Freitag, 22. Mai 2015

"Selection" - Kiera Cass

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Selection | Selection #1 | 368 Seiten | Fischer Sauerländer | ISBN 978-3-7373-6188-0 | OT: The Selection (USA)

Die Chance deines Lebens? 35 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe? (Quelle)


Pfefferminztörtchen – Von Ungereimtheiten und Dystopien

Ich gebe es zu. „Selection“, der erste Band einer vierteiligen Reihe, von Kiera Cass stand lange auf der Liste der Bücher, die ich meiden wollte. Eine Dystopie nach dem Bachelor-Prinzip? Und das von einer Autorin, die auf Twitter durch Beleidigungen gegenüber Rezensenten auf sich aufmerksam gemacht hat? Nein danke. Oder doch? Ich wurde unsicher, als eine Freundin die Leseprobe las und das Buch eigentlich ganz überzeugend fand. Und dann wurde „Selection“ mir immer wieder empfohlen, nicht nur von Freunden, sondern auch im Buchhandel. Als dann auch noch eine Rezensentin, der ich sehr vertraue, von dem Roman geschwärmt hat, bin ich dann doch endlich schwach geworden. Und ich bin ehrlich: Die Cover sind wunderschön und ich dachte, wenn mir das Buch nicht gefallen sollte, dann habe ich wenigstens dieses unglaubliche Juwel von einem Buch in meinem Regal stehen. Ich habe nach meiner anfänglichen Abneigung eigentlich fest damit gerechnet, dass ich „Selection“ nicht mögen würde, doch dann kam es ganz anders und niemand ist davon überraschter, als ich selbst (und vielleicht Luna).

Ich werde jetzt natürlich nicht so tun, als wäre der Roman perfekt. Er ist es nicht. „Selection“ versucht viel zu sehr eine Geschichte zur Dystopie zu machen, bei der es einfach nicht viel Sinn ergibt und ein anderes Genre meiner Meinung nach besser gepasst hätte. 35 Mädchen melden sich zu einem Casting an und am Ende bekommt eine von ihnen den Prinzen des Staates Illeà zum Mann – doch im Hintergrund gibt es Rebellengruppen, die den Königshof bedrohen. Das klingt zumindest für mich nach einer typischen High-Fantasy-Geschichte und ich glaube, der Roman hätte in so einem Setting besser funktioniert. Vielleicht als Court Intrigue. Wenn Illeà aber ein Nachfolgestaat der USA sein soll, dann bleiben Fragen offen, die hätten geklärt werden müssen, um eine konsistente Welt zu bauen: Wieso zum Beispiel hat China es geschafft, die Vereinigten Staaten einzunehmen und aus welcher Motivation heraus ist das geschehen? Nach heutigen Maßstäben ist das eher unwahrscheinlich und obwohl ich die Idee sehr originell finde, fehlt mir hier der Hintergrund, wie das geklappt hat und was es für Illeà wirklich bedeutet. Und wieso gibt es in Illeà überhaupt eine Monarchie, wie wurde die nach so einer Revolution aufgebaut und in Stand gehalten, wo man doch viel eher erwarten würde, dass sich ein Land wie Illeà eine Demokratie einrichtet? Wo genau ist dieses New Asia, das es jetzt gibt, wie sind die Beziehungen zu anderen Ländern, wo ist dieses Swendway, dessen Königspaar zu Besuch kommt, was passiert in Europa?

Die Sache ist, „Selection“ will keine ernstzunehmende Dystopie sein und das ist gut so, denn es ist keine. Nicht einmal mit viel Liebe. Das World Building zeigt interessante Ansätze, aber lässt zu viele Fragen unbeantwortet, die für eine überzeugende dystopische Welt essentiell sind. Durchaus spannende Ideen werden in den Raum gestellt, aber nicht zu Ende gedacht. Wirklich gut gefallen hat mir da zum Beispiel das Kastensystem, in das die Bewohner des Landes nach der Revolution ihrem gesellschaftlichen Stand nach eingeteilt wurden und aus dem es kaum ein Ausbrechen gibt. Das System passt sehr gut zu einer Monarchie, aber auch hier bleibt die Frage offen, wie so ein System überhaupt durchgesetzt werden konnte und wieso die Mehrheit der Menschen, die Kasten vier bis acht, diese ungerechte Einteilung einfach akzeptiert haben. Man hat Fragen und es gibt offensichtliche Lücken, aber das soll nicht heißen, dass dieses World Building nicht zu faszinieren weiß. Ich habe es geliebt, ehrlich. Americas Sinnieren über ihr Dasein im Kastensystem, den Prinzen Maxon, der absolut ahnungslos in seiner luxuriösen Welt lebt, die anderen Mädchen im Palast, die aus verschiedenen Kasten kommen und sich auch dementsprechend verhalten. Das alles hat mich durchaus überzeugt und mitgerissen, doch ich hätte mir wohl einfach ein wenig mehr Hintergrund gewünscht. 

