Sonntag, 3. Mai 2015

"Silber : Das erste Buch der Träume" - Kerstin Gier

Das erste Buch der Träume | Silber #1 | 413 Seiten | Fischer FJB |  ISBN 3841421059 | Leseprobe

Seit einiger Zeit schläft Liv Silber schlecht - sie träumt von unheimlichen Korridoren, Türen mit Eidechsenknäufen und gruseligen Friedhöfen. Besonders ein Traum lässt sie nicht mehr los: Liv steht auf einem Friedhof, zusammen mit vier Jungen, die ein düsteres magisches Ritual durchführen. Als Liv kurz darauf zum ersten Mal ihre neue Schule betritt, glaubt sie ihren Augen nicht: Die vier Jungen gibt es wirklich! Ihr Stiefbruder Grayson und seine drei besten Freunde besuchen dieselbe Schule wie sie und sind eigentlich ganz nett zu Liv. Aber wieso wissen die vier Dinge über Liv, die sie bloß im Traum preisgegeben hat? Bald muss Liv sich eingestehen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht... 

 Kerstin Gier - Wenn Humor nicht alles retten kann

Das war er nun also. Kerstin Giers neuer Jugendroman „Das erste Buch der Träume“, Auftakt der Silber-Reihe, die Nachfolger der heiß geliebten und sogar verfilmten „Edelstein“-Trilogie sein soll. Ich werde nicht um das Unvermeidliche herumreden: Ich bin schwer enttäuscht von diesem Buch. Ich weiß, dass der Roman bei vielen Lesern, jugendlich und erwachsen, sehr gut ankommt, doch leider kann ich diesen Rummel um „Silber“ nicht nachvollziehen. Leider kommt hinzu, dass ich beim Lesen immer wieder das Gefühl hatte, ich wäre im falschen Film. Dieses Buch soll Kerstin Gier geschrieben haben? Ich weiß, man soll die unterschiedlichen Werke von Autoren nicht miteinander vergleichen, aber ich kann nicht anders. „Rubinrot“ und seine beiden Fortsetzungen gehören bis heute zu meinen Lieblingsbüchern, die ich immer wieder lesen kann und deren Zauber einfach nicht verfliegt. „Silber“ aber schafft es nicht, auch nur einen Bruchteil dieser Magie heraufzubeschwören.

Ich möchte mit den Dingen beginnen, die mir gefallen haben. Zum einen wäre das die Grundidee, die hinter „Silber“ steckt und die als Fundament für eine Romanreihe so viel hätte hergeben können. Abstrakte, surreale Traumwelten, magische Türen in die Träume anderer Leute, düstere Rituale auf Friedhöfen – das alles sind Versatzstücke, die einen Roman hätten ergeben können, der „Rubinrot“ hätte das Wasser reichen können. Und ja, Kerstin Gier beschreibt diese Traumwelten sehr bunt, detailreich und eindeutig mit viel Liebe zu ihrer Idee. Livs Ausflüge in ihre Träume und die von anderen Leuten stellen für mich das Lesenswerteste an diesem Roman dar, ich habe sie wirklich sehr gern gelesen. Doch leider reicht ein interessantes Fundament nicht aus. Auf einem starken Fundament kann man schließlich trotzdem ein klappriges, schiefes Haus bauen, das in sich zusammenfällt, wenn man es nur schief anschaut.

Leider kann auch Kerstin Giers Humor, der mir nach wie vor sehr gut gefällt und mich auch immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat, da nicht alles retten. Es tut dem Roman deutlich gut, dass er sich zumindest nicht allzu ernst nimmt und lockere, flüssige Romane schreiben, die Leser zum Lachen bringen, ist ein Talent, dass ich auf keinen Fall kleinreden möchte. Witzige, scharfzüngige Dialoge und Giers Händchen für urkomische Situationen machen „Silber“ zu einem Roman, den man schnell lesen kann, ohne Längen, und durchaus unterhaltsam, das bestreite ich nicht. Ich hatte ein paar nette Stunden mit „Silber“, doch kaum wacht man auf und der Sog des Romans lässt nach, fällt einem auf, dass nicht alles Silber ist, was glänzt. Ein sicheres Fundament und ein bunter Anstrich machen die schiefe Hütte dann eben doch nicht zu einem luxuriösen Stadthaus in London, wie dem, in das Liv mit ihrer Familie zieht. Und leider sind die wunderschöne Grundidee und der mitreißende Humor auch schon alles, das „Silber“ mit „Rubinrot“ gemein hat.

