anderes, ihr erzählt nicht einmal jemand wirklich etwas. Es ist ein wenig so, als würde man einen spannenden Roman um ein Geisterhaus aus der Sicht des Busfahrers erzählen, der jeden Tag mehrmals an diesem Haus vorbei fährt.

Noch dazu ist Branwell absolut keine positive Figur und für ein 13jähriges Mädchen absolut nicht geeignet als Love Interest. Auch hier muss ich leider wieder spoilern: Um als Fee unter Menschen leben zu können, musste sich Branwell den Körper eines Jungen unter den Nagel reißen. Er begründet es damit, dass dieser es ja so gewollt hätte, um perfekt Geige spielen zu können und anders wäre er nie glücklich geworden, weil er ja sonst nicht hätte perfekt Geige spielen können, auch ist der Junge, als er kurz auftaucht, verständlicherweise ziemlich verwirrt. Das Problem ist, dass das hier offensichtlich als legitime Begründung dafür dargestellt wird, jemand anderem den Körper zu stehlen und das ist es einfach nicht. Es ist nicht in Ordnung und sollte so auch dargestellt werden. Man könnte natürlich damit argumentieren, das sich das der Leser ja denken kann, aber das hier ist ein Buch für Jugendliche ab 12 und nicht für Erwachsene. Da kann ich solch komplexe Fragen nicht einfach in den Raum stellen und erwarten, dass die Jugendlichen das schon genau anders herum interpretieren werden, als ich es darstelle. Denn was Branwell hier getan hat, ist nicht nur wirklich furchtbar, viel mehr gibt das Buch hier dem Opfer die Schuld an der Tat, als es seine Tat als gerechtfertigt darstellt.

Branwell behandelt Mia auch sonst nicht gut. Er ist nett, ja, und er tut nicht unbedingt etwas Schlimmes, aber es wird sehr deutlich, dass sie ihm ziemlich egal ist und dass er sie vor allem nur benutzt. Das kommt deutlich zur Sprache, aber anstatt dass dieser Konflikt irgendwie geklärt wird, denkt sich Mia am Ende einfach, dass er sie schon trotzdem mag und rennt wieder zu ihm, als er wieder vor ihrer Tür steht. Und das, nachdem sie wegen ihm große Schwierigkeiten hatte. Was Mia für Branwell tut wird hier als vollkommen okay und selbstverständlich hingestellt und diese Botschaften finde ich hochproblematisch. Mia ist 13 und noch viel zu jung, um sie von der großen Liebe sprechen und für einen dahergelaufenen Straßenmusiker von zu Hause weglaufen zu lassen ohne darzustellen, dass das nicht die klügste Idee ist.

Noch dazu wird deutlich, dass Branwell Mias Zuneigung durch Magie erschlichen hat. Er manipuliert sie, damit sie ihn mag und ihm hilft, aber sie lässt das einfach mit sich machen und wehrt sich bis zum Ende hin konsequent dagegen einzusehen, dass das nicht okay und keine romantische Liebe ist. Am Anfang sagt Mia sogar noch, dass Liebe keine Gehirnwäsche ist, aber am Ende ist es genau das für sie. Meiner Meinung nach sollte man in einem Jugendbuch keine so unausgelichene und ungesunde Beziehung unreflektiert als die große Liebe darstellen, niemals. Es ist nicht okay, dass Branwell Mia benutzt und manipuliert und anstatt diesen Konflikt zu lösen, redet sich Mia am Ende einfach nur ein, dass er sie schon liebt und sie zusammen gehören. Branwell ist nicht nur viel älter als Mia, schließlich ist er eine Fee, er benutzt sie auch noch, manipuliert sie, erzaubert sich bewusst ihre Zuneigung, interessiert sich kein Stück für sie. Sie rennt ihm wie blöd hinterher und lässt das mit sich machen. Das ist dann romantisch. Nein, einfach nein. 

Versteckte Romane & Nebenfiguren

Amanda als Nebenfigur mochte ich sehr, leider kommt sie jedoch nur kurz vor. Aus ihrer Perspektive wäre der Roman vielleicht toll geworden, wenn er auch noch Handlung gehabt hätte, aber da sie sich gewissermaßen als einzig vernünftige Figur im ganzen Film zwischen Mia und Branwell stellt, kommt sie aus Mias Perspektive später schlechter weg als man sie als Leser eigentlich wahrnimmt, und das lässt Mia wieder wie ein unreifes Kind wirken. Ja, Mia ist mit 13 manchmal auch noch eines, aber ein Roman, der sich an junge Leser richtet, sollte sie nicht so vorführen, denn für junge Leser liest sich das unangenehm und von oben herab. Viel eher hätte Mia aus ihren Fehlern lernen sollen, aber das tut sie nicht, sie wächst nicht, entwickelt sich nicht, versteift sich nur in ihrer Anbetung Branwells. Hätte der Roman Handlung gehabt, so wäre es wahrscheinlich klug gewesen, Mia entweder reifer und älter zumachen, oder die Handlung entsprechend anzupassen.

