Donnerstag, 18. Juni 2015

"Der verschollene Prinz" - C.S. Pacat

Link zur Verlagsseite 
Der verschollene Prinz | Captive Prince #1 | 320 Seiten | Heyne | ISBN 978-3-453-31608-9 | OT: The Captive Prince (AUS)

Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft – ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, lernt Damen Laurent besser kennen, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: Seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis um dessen eiskaltes Herz zu lösen ... (Quelle)

Machtspiel - Von Gewalt und Intrigen 

Der australischen Autorin C.S. Pacat ist passiert, wovon wohl viele Autoren träumen. Ihre Trilogie „The Captive Prince“, die sie im Jahr 2013 als Self-Publisher herausgegeben hat, ist buchstäblich durch die Decke gegangen und kurz darauf wurde sie vom Penguin-Verlag angesprochen. Dieses Jahr erscheint der erste Roman der Reihe in vielen Ländern in großen Publikumsverlagen, unter anderem auch hier in Deutschland im Heyne-Verlag. Aber ganz ehrlich: Während mir der Schriftzug, mit dem goldenen Schwert als I sehr gut gefällt, finde ich das deutsche Cover alles in allem eher – ungünstig. „Der verschollene Prinz“ ist kein Roman, dem ein schwarz-weißes Cover in Comicoptik steht. An sich ist „Der verschollene Prinz“ kein einfacher Roman. Und hier möchte ich dem Heyne-Verlag einfach einmal meinen Dank aussprechen, dass er als großer Publikumsverlag nicht immer nur auf Nummer sicher geht, sondern auch Bücher macht, die vom Mainstream deutlich abweichen. Das ist mir schon zuvor einige Male aufgefallen und es freut mich sehr.

Jetzt aber zum eigentlichen Roman. „Der verschollene Prinz“ ist wohl im Großen und Ganzen ein High-Fantasy-Roman, obwohl ihr keine Magie oder mystischen Geschöpfe erwarten dürft. Das Ganze geht viel eher in Richtung Court Intrigue mitsamt verschlungener, komplizierter Intrigen und einem komplexen politischen System, das nicht immer sofort ersichtlich werden lässt, was genau im Moment passiert. Was ich aber unbedingt erwähnen muss, bevor ich den Roman analysiere: Er ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Sklaverei, Folter, Vergewaltigung und Tod spielen konstant eine große Rolle und das auf eine Weise, die ganz sicherlich den ein oder anderen sehr mitnehmen könnte. Falls ihr an „Der verschollene Prinz“ interessiert seid, macht euch bitte von Anfang an klar, dass der Roman keine leichte Kost ist und viel weniger typische High Fantasy, als ein sehr emotionales, schonungsloses Ränkespiel bei Hof, bei dem nicht immer alles so ist, wie es zu sein scheint und niemand so wirklich sympathisch ist oder gut oder heldenhaft. An sich kann ich euch aber versichern, dass hier nichts romantisiert wird, was nicht romantisiert werden sollte.

C. S. Pacat schreibt aber trotzdem sehr direkt und ohne die übliche Schicht Zuckerguss, die gern mal über schwere Themen gegossen wird. Die Verhältnisse am Hof von Vere sind wie sie sind und werden auch durchaus angeprangert, aber passieren tut das alles trotzdem und das mehr oder minder explizit und graphisch. Als Beispiel könnte ich vielleicht Nicaise anführen, einen vierzehnjährigen Jungen, der ein Verhältnis mit dem deutlich älteren Regenten von Vere hat, von dem er sich Vorteile erhofft. Damen, der neu am Hof ist, ist davon genauso abgestoßen und schockiert wie ich es als Leser war, aber passieren tut es trotzdem und das gilt auch für Laurents grausame Machtspiele, für den Umgang mit Sklaven am Hof von Vere und einiges anderes mehr. Wer mit solchen Inhalten generell seine Probleme hat, sollte sich vor dem Lesen auf jeden Fall bewusst machen, dass „Der verschollene Prinz“ nicht so harmlos ist, wie das gezeichnete Cover zuerst vermuten lässt. Ich würde aber sagen, das bleibt alles noch weit unter dem Schock- und Gewaltniveau von zum Beispiel „Game of Thrones“, um euch einen Vergleich zu geben.