Liv Silber - Wenn Mädchen andere Mädchen hassen 

Unsere Heldin ist die fünfzehnjährige Liv Silber, über die wir leider nicht allzu viel erfahren. Sie mag Sherlock Holmes, betreibt Kampfsport und ist für jedes gute Rätsel zu haben, doch wer sie wirklich ist, das kommt nicht heraus. Liv wirkte, wie übrigens viele Figuren in diesem Roman, wie eine leere Projektionsfläche, auf die man ein paar bunte Eigenschaften aufgeklebt hat, doch leider bleibt die Wand dahinter trotzdem leer. Es ist nicht so, als hätte ich sie nicht gemocht, doch leider habe ich kaum ein Gefühl dafür bekommen, wer sie ist und was sie wirklich ausmacht. Was mir an Liv leider von vorn herein sehr negativ aufgefallen ist, ist ihre ablehnende Haltung gegenüber anderer Mädchen. Liv und auch ihre kleine Schwester Mia bilden sich etwas darauf ein, dass sie keine kichernden Hühner sind, die Jungen hinterher rennen, sondern denken können und da habe ich zum ersten Mal Bauchweh bekommen.

In einem guten Roman sind die Figuren grau, mit Ecken und Kanten und Eigenschaften. In „Silber“ aber gibt es Schubladen, soweit das Auge reicht. Es ist in der Welt von „Silber“ anscheinend nicht möglich, dass ein kicherndes Mädchen, das sich gern schminkt, intelligent ist und mehr im Kopf hat, als ihren Schwarm. Davon ab kann ich es nicht gut haben, wenn „typisch weibliche“ Eigenschaften dermaßen abgewertet werden, wie es hier passiert. Was ist denn so schlimm an sich schminkenden Mädchen? Was ist schlimm an Mädchen, die sich oft verlieben? Wieso müssen Autoren und Autorinnen denn immer wieder Mädchenfiguren schreiben, die sich hinstellen und behaupten, sie wären besser als andere Mädchen, weil sie sich einbilden klarer zu denken und mehr im Kopf zu haben? Ein Mädchen wie Liv ist nicht besser als ein Mädchen wie Persephone, das viel an Jungs denkt. Was ich wirklich schlimm finde ist dieses Ausspielen von Mädchen gegeneinander. Persephone möchte Livs Freundin sein, doch Liv macht sich nur über sie lustig, hält sich für etwas Besseres und lässt keinerlei Mädchenfreundschaften an der neuen Schule zu.

Sie verurteilt die anderen Mädchen bevor sie sich überhaupt die Chance gibt, sie besser kennenzulernen und wirklich jedes Mädchen, das Liv trifft, wird als furchtbare Zeitverschwendung dargestellt. Die kichernden Hühner, die der arroganten Liv zu unreif und dumm sind. Emily, Graysons Freundin, die zwar schlau, schlagfertig und sehr intelligent ist, aber Liv auch nicht gut genug, weil sie sie für zu ernst und langweilig hält. Und natürlich die neue Stiefschwester Florence, die aber eine furchtbar hysterische Zicke ist. Wenn ich ehrlich sein soll, konnte ich viele von Florences Reaktionen nachvollziehen. Sie soll zum Beispiel ihr Zimmer, dass sie sehr liebt, aufgeben, damit Liv und Mia mit in das Haus ziehen können und ihre traurige, wütende Reaktion darüber wird als völlig unnachvollziehbar geschildert. Dabei sind die einzigen Mädchen in diesem Roman, die mir nach einer Weile wirklich unsympathisch wurden, Liv und Mia selbst. Und das liegt am konstanten Niedermachen anderer Mädchen, an diesem unnötigen Rivalisieren und Grenzen aufbauen und nicht zulassen wollen, dass andere Mädchen trotz verschiedener Interessen nicht schlechter oder dümmer sind. Oben drauf bauen Autoren und Autorinnen, so auch Frau Gier, auf diese Weise fleißig ein starres Bild davon, wie "gute" Mädchen zu sein haben und das schmeckt mir nicht. Mädchen gibt es in vielen verschiedenen Facetten mit vielen verschiedenen Eigenschaften und Interessen und das ist auch gut so.