Ich muss hier jetzt mal was sagen: Wenn Jugendromane wie „Die Tribute von Panem“ oder „The Giver“ schwere Mahlzeiten sind, die lange im Magen liegen, einem zu denken geben und vielleicht sogar gesellschaftliche Kritik ausüben, dann ist „Selection“ das luftig leichte Pfefferminztörtchen, das in zwei Happen weg ist und glücklich macht. Und nach diesen Kriterien werde ich den Roman auch bewerten. Denn man kann nicht immer schwer essen, manchmal muss auch das süße Törtchen sein, damit das Leben schön ist. Wer eine komplexe Dystopie lesen möchte, in der unserer Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird, für den ist „Selection“ sicherlich nichts. Aber, wenn man das nicht erwartet, dann kann man richtig Spaß haben in der Welt von Illeà, in der Leute König Clarkson und Prinz Maxon und America Singer heißen, in der ausgerechnet China die USA eingenommen hat und in der ein ahnungsloser Prinz ein Casting abhält, um sich eine Braut auszusuchen. Das soll „Selection“ jetzt nicht abwerten. Im Gegenteil. „Selection“ ist ein feel-good-Buch, ein Pfefferminztörtchen eben, und solche Bücher können ebenso wichtig sein wie knallharte Zukunftsvisionen, zumindest für mich, denn mit „Selection“ habe ich mich einfach wohlgefühlt und das brauche ich manchmal einfach. 

Erdbeerküchlein – Von sympathischen Heldinnen, Liebe und Freundschaft

Wirklich überzeugt hat mich America Singer, die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans. Es ist so: America ist nett. Ja, sie ist einfach nett und deshalb so unglaublich liebenswert. Ich habe gern die rund 350 Seiten in ihrem Kopf gesteckt. Selbst, wenn America jemanden nicht mag, bleibt sie freundlich, doch das macht America nicht zum Mäuschen, das sich nicht durchsetzen kann und sich alles gefallen lässt. Sie ist auch ehrlich und selbstbewusst, sie lässt sich nichts gefallen, sie sagt, was sie denkt und obwohl sie alles für ihre Familie tun würde, opfert sie sich nicht vollends auf, vergisst sich selbst nicht. America ist eine Heldin, die selbst Mädchen, die sie nicht mag und die sie schlecht behandeln, noch zu verstehen versucht, aber ihnen ihr Verhalten nicht durchgehen lässt, und ich war wirklich überrascht darüber, was für eine positive Protagonistin sie ist und wie gern ich sie habe. Als Mitglied der Kaste Fünf ist sie Künstlerin, spielt mehrere Instrumente und wird von reicheren Familien zum Vorspielen und –singen gebucht, ein Beruf, den sie liebt. Ich hatte das Gefühl, dass America - wie der gesamte Roman - nicht wirklich komplex ist, aber als Figur rund und ausgeglichen, interessant, liebenswert und so positiv und originell, wie Jugendbuchheldinnen selten sind.