Weltenbau - Von Komplotten und fremden Welten 

Wovon handelt „Der verschollene Prinz“ genau genommen? Nach dem Tod seines Vaters, des Königs von Akielos, gibt es einen Putsch bei Hof, bei dem Kronprinz Damianos von seinem Halbbruder gestürzt und für tot erklärt wird. Um Damianos loszuwerden, verkauft er ihn kurzerhand als gewöhnlichen Sklaven Damen an den Hof von Vere, in der Hoffnung, Damianos würde dort über kurz oder lang spurlos verschwinden. Hier wartet Kronprinz Laurent darauf, endlich König zu werden. Noch wird das Land von seinem Onkel, dem Regenten, regiert. Laurent ist grausam, arrogant und ich-bezogen und Damen legt sich von Anfang an Fluchtpläne zurecht, um aus Vere zu entkommen. Allerdings ist auch Laurents Herrschaft in Gefahr. Ihr seht: Intrigen, Intrigen und oben drauf noch ein paar Intrigen. Ihr wisst ja mittlerweile, dass man mich mit so etwas immer begeistern kann und auch „Der verschollene Prinz“ hat mich hier nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil.

Wenn eines in „Der verschollene Prinz“ im Vordergrund steht, dann sind es die Machtspiele zwischen Vere und Akielos und den anderen Nationen in C.S. Pacats fiktiver Welt. Man hat immer das Gefühl, die Figuren sind einander immer einen Schritt voraus und gerade, wenn man glaubt, man weiß, wer was vorhat und was als nächstes passiert, gibt es eine rasante Wendung und alles ist auf einmal doch ganz anders. Absolut jeder hat etwas vor und eine Motivation und mehr oder minder düstere Absichten, von den offensichtlich bösen oder sogar widerwärtigen Figuren wie dem Regenten, bis zu Figuren wie Nicaise oder dem Sklaven Erasmus, die viel mehr Opfer des Systems am Hofe von Vere sind, als wirkliche Spielsteine in diesem Kampf um die Herrschaft. Wer Romane mag, in denen politische Intrigen und das Hin und Her zwischen den Parteien im Vordergrund stehen und sich alles danach ausrichtet, was als nächstes ans Licht kommt oder wer warum welche Absichten entwickelt, der liegt mit „Der verschollene Prinz“ genau richtig. Ich habe schon Anfang 2014 Band I und Band II, der im Januar als „Das Duell der Prinzen“ auf Deutsch erscheinen wird, Rücken an Rücken gelesen, weil ich einfach wissen musste, wie es am Hof von Vere weitergeht und ich sage euch, das Warten auf Band III ist auch nach über einem Jahr noch eine einzige Qual.

Darüber hinaus ist auch der Weltenbau unglaublich komplex und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Komplizierte politische Intrigen können vor einem nicht ausgereiften Hintergrund wohl auch nicht wirklich funktionieren, doch die Welt, die C.S. Pacat hier erschafft, funktioniert auf ganzer Linie. Ich bin nicht ganz sicher, wo die Inspirationen herkommen. Akielos erinnert mit seinem Sklavensystem natürlich schon stark an das antike Griechenland, wofür auch der Ländername oder der Name Damianos sprechen. Damen beschreibt sich außerdem selbst als dunkelhaarig mit dunklerem Hautton, weshalb ich mir Akielos tatsächlich immer in diese Richtung vorgestellt habe, während Vere dann eher in Richtung mittelalterliches Frankreich zu gehen scheint und in einigen Dingen vielleicht sogar antikes Rom. C.S. Pacat mischt aber in beiden Ländern gut durch, sodass  am Ende eine interessante Welt entsteht, die ich, wenn ich sie mit der Geschichte unserer Welt vergleichen müsste, irgendwo an der Schwelle zwischen Antike und frühem Mittelalter ansetzen würde. Natürlich passt das nicht ganz und ist am Ende auch viel phantasievoller und detailreicher als eine bloße Anlehnung an eine historische Epoche, aber vielleicht hilft euch der Vergleich euch ungefähr vorzustellen, in welche Richtung C.S. Pacat hier geht. Die beiden beliebtesten Epochen, die High Fantasy inspirieren – das Hochmittelalter und der Barock – bleiben hier tatsächlich einmal außen vor, was ich sehr erfrischend finde.