Damian als Nebenfigur mochte ich, aber er kam etwas zu kurz. An zwei Stellen wird kurz erwähnt, dass er schwul ist und wohl auch einen Freund hat, mir persönlich war das für wirklich positive Repräsentation aber zu wenig. Ja, natürlich sind auch LGBTIA-Nebenfiguren wichtig, aber diese beiden Stellen überliest man total schnell. Auch kommt Damian wirklich nur ganz am Rande vor. Es wäre schön, würde es mehr wirklich wichtige LGBTIA-Figuren geben, auch wenn ich das diesem Roman nicht vorwerfen will, weil außer Mia und Branwell eigentlich niemand so wirklich wichtig ist. Alle anderen Nebenfiguren bleiben leider viel zu blass, wie zum Beispiel Mias Familie. Bis auf Branwell scheint in diesem Roman ja leider auch nichts wirklich wichtig zu sein.

Aus der Perspektive dieser beiden Figuren hätte man wahrscheinlich einen spannenden Roman schreiben können, denn hier wird angedeutet, dass hinter Mias Schmachten für Branwell doch eine komplexe Mythologie und Raum für wirklich spannende Ideen steckt. Leider hat man das Gefühl, dass diese Ideen nie zu Ende gedacht wurden, wodurch unglaublich viel Potenzial ungenutzt bleibt. Für diese Grundidee, sofern man davon überhaupt sprechen kann, ist Mia nicht die richtige Protagonistin und die Fixierung auf die Liebesgeschichte mit Branwell ein großes Problem. Es bräuchte einen wirkliche Konflikt, vielleicht auch einen Antagonisten oder zumindest eine antagonistische Macht, irgendetwas, das eben irgendwie eine Handlung wäre und nicht einfach nur eine Abfolge guter Ideen, die ungenutzt verschwendet wurden.

Viele Aspekte werden auch leider nicht aufgelöst und am Ende fragt man sich, ob man eine Schreibübung der Autorin aus Sicht einer Nebenfigur oder wirklich einen echten Roman gelesen hat. Ich habe wirklich keine Ahnung, was das alles am Ende sollte, denn gerade das, was für den Leser spannend ist, wie zum Beispiel die Hintergrundgeschichte von Branwell, kommen gar nicht mehr vor. Wer den Klappentext liest und davon angetan ist, weil er wissen möchte, was hinter dem Zauber steckt, der wird enttäuscht sein, denn es steckt nichts dahinter. Auch kommen zwischendrin seltsame Visionen vor, die nie wieder erwähnt werden.

Zielgruppenempfehlung

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 12 Jahren, ich würde es jedoch wirklich nicht für so junge Leser empfehlen, denn einige Inhalte und besonders die Beziehung zu Branwell sind hochproblematisch. Wer das Buch liest, sollte also in jedem Fall in der Lage sein, diese Inhalte zu reflektieren oder sie mit jemandem besprechen. Ältere Leser könnten sich jedoch an der jungen Protagonistin stören. Auch fallen einige Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Störungen, die trotz einer positiven Auflösung stören könnten.

Fazit

Nun ja, der Roman klingt zumindest, als hätte die Autorin viele spannende Ideen gehabt. Leider merkt man davon im Roman später nicht viel, denn eine wirkliche Handlung gibt es schlicht nicht. Dinge werden immer wieder aufgeworfen und angedeutet, aber nie wirklich wichtig. Die Beziehung zu Branwell ist problematisch, unrealistisch, unausgeglichen und wirklich überhaupt nicht romantisch. Das Ende wirkt an den Haaren herbei gezogen und einen dritten Akt gibt es schlicht nicht. Einzig die Darstellung psychischer Störungen, der Stil und die Atmosphäre können überzeugen. Dafür vergebe ich zwei von fünf Sternen, für mehr hätte es jedoch so etwas wie eine Handlung gebraucht.

Kommentare:

  1. Hallo :)
    oh je, das diese Beziehung so problematisch ist schreckt mich echt ab!
    Der Klappentext klingt so toll, ich war mir aber irgendwie nie sicher ob ich das Buch lesen mag oder nicht. Jetzt weiß ich das ich das wohl eher nicht lesen werde! Es gibt noch genung andere Impress Titel dir darauf warten das ich sie lese ;)

    Liebe Grüße

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  2. Leider hat der Klappentext hier zumindest für mich nicht gehalten, was er versprochen hat. Eine ähnliche Atmosphäre hat allerdings "Wen der Rabe ruft" von Maggie Stiefvater und diese Reihe kann ich wirklich empfehlen. Die Rezension dazu kommt auch bald! :)

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  3. Danke für die Rezension! Auch wenn das Fazit nicht positiv ausgefallen ist, muss ich sagen, es ist die beste und ausführlichste Rezension zu dem Buch, die ich bis jetzt gefunden habe, und obwohl ich normalerweise nie auf Rezensionen antworte, möchte ich das hier ausnahmsweise doch tun, weil ihr den Finger genau auf die Stellen gelegt habt, die mir auch beim Schreiben problematisch erschienen sind, und ich bin froh, dass es auch andere gibt, die das so sehen.