Kiera Cass erzählt den Roman aus Americas Ich-Perspektive und ich fand den Schreibstil und Americas Erzählstimme sehr angenehm und flüssig zu lesen. Hübsche Beschreibungen der Kleider und des Palastes reihen sich an rasant erzählte Passagen und wie man Spannung erzeugt, weiß Kiera Cass ganz eindeutig auch. Die letzten 200 Seiten des Romans habe ich am Stück weg gelesen, weil ich einfach nicht auftauchen wollte, aus der Welt von America, Maxon, Marlee und Celeste. Mir haben eigentlich alle Figuren sehr gut gefallen. Die liebe Marlee, die bald Americas Freundin im Palast wird genauso sehr wie Celeste, die die Rolle der zickigen Konkurrentin einnimmt. Dass Celeste zwar unausstehlich ist, aber eben nicht "einfach so", sondern, weil sie unbedingt die Krone will und als Mädchen aus Kaste Zwei gelernt hat, dass sie alles bekommen kann, was sie will, fand ich auch sehr gut gelöst. Viel zu oft sind solche Figuren Konkurrentinnen, nur, weil eine gebraucht wird, und haben keine eigene Agenda, doch warum Celeste America nicht ausstehen kann, habe ich sogar fast verstanden, obwohl ich mir natürlich gewünscht hätte, auch mal eine andere Seite von ihr zu sehen. Celeste ist wirklich nur zickig, berechnend und eiskalt professionell und scheint keinerlei gute Seiten zu haben. Ich finde es immer schöner, auch von den „Bösen“ mal die guten Eigenschaften gezeigt zu bekommen, da mir die Figuren dann runder und echter erscheinen. Doch das hat mir den Spaß natürlich keinesfalls verdorben und Celeste nicht minder interessant gemacht. 

Mein einziger großer Kritikpunkt, was die Figuren angeht, ist, dass Kiera Cass die 35 Mädchen anscheinend nicht divers gestaltet hat. Ich sage anscheinend, weil es sehr schwammig gehalten ist und nichts explizit gesagt wird. Wenn Elise zum Beispiel Beziehungen nach New Asia hat und chinesische Traditionen pflegt, heißt das, sie hat chinesische Wurzeln, oder nicht? Eigentlich erwähne ich es nicht extra, wenn Romane nicht divers sind, aber bei „Selection“ ist das noch etwas anderes: Schließlich befinden sich im Palast die 35 schönsten und interessantesten Mädchen von ganz Illeà und in solchen Settings finde ich es immer ganz wichtig, dass diese nicht zufällig alle weiß sind, sondern gezeigt wird, dass auch Verben wie "interessant", "schön" und "einzigartig" divers sein können und müssen und nicht mit "weiß" gleichzusetzen sind - was unsere Gesellschaft leider einfach viel zu oft tut. Ich bin sehr sicher, dass Kiera Cass sich da nicht so große Gedanken drüber gemacht hat, aber ich hätte mich gefreut, wenn die 35 schönsten Mädchen ethnisch etwas diverser gewesen wären, denn gerade so ein Setting mit so vielen Mädchenfiguren eignet sich doch dafür, ein paar tolle diverse Figuren einzubauen und zu zeigen, dass es falsch ist, wenn „weiß“ ein Schönheitsideal ist. Besonders, weil Kiera Cass zu Diversität in Romanen eigentlich sehr vernünftige Dinge gesagt hat, finde ich das schade. In einem Interview sagte sie zum Beispiel, Königin Amberly wäre hispanisch (was Maxon dann ja auch wäre), aber leider steht das nicht im Buch, wo es hingehört hätte. Ich hoffe im Moment, dass sich das vielleicht in den Folgebänden noch ergibt.

Wiederum sehr gut gefallen hat mir das Love Triangle. Dass ich so etwas noch einmal sagen würde, hättet ihr sicherlich nicht gedacht und ich schon mal gar nicht. Aber lasst mich das erklären: Eigentlich ist es nämlich gar nicht wirklich eins. America hat zu Beginn des Romans einen festen Freund, Aspen, der sie aber verlässt, als America zum Casting zugelassen wird, weil er glaubt ihr nur im Weg zu stehen und ihr nichts bieten zu können. America ist verletzt, aber sie ist stark und das finde ich ganz toll und auch eine so wichtige Botschaft: Sie betrachtet Aspen als große Liebe, aber er hat sie falsch behandelt und das verzeiht sie ihm nicht einfach, sondern beschließt, ihn zu vergessen und mit ihrem Leben weiterzumachen. Auch Insta-Love sucht man in „Selection“ vergeblich. Die Freundschaft zwischen America und Prinz Maxon wird sehr ausgiebig und glaubhaft aufgebaut und America und Aspen kennen sich schon lange und sind bereits ein Paar, als der Roman beginnt. Weshalb America sich in Aspen verliebt hat, ist mir durchaus deutlich geworden und nachvollziehbar erschienen – genau wie ihre Gründe, ihm nicht zu verzeihen, obwohl sie natürlich nicht einfach auf einen Schlag aufhört ihn zu lieben. 