Der Hof von Vere - Von Dekadenz und Diversität  

An sich muss ich hier aber noch einmal erwähnen, dass die Gesellschaft von Vere unglaublich sexualisiert ist. Sex – und leider auch sexuelle Erniedrigungen – gehören in Vere zur Unterhaltung der Massen. Die ganze Gesellschaft ist sehr dekadent, weshalb ich mich auch in einigen Teilen an das antike Rom erinnert gefühlt habe oder zumindest an den Ruf, den das antike Rom heute hat. Ich kenne viele Leute, die an „Der verschollene Prinz“ herangegangen sind und einen nichtssagenden Erotikroman für zwischendurch erwartet haben, aber ich möchte ganz klar sagen, dass der Roman keine Erotik ist. Zumindest finde ich die Dinge, die in „Der verschollene Prinz“ passieren auf keinen Fall erotisch. Ja, am Hof von Vere kann man praktisch öffentlich übereinander herfallen. Ja, es gibt sehr explizite Sexszenen. Aber erotisch ist daran in den allermeisten Fällen absolut gar nichts und hin und wieder besonders am Anfang, ist es nichts anderes als sexuelle Gewalt – und wird auch als solche gezeigt. Mich haben diese Szenen mit einem Gefühl der Beklemmung zurückgelassen, die der personale Erzähler in Damens Perspektive auch oft geteilt hat.

Dieses unglaublich Sexualisierte ist eine Eigenschaft des Hofes von Vere und irgendwo auch ein Kontrast zum Hof von Akielos, der Damen auch unangenehm auffällt. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was ich von diesem Aspekt des Romans halten soll, besonders von den Szenen, die deutlich in Richtung sexuelle Gewalt gehen. Ich betone noch einmal, dass hier nichts verherrlicht wird und die Grausamkeiten auch als solche gezeigt werden, aber ich bin da einfach an dem Punkt unentschlossen, ob sexuelle Gewalt auf diese Weise in einem Roman vorkommen sollte. Ich denke aber, dass „Der verschollene Prinz“ am Ende einfach diese Art von Fantasy ist und obwohl das überhaupt nicht meine Art von Fantasy ist (Ich kann zum Beispiel „Game of Thrones“ weder anschauen noch lesen), hat C.S. Pacat eine Balance gefunden, die gerade so auch für mich noch akzeptabel war. Ich bin kein Fan von diesem Aspekt des Romans, aber ich kann damit umgehen und, wenn ich das kann, können Leser, die Härter im nehmen sind als ich das sicherlich schon lange. Der Aspekt bringt aber auch mit sich, dass Bi- und Homosexualität am Hof von Vere weitgehend akzeptiert sind, was mich wiederum sehr gefreut hat.

Es ist sehr schwer Romane zu finden, in denen nicht alle Figuren heterosexuell oder weiß sind, deshalb führen Luna und ich diesen Blog ja. Und einen Fantasyroman lesen können, in dem die Hauptfiguren schwul bzw. bisexuell sind und einer von beiden als nicht-weiß beschrieben wird, das ist einfach eine schöne Sache. Besonders, wenn der Roman aus einem großen Publikumsverlag kommt und viele Leute erreichen kann. Ich hoffe jetzt, dass C.S. Pacat und ihr Roman den Erfolg erleben, der ihnen meiner Meinung nach zusteht und, dass „Der verschollene Prinz“ vielleicht am Ende sogar ein Fuß in der Tür ist und wir in Zukunft noch viel mehr diverse Fantasy aus großen Verlagen zu lesen bekommen. Ich möchte mich auf jeden Fall nicht nur bei C.S. Pacat bedanken, sondern auch beim Heyne-Verlag dafür, dass er dem Roman diese Chance gibt und die Literaturlandschaft ein Stück diverser macht.