    Ursprünglich sollte »Geigenzauber« ein anderes Ende bekommen, eines, in dem Mia das einzig richtige macht, Branwell in den Wind schießt und versteht, dass sie auch ohne Freund ein vollwertiger Mensch ist (hier ist ein alter Blogeintrag von mir, wo ich das detailliert begründet habe: http://www.hollow-willow.de/blog/archiv/15/2010/12/Rosa-Rosa-Romantasy.php). Das einzige Problem ist, es hat beim Schreiben nicht geklappt. Es war das Ende, das ich haben wollte, aber nicht das, was Mia haben wollte, und nachdem ich das Buch deswegen schon auf Eis legen wollte, habe ich ihm dann das Ende verpasst, dass es jetzt hat (mit der Einschränkung, dass Branwells Geheimnis eigentlich nie erklärt werden sollte, das habe ich auf Anraten meiner Agentin eingebaut). Und obwohl ich den Schluss in der jetztigen Form durchaus mag, wäre mir im Nachhinein lieber gewesen, ich hätte mich gegen meine Figur durchgesetzt und dem Buch mein Wunschende verpasst. Ich tue gerade Abbitte, indem ich die Heldin in dem Buch, das ich gerade schreibe (nach »Geigenzauber« das zweite, das im Weitesten unter das Label »Teenie-Romantasy« fällt) genau damit enden lasse, mit einer starken weiblichen Hauptfigur, die versteht, dass dieser Kerl der falsche für sie ist und sie ihn nicht nötig hat. Das hilft Mia vielleicht nicht mehr, aber mir. :-)

    Was Damian angeht: Ich glaube, außer euch hat niemand überhaupt gemerkt, dass er schwul ist, weil ich das nur sehr beiläufig angesprochen habe, ohne es lang zu thematisieren (weil ich nicht finde, dass es undedingt ein großer Deal sein muss). Er ist nur eine Nebenfigur (wie außer Mia und Branwell alle Personen in diesem Buch), aber gar keinen LGBTQ-Charakter in der Geschichte zu haben, hätte mich sehr gestört. Ursprünglich sollte sich zwar auch noch herausstellen, dass Felix und István schwul sind, aber das habe ich rausgeschmissen, die Szene war dann doch zu sehr sensationsgeil und auf Drama gebürstet, und für zwei Figuren, die gemeinsam auf anderthalb Zeilen Dialog kommen, war mir das zu albern und effekthascherisch. Also, die beiden sind schwul, aber es spielt im buch keine Rolle. Und Damian ist tatsächlich meine kleinste LGBTQ-Rolle. Mir ist Diversität sehr wichtig, und in meinen anderen Büchern habe ich dem Thema auch deutlich mehr Platz eingeräumt, und das nicht nur bei Nebenfiguren.

    Das heißt jetzt nicht, dass ich mich oder »Geigenzauber« verteidigen will, noch, mich dafür zu entschuldigen. Aber weil ihr euch so viele Gedanken gemacht habt und wirklich gute Argumente gebracht, dachte ich, ein paar Hintergrundinformationen runden das Bild ein bisschen ab. Und ich würde mich freuen, wenn ihr Interesse habt, anderen Büchern von mir mit größerem Schwerpunkt auf dem Thema Diversity eine Chance zu geben und zu schauen, wie mir da die Umsetzung geglückt ist.

    Liebe Grüße
    Maja

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    1. Hallo Maja,

      danke für deine Rückmeldung, sie war sehr interessant zu lesen. Wir haben uns ja vorgenommen die Romane, die wir lesen, sehr ausführlich und ehrlich zu rezensieren und ich finde es schön, dass es Autoren gibt, die auch bei nicht ganz so positiv ausfallenden Rezensionen sachlich bleiben und das wertschätzen können. :) Luna hat sich tatsächlich auch große Gedanken über die Rezension gemacht und wir finden es einfach beide fair, ehrliche aber eben auch gut durchdachte und sorgfältige Rezensionen zu schreiben. Luna wird sich deinem "Puppenzimmer" bald annehmen und ich bin auch gespannt auf weitere Romane von dir, in denen Diversity vielleicht auch ein wenig mehr Platz findet.

      LG,

      Cami

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