Für einen Roman, der deutlich in die Sparte der romantischen Jugendromane fällt, fand ich Themen wie Liebe, Vertrauen und Freundschaft in „Selection“ ausgesprochen schön und behutsam thematisiert und ich habe besonders gern gelesen, wie America sich langsam mit dem Prinzen anfreundet oder ihre Freundschaft zu Marlee wächst. Auch zu ihren Zofen, die weit unter ihr stehen, entwickelt America eine schöne Freundschaft, die über die Kastengrenzen hinausgeht und America ist endlich einmal das, was ich wirklich eine Heldin nennen würde: Sie steht nicht nur da, wenn es brenzlig wird, sie tut etwas, sie handelt. Nicht nur für sich, sondern für alle Menschen, die ihr etwas bedeuten. Und das tut sie ohne die Mädchen lächerlich zu machen oder abzuwerten, die zu viel Angst haben selbst zu handeln. Dass ich Aspen dann als einzige Figur nicht so gern mochte, das steht dann auf einem anderen Blatt. Aspen ist der Meinung, er wäre nicht gut genug für America, weil er eine Sechs ist, kein Geld hat und sie nicht ernähren kann. Dass es America völlig egal ist, ob sie mehr Geld verdient als er und, dass sie sein Verhalten sinnlos und unnötig findet, das ist ihm egal. Aber ich habe Aspen auch aus Americas Sicht - obwohl sie ihn natürlich nicht sofort zu lieben aufhört - nicht als allzu positive Figur wahrgenommen und sein unmögliches Verhalten wurde, wie bereits erwähnt, gut thematisiert. 

Pfirsichsorbet – Von schönen Kleidern und vom Wohlfühlen

Was mir ein wenig zu kurz gekommen ist, waren die absolut unfairen Gegebenheiten dieser Gesellschaft von Illeà, die Kiera Cass hier vorstellt. Zum Beispiel ist es nicht erlaubt, Sex zu haben, bevor man verheiratet ist, weil die Regierung so verhindern will, dass sich die Kasten unkontrolliert vermischen. Ich finde den Ansatz interessant und in diesem Rahmen auch logisch in dieses Gesellschaftssystem integriert, nur leider kam nicht heraus, was für ein furchtbares, einschränkendes und hoffnungsloses System das eigentlich ist. Ähnlich ging es mir mit den ominösen Rebellen. Was sie wollen und wer sie überhaupt sind, kommt gar nicht so wirklich vor, sie greifen bloß den Palast an und sorgen zwar für sehr spannende Szenen, aber ich hätte so gern mehr darüber erfahren, wieso sie so wütend sind und ob sie am Ende genau dieses Unmenschliche kritisieren, das America zwar erwähnt und auch nicht gut heißt, aber leider ein wenig unter den Tisch fallen lässt. Auch hier hoffe ich, in den Folgebänden noch mehr zu erfahren, doch für einen ersten einleitenden Band war es mir einfach ein bisschen zu wenig, was man erfährt und zu viel, was man (noch?) nicht erfährt.