Zwei Prinzen - Von Laurent und Damen 

Was mir darüber hinaus auch sehr gefallen hat, sind C.S. Pacats unglaublich facettenreiche, spannende Figuren, allen voran natürlich die beiden Prinzen Damen und Laurent. Während Damen eine interessante Mischung aus hartem Krieger und etwas naivem Prinzen ist, der an das Gute in den Menschen glaubt, ist Laurent – ja, Laurent. Laurent ist arrogant. Kalt. Unglaublich grausam für einen Zwanzigjährigen und auch allgemein. Wenn Laurent seinen Willen nicht bekommt, dann foltert er Menschen, er lässt töten und quälen und zuckt kaum mit der Wimper. Die Sache ist: Viele Autoren wollen wirklich böse Menschen schreiben und trauen es sich dann doch nicht. Da werden dann Entschuldigungen vorgebracht, wieso jemand so ist oder alles wird am Ende abgeschwächt mit Erklärungen dafür, wieso die Person an dem Unheil am Ende doch nicht Schuld war. C.S. Pacat macht das nicht. Laurent ist schön, blond und abgrundtief böse. Und das Erstaunliche ist: Es gelingt ihr, ihn trotzdem irgendwie sympathisch darzustellen. Ich habe mich immer wieder in Situationen wiedergefunden, in denen ich nicht sicher war, ob ich den Jungen hassen oder mögen soll. Kaum zeigt er ein wenig Empathievermögen, tut er in nächster Instanz etwas, dass so abgrundtief schlimm ist, dass man ihn am liebsten von der Burgzinne fallen sehen würde, bevor er dann doch wieder weich und menschlich wirkt und man beginnt zu überlegen, ob er am Ende nicht doch…

Alle Figuren in „Der verschollene Prinz“ sind unglaublich gut geschrieben, sehr komplex, sehr tief und unvorhersehbar, aber Laurent ist eine Figur, auf die ich aus Autorensicht wirklich neidisch bin. Und das ist als großes Kompliment an Pacat gemeint. Wenn eine Autorin ihr Handwerk so gut versteht, dass sie selbst den furchtbarsten Bösewicht irgendwie sympathisch und nachvollziehbar auftreten lassen kann, dann weiß sie wirklich, was sie tut und wie man gute Bücher schreibt. Laurent ist ein Sinnbild für den ganzen Roman: Es ist nicht schwarz oder weiß, alles ist grau, alles ist gut und schlecht und wie ihr an der Rezension vielleicht seht, weiß ich in vielen Momenten einfach überhaupt nicht, was ich davon halten soll und das mag ich. Als ich „The Captive Prince“ gekauft habe, habe ich nichts weiter erwartet als eine typische guilty pleasure: Eine selbstverlegte High Fantasy mit einer Romanze zwischen zwei verfeindeten Prinzen. Bekommen habe ich aber komplizierte Komplotte und Intrigen, eine unglaublich detailreich ausstaffierte Welt, glaubhafte, interessante, undurchschaubare Figuren und einen Roman, der mich gezwungen hat, auch mal selbst mitzudenken und nicht alles einfach hinzunehmen, was da passiert.