Secrecy - Wenn Tratsch zu weit geht 

Wenn die erste Reaktion der Heldin auf ein anderes Mädchen erst einmal darin besteht, es niederzumachen oder als weniger als sich selbst zu betrachten, sich über es lustig zu machen und immer wieder zu betonen, wie stolz man doch ist, dass man nicht so ein Mädchen ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Leider ist genau das aber ein Motiv, das sich durch den ganzen Roman zieht. Denn immer wieder gibt es zwischen den Kapiteln kurze Blogeinträge von Secrecy, einer unbekannten Person, die einen Tratschblog führt, auf dem sie über die Vorfälle an der Schule berichtet. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass das sehr nach „Gossip Girl“ klingt und ich mag das auch nicht abstreiten. Doch in meinen Augen geht Secrecy, die gegen alles und jeden wettert und haufenweise Gerüchte in die Welt setzt, um Längen zu weit. Es gibt einen Unterschied zwischen ein wenig Tratsch und Lästerei und dem, was hier passiert. Einen großen Unterschied.

Was hier passiert, ist Mobbing. Secrecy pickt sich ihre Opfer heraus, zum Beispiel Hazel, die ziemlich dick ist und deshalb immer wieder Zielscheibe von Secrecy wird. Secrecy macht Hazel das Leben zur Hölle und selbst, als Hazel abnimmt – als könnte man nur mit einer Größe unter 40 gut aussehen – hört Secrecy nicht auf. An sich hat sie es auf dicke Schüler abgesehen, aber generell auf jeden, der auch nur ein wenig von der Norm abweicht. Secrecy diskriminiert, sie stichelt, sie mobbt. Und das alles passiert im Hintergrund und wird dargestellt wie ein lustiger Scherz, wie etwas, das eigentlich gar nicht so schlimm ist. Natürlich, Secrecy soll gemein sein. Aber dass Liv sich auch noch köstlich darüber amüsiert und zwar anmerkt, dass Secrecy gemein ist, aber kein Stück reflektiert, dass man dicke Menschen und andere Menschen, die nicht so sind wie alle anderen vielleicht nicht mobben sollte, das geht so einfach nicht. Besonders wenn man betrachtet, dass Liv an ihrer alten Schule selbst stark gemobbt wurde und darunter noch immer leidet, wird einem dabei ganz anders.

Das Herumhacken, Bloßstellen und Fertigmachen einzelner Personen wird hier dermaßen bagatellisiert, als wäre alles nur ein lustiger Witz und auf keinen Fall irgendwie verwerflich. Im zweiten Band schießt sich Secrecy übrigens auf Liv ein, da findet sie es dann auch nicht mehr ganz so lustig, aber es wird trotzdem nicht darüber nachgedacht, dass Secrecys Blog nicht unterhaltend ist, nicht charmant oder geistreich, sondern einfach nur böswillig. An sich geben Secrecy, die ständigen Sticheleien und Lästereien zwischen den Jugendlichen und der Fokus auf dem Schulleben – der doch eigentlich auf der Traumwelt liegen sollte – dem Roman die Atmosphäre eines typischen Teeniefilms ohne jeglichen Tiefgang. „Silber“ ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Auf der einen Seite unheimliche Traumfantasy, auf der anderen Seite oberflächlicher Teenieroman und dann geht es hin und her und hin und her bis man gar nicht mehr weiß, was man jetzt davon halten soll. Kann ein Roman diese beiden Genres vereinen? Logisch. Schafft „Silber“ das? Leider nein.

Grayson, Henry, Jasper, Arthur - Wenn Schönheit nicht ausreicht 

Als wir dann das Heldenquartett kennenlernen, wird es leider auch nicht mehr viel besser. Den schönen reichen Jugendbuchhelden kennen wir ja, er ist schließlich mittlerweile ein ziemliches Klischee – doch wo andere Bücher mit einem von der Sorte auskommen, schickt Kerstin Gier gleich vier ins Rennen. Arthur, den düsteren Frauenschwarm. Grayson, den Kumpeltyp. Jasper, hübsch, aber doof wie gefrorenes Brot. Und Henry… wer ist eigentlich Henry? Livs Love Interest, aber sonst nichts. Wir erfahren so gut wie gar nichts über Henry. Er hat keinerlei Agenda, keinerlei Persönlichkeit. Man muss es einfach sagen: Liv ist keine Gwen, Henry ist bei Weitem kein Gideon. Er ist uninteressant. Wieso Liv sich in ihn verliebt wird nicht klar und die Romanze zwischen den beiden läuft dann auch auf Sparflamme, ist nicht nachvollziehbar oder gar interessant. Wo Gwen und Gideon sich wunderbar aneinander gerieben haben und eine unglaubliche Chemie hatten, ist hier nichts. Einfach nichts.