Jetzt habe ich gerade das Wort Romanze erwähnt: Gibt es eine Romanze? Eigentlich nicht, zumindest nicht im klassischen Sinne. Als Damen an den Hof von Vere kommt, lässt Laurent ihn erst einmal auspeitschen. Laurent hasst Akielos und ganz besonders den Prinzen Damianos, weil der in einer Schlacht seinen geliebten Bruder getötet hat. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für eine Liebesgeschichte und die sollte man sich bei „Der verschollene Prinz“ auch ganz schnell aus dem Kopf schlagen. Was man stattdessen kriegt ist eine unglaublich gespannte Dynamik zwischen Damen und Laurent und haufenweise Chemie, die fast von allein zu funktionieren scheint, trotz den unüberwindbar scheinenden Hindernissen zwischen den beiden. Band I konzentriert sich darauf, die beiden zu unterschiedlichen Verbündeten im Komplott am Hof von Vere zu machen – und ja, dabei gibt es sexuelle Spannungen, die fast zum Zerspringen aufgeladen sind. Aber die Autorin geht an die Beziehung zwischen Laurent und Damen vorsichtig und sehr nachvollziehbar heran, es gibt Höhen und katastrophale Tiefen und selbst, wenn man Laurent hasst, selbst, wenn man der Meinung ist, aus den beiden kann nie etwas werden – die Chemie spürt man trotzdem.

„Der verschollene Prinz“ ist kein besonders actiongeladener Roman. Die Handlung baut sich langsam auf und entfaltet sich langsam, Spannung entsteht eher durch den Antrieb der Figuren und ihre Verbindungen untereinander. Wer plant was? Wer tut was als nächstes? Wer mit wem? Wann kommt dies und das endlich ans Licht? Wann sieht diese Person endlich ein, dass sie falsch liegt? Wer weiß worüber Bescheid? Das sind die Fragen, die einen dazu bringen Seite um Seite zu lesen, weil sie immer neue Konflikte und Möglichkeiten aufwerfen. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann am Ende C.S. Pacats unglaublich schöner, dichter Schreibstil, der sehr eloquent und poetisch daherkommt und einen nicht nur in die Welt von Vere und Akielos eintauchen lässt, sondern einen förmlich in den Roman hineinreißt und nicht wieder loslässt, bis 320 Seiten gelesen sind. Die Kürze des Romans wäre dann auch mein einziger großer Kritikpunkt: Ich kann mir gut vorstellen, dass der Stoff noch rund 100 Seiten mehr hergegeben hätte, bin aber auch so sehr zufrieden mit „Der verschollene Prinz“.

Zielgruppenempfehlung: „Der verschollene Prinz“ ist eindeutig ein Erwachsenenroman und ich glaube, Jugendlichen unter 16 Jahren würde ich den Roman auf keinen Fall empfehlen. An sich glaube ich, dass der Roman für Teenager an sich nicht so gut geeignet ist und es da sehr auf die einzelne Person ankommt. Dabei geht es mir nicht einmal so sehr um die sehr sexuellen Aspekte, sondern viel mehr um die schiere Komplexität des Romans, mit der ich selbst mit 16 oder 17 Jahren sicherlich nicht so viel hätte anfangen können, die mich heute aber sehr begeistert. An sich würde ich sagen, dass Leser, die gut durchdachte politische Vernetzungen und Intrigen schätzen an dem Roman ihre Freude haben werden, während Leser, die klassische High Fantasy erwarten, vielleicht eher nicht so begeistert sein dürften. Auch Leser, die lieber Bücher ohne schwere und heikle Inhalte wie sexuelle Gewalt, Sklaverei oder Folter lesen und mit diesen Themen vielleicht lieber nicht in Berührung kommen möchten, sollten „Der verschollene Prinz“ mit Vorsicht begegnen.

Fazit: C.S. Pacat legt mit „Der verschollene Prinz“ einen sehr dichten, atmosphärischen Roman voller politischer Verstrickungen und unvorhersehbarer Wendungen vor, der großteils von seinen runden, facettenreichen Figuren und dem detailreichen, in seinen Bann ziehenden Weltenbau lebt. Auch die Spannungen und die Chemie zwischen Damen und Laurent, die so verschiedene Dinge wollen und trotzdem zusammenarbeiten müssen, überzeugt auf voller Linie. Nicht so gut gefallen hat mir die sehr sexualisierte Gesellschaft von Vere, da ich besonders bei den Szenen mit sexueller Gewalt oft das Gefühl hatte, sie hätten in der Form nicht unbedingt in den Roman gehört, doch zumindest wird hier nichts entschuldigt, verherrlicht oder romantisiert dargestellt.

Was mir auch absolut gut gefallen hat ist natürlich, dass „Der verschollene Prinz“ ohne Rechtfertigungen oder dergleichen ein High-Fantasy-Roman mit schwulen bzw. bisexuellen Hauptfiguren sein darf, genau das auch ist – und einen wirklichen guten Job macht. Von mir gibt es daher 4.5 von 5 Sternen für einen wunderbar geschriebenen, atemberaubenden, vielschichtigen Fantasyroman, in dem nichts schwarz oder weiß ist und man nie so genau weiß, was als nächstes passieren wird. Und ich verrate es euch hier schon: Band II hat mir noch besser gefallen als Band I. Die Rezension folgt natürlich. Ich warte dann weiter gespannt auf Band III, der in Australien und den USA den Titel „Kings Rising“ tragen wird und hoffe, dass einigen von euch „Der verschollene Prinz“ genauso gut gefallen wird, wie mir. 

Kommentare:

  1. Oha, das klingt nach einem Buch für mich! Ich lese nicht allzu oft Bücher mit politischen Intrigen, aber locken kann mensch mich damit immer. Ich hab das Buch erst vor einer Weile bemerkt und hatte es erst mal auf meine Wunschliste gesetzt, war aber noch etwas misstrauisch, weil ich nicht sicher war, wie die Beziehung zwischen Damianos und Laurent gehandhabt wird - wenn ein Partner der Sklave ist, kann das ja sehr schnell arg schiefgehen. Aber gut zu wissen, dass dem nicht so ist!
    (Ich war vermutlich auch etwas verwirrt, weil mir auf Tumblr ein Comicstrip begegnete, der von Damianos und Laurent handelte, die nach einer gemeinsamen Nacht aufwachten, und der an sich sehr süß wirkte, was sich nicht so ganz mit der Inhaltsangabe vereinen ließ, die ich danach entdeckt hatte.)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Schöne an der Reihe im Allgemeinen ist, dass die Autorin sich sehr viel Zeit nimmt, in dieser Beziehung zu reparieren, was zu reparieren ist, bevor irgendwas in die Richtung überhaupt passiert. Ich fand das Ganze auch in Band II eigentlich noch sehr glaubhaft und zwar teilweise wirklich hart und schwer verdaulich, aber eben nicht romantisiert oder als harmlos dargestellt. Ich würde sagen, wenn dich das Buch interessiert, versuch es ruhig damit, es ist auf jeden Fall anders, als vieles, was ich bisher in die Richtung gelesen habe.

      Ach, Tumblr. Ich muss ehrlich sagen, ich finde die Verniedlichung der beiden als Paar ein bisschen... also, ich muss es nicht haben, weil die Autorin sich deutlich Mühe gibt, das eben nicht zu romantisieren. Aber ich denke, da geht es mit einigen einfach durch, weil die beiden eben schon eine echt tolle, dynamische Chemie haben. :'D Fanart ist in die Richtung ja eh "gefährlich" weil man nie wissen kann, was wirklich im Buch vorkommt und was die Fans einfach gern so hätten. :D

      Löschen
    2. Ich werd es mir definitiv mal angucken, wenn ich am meinem SuB ein bisschen gearbeitet habe! :) Band 3 muss ja noch erscheinen, oder? Vielleicht haben sie die Reihe dann gleich 3 für 2 in den Läden, das wäre ja durchaus praktisch.

      Ja, das war wirklich sehr irreführend. xD Andererseits hat es zum ersten Mal mein Interesse geweckt, weil es eine sehr schöne Szene zu sein schien ... aber hey, wenn es anders ist und es trotzdem ein gutes Buch ist, kann ich auch gut damit leben. Auch wenn es ein wenig besorgniserregend ist, wenn es im Nachhinein dann doch noch verherrlicht wird. :/

      Löschen
  2. Geniale Rezi - echt toll ;) freue mich sobald ich mit dem Buch beginnen kann. Und jetzt durch die geniale Rezi, umso mehr ;)))

    AntwortenLöschen

LinkWithin