An sich finde ich diese vier reichen Jungen unglaublich suspekt. Hier wird am deutlichsten, was dem ganzen Roman fehlt: Das Komplexe, der Tiefgang, die Beschäftigung mit den eigenen Figuren. Absolut alle Figuren sind blasse Pappaufsteller, aber Grayson, Henry, Arthur und Jasper treiben das auf die Spitze. Schönheit und Reichtum wird hier genutzt, um die Figuren im Ansatz interessant zu machen und ehrlich gesagt, haben die vier das bitter nötig. Was hätte man alles daraus machen können! Die Verlockung von Luxus und Reichtum kommt hier und da doch durch, aber da wäre so viel mehr gegangen. Menschliche Abgründe, die Kehrseite der High Society – aber dafür hätte es ausgereifte Figuren gebraucht und die gibt es in „Silber“ nicht. Wieso dann oben drauf alle Figuren blond sein müssen, erschließt sich mir auch nicht. Henry blond, Arthur blond, Jasper blond, Grayson blond, Liv blond, Anabel blond… So oft, wie es betont wird, muss da eine Bewandnis hinterstecken, die man uns vielleicht in Band Drei noch mitteilen wird. Ansonsten ist „Silber“ der Schreck jeglicher Diversität, wenn es nicht einmal mehr verschiedene Haarfarben gibt.

Anabel Scott - Wenn alte Klischees schädlich sind 

Zum Abschluss möchte ich jetzt noch auf den Punkt zu sprechen kommen, der die „Silber“-Hütte dann komplett zum Einsturz bringt. Es kann sein, dass dieser Teil leichte Spoiler enthält und wer „Silber“ noch völlig spoilerfrei lesen möchte, liest ab hier am besten nur noch mit halbem Auge mit. Es ist nämlich so, dass Anabel ihre Freunde, die vier Jungen, enttäuscht und im Stich lässt, indem sie es wagt, Sex zu haben. Kein Witz. Es gibt hier eine Art Ritual und für dieses Ritual muss einer der Gruppe jungfräulich sein. Die Wahl fällt auf Anabel, weil die Jungen alle schon einmal Sex gehabt haben und dann wird natürlich einfach so hingenommen, dass Anabel jetzt darauf verzichtet mit ihrem Freund zu schlafen, damit die anderen bekommen, was sie wollen. Erst einmal ist es an sich ungeheuerlich, wie selbstverständlich es später auch für Liv ist, dass Anabel die anderen praktisch verraten hat, indem sie mit ihrem Freund geschlafen hat.

Darüber hinaus ist es einfach ein so uraltes, blödes Klischee, die Jungfräulichkeit einer Frau als Gegenstand herzunehmen, der bewahrt werden muss, damit nichts Schlimmes passiert. Ob Frau Gier so etwas im Kopf hatte, kann ich natürlich nicht sagen, aber am Ende ist es die Aussage ihres Romans: Während die Jungen Sex haben dürfen, so viel sie wollen, muss das Mädchen jungfräulich und „unschuldig“ bleiben, sonst passiert etwas ganz Schlimmes. Am Ende rettet Kerstin Gier das durch einen Twist, der mich wirklich überrascht hat und alles noch einmal in ein neues Licht rückt, doch das ändert leider nichts daran, wie Giers Figuren damit umgehen: Sie nehmen es als völlig selbstverständlich hin, selbst Liv, die bald in Anabels Rolle schlüpfen und Jungfrau bleiben soll, damit alles gut geht. Liv fügt sich in dieses Schicksal, als wäre es völlig selbstverständlich und meine Schlussfolgerung aus dieser ganzen Sache ist, dass es Liv und den Jungen anscheinend nicht so gut zu gehen scheint. Liv lässt die Jungen ein Problem, das mit Liv eigentlich nichts zu tun hat, auf ihren Schultern abladen und bekommt dafür nichts. Wie schön.

Die Sache ist einfach die: Wenn Jungen ohne Konsequenzen Sex haben dürfen wie es ihnen Spaß macht, Mädchen aber in derselben Instanz nicht, wenn ein Mädchen dafür angefeindet und als Verräterin bezeichnet wird, dass sie mit ihrem Freund geschlafen hat während die auch an dem Ritual beteiligten Jungen ihre Hände in Unschuld waschen, dann ist das einfach nur Messen mit Zweierlei Maß. Ob Kerstin Gier sich darüber bewusst war oder nicht, es spielt in uralte misogyne Muster rein, nach denen weibliche Sexualität böse ist und Frauen, die sich nicht aufheben, immer für etwas Schlechtes verantwortlich sind – so eben auch hier. Das Klischee finden wir schon in viktorianischen Romanen und alten Hollywoodfilmen und auch heute scheint es ja noch lebendig und munter zu sein, wie Romane wie "Silber" beweisen. Darüber hinaus finde ich Anabel als Figur an sich sehr heikel. Und nun muss ich wirklich spoilern, aber ich möchte darüber gesprochen haben. Klickt den Spoiler bitte nur an, wenn ihr das Buch bereits kennt oder nicht selbst lesen wollt, denn ich verrate einen großen Teil der Auflösung von „Silber“:


Abschließend ist zu sagen, dass ich es eigentlich gut finde, wenn Jugendbücher Themen, die Jugendliche beschäftigen oder ernstere Themen aufgreifen. Sex, psychische Störungen, Neid, Mobbing und Liebe sind wichtige Themen, die behutsam behandelt werden müssen – aber nicht so wie hier. Ich hatte hin und wieder das Gefühl, als hätte Kerstin Gier beim Schreiben eine Liste neben dem Computer liegen gehabt, auf der stand, wie man es besser nicht machen sollte. Am Ende ist „Silber“ aber leider ein Spiegel unserer Medienlandschaft, denn die Botschaften, die hier vermittelt werden, sind genau die, die unterschwellig fast überall anzutreffen sind. Dass das ganz unreflektiert, bagatellisiert und ohne jeglichen Gedanken darüber, was solche Botschaften eigentlich aussagen in einem Buch von Kerstin Gier passiert, das hätte ich niemals gedacht und es macht mich traurig. Ich werde das Gefühl nicht los, dass "Silber" ein Schnellschuss war, der auf den Markt sollte, bevor der Hype um die "Edelstein"-Trilogie abflaut und selbst, wenn ich mit dieser Vermutung falsch liege, der Roman liest sich trotzdem so. 

Zielgruppenempfehlung: Ich denke, für die allermeisten Leser über sechzehn Jahren ist der Roman bloß geeignet, wenn man seine Ansprüche ein gutes Stück herunterkurbelt und bereit ist über flache Figuren, eine verwässerte Handlung und die anderen Probleme hinwegzusehen. Der Roman fällt ungefähr in die Altersgruppe 12-14, aber die ganzen Klischees und merkwürdigen Botschaften, die eh schon wild durch viele Jugendbücher und TV-Shows für Jugendliche geistern, machen mir da doch ehrlich gesagt ein bisschen Bauchschmerzen. Es gibt bestimmt viele Jugendliche, die sich im Klaren darüber sind, dass nicht alles ganz so okay ist, wie es hier geschildert wird. Aber andere wiederum eben leider nicht. Ich denke, es kommt wirklich auf die Person selbst an, ob das Buch geeignet ist oder (noch) nicht.

Fazit: „Silber“ ist ein sehr rasantes, lustiges und an vielen Stellen durchaus charmantes Leseerlebnis, das im Grunde gute Ansätze hat, aber leider in der Umsetzung flach fällt. Flache Charaktere wie aus dem Bilderbuch, die jeweils eine Eigenschaft und eine Rolle zu erfüllen haben, ein Plot um phantasievolle Traumwelten, der durchaus Potential zeigt, aber durch viel zu viel High-School-Geplänkel verwässert wird und eben massig merkwürdige Situationen und Botschaften, die ich in Jugendbüchern einfach nicht mehr sehen will, machen „Silber“ zu einem sehr durchwachsenen Roman. Ich kann dem Roman seinen Sog, seinen Witz und seinen Charme nicht absprechen, einige Inhalte liegen mir aber doch sehr schwer im Magen und darüber möchte ich nicht hinwegsehen. Ich habe mich deshalb entschieden, genau die Hälfte an Punkten zu vergeben. Zwei Sterne für die Grundidee und den Schreibstil, ein halber Stern für den Humor der Autorin. Man kann „Silber“ durchaus lesen und Spaß daran haben. Man darf aber kein Meisterwerk erwarten und auch kein zweites „Rubinrot“. Aber macht euch doch am besten selbst ein Bild von dem Roman! 

Kommentare:

  1. Ich finde den ersten Band ebenfalls gut, aber die Edelstein-Trilogie konnte es bislang bei mir nicht einholen. Und mir sind auch damals ein paar Ungereihmtheiten eingefallen, ABER dennoch hat mir das Lesen große Freude bereitet und ich finde die Grundidee immer noch sehr gut. Band 2 steht schon hier und wird diesen Monat gelesen, denn Band 3 lässt ja auch nicht mehr lange auf sich warten. ;)

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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    1. Mich freut es immer, wenn andere Leser mehr Spaß mit einem Buch hatten, als ich selbst. :3 Der Roman ist für mich einfach irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Der zweite Teil hat mir aber besser gefallen, da wünsche ich dir viel Spaß mit! (Und ich bin auch schon sehr gespannt auf Band Drei!)

      Alles Liebe,

      Cami

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