Aber natürlich spielt da auch mit hinein, dass „Selection“ eben keine klassische Jugenddystopie ist und eben auch nicht als solche gelesen werden sollte und kann. „Selection“ ist hübsche Kleider und Glamour anstatt Leid und Blut, es ist Palastgeflüster, Sticheleien und Fotoshootings, anstatt Revolution, Überleben und korrupte Regierung. Aber am Ende kommt dabei etwas Gutes heraus, wenn man sich darauf einlassen kann. Wenn man Romane mag, die in diese Richtung gehen, muss das natürlich heißen. Was ich absolut tue. Court Intrigue ist eines meiner liebsten Fantasygenres und obwohl "Selection" eine Dystopie sein will, schlägt es doch stark in diese Richtung aus. „Selection“ spricht nicht den Teil von mir an, der heftige Dystopien voller Gesellschaftskritik und epischer Action mag, sondern den, der sich Castings ansieht und Hofintrigen und High-Society-Geschichten liebt. Und ich glaube, das ist genau das, was dieser erste Band der Reihe auch will. „Selection“ ist viel mehr "Der Bachelor" als „Tribute von Panem“, viel mehr fluffige Süßigkeit als schweres Drei-Gänge-Menü, und das muss man natürlich wissen – und mögen – wenn man das Buch genießen möchte. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch, dass mir der Roman trotz allem nicht oberflächlicher vorgekommen ist, als so ein Buch zu sein hat, denn gesellschaftliche Probleme werden nicht vollends außen vor gelassen.

Es gibt zum Beispiel nicht nur Konkurrenz und Sticheleien zwischen den Mädchen, sondern auch tolle Mädchenfreundschaften und sogar die Erkenntnis, dass die Mädchen zusammenhalten müssen, anstatt sich als Feindinnen zu verstehen. Dass Königin Amberly, die vor einigen Jahren auch durch ein Casting ausgewählt wurde, sich noch heute mit allen anderen damaligen Teilnehmerinnen gut versteht und sie keine Feindinnen geworden sind, fand ich sehr schön. Die eigentliche Lächerlichkeit eines solchen Bräutecastings kommt gut raus, wenn man sich anschaut wie unwissend und naiv Prinz Maxon ist und America selbst will zu Beginn nicht einmal teilnehmen, weil sie das Casting für sinnlos und zu oberflächlich hält. An sich wird Künstlichkeit und Oberflächlichkeit öfters angesprochen, aber passiert erfreulicherweise meist ohne die übliche Abwertung typisch weiblicher Themen und Eigenschaften. Es ist jetzt nicht so, dass „Selection“ ein sehr kritischer Roman wäre und viel richtig macht – aber er macht eben auch so gut wie nichts falsch und Schreibstil und Handlung ziehen einen fast sofort in die Handlung hinein und sind so verträumt und märchenhaft erzählt, dass man über die Fehlerchen sofort hinwegsehen möchte, weil „Selection“ einfach ein schönes Buch ist. Ein sehr schönes Buch. Die Buchhändlerin sagte, der Roman sei besonders für Leser und Leserinnen mit verträumt-romantischer Ader geeignet und dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Zielgruppenempfehlung: Ich denke, „Selection“ eignet sich besonders gut für Leser und Leserinnen ab 14 Jahren, die sich gern in andere Welten träumen und Spaß an Hofgeflüster und Intrigen, neuen Geschichten von den Royals und Castingshows haben. Auch erwachsene Leser und Leserinnen, die sich für diese Dinge begeistern können oder ihnen zumindest nicht abgeneigt sind, werden in „Selection“ ein wirklich schönes Buch zum Entspannen, Träumen und Mitfiebern finden. Leser, die von einer Dystopie allerdings Medien- und Gesellschaftskritik im großen Maße, harte Realitäten und düstere Zukunftsvisionen erwarten, sollten sich aber vielleicht vorher vor Augen rufen, dass „Selection“ dieses Buch einfach nicht ist und das nicht erwarten, sondern sich vielleicht auf eine andere Geschichte einlassen oder, wenn sie das nicht möchten, den Roman eher meiden. 

Fazit: „Selection“, der erste Teil der vierteiligen Reihe von Kiera Cass, ist ein träumerisch verklärtes Abenteuer bei Hof, ein süßes mitreißendes Leseerlebnis, das nicht ganz oberflächlich daher kommt, sondern eine grundgute und starke Heldin hat, die sich trotzdem durchaus durchzusetzen weiß. Darüber hinaus ist „Selection“ eine Jugendgeschichte, die sehr gesunde Botschaften zu Freundschaft und Liebe enthält, sowie glaubhafte überzeugende Figuren, und sich nicht auf die typischen Jugendbuchproblematiken einlässt, sondern sie gekonnt umschifft. „Selection“ lädt zum Wohlfühlen und Fortträumen ein und dann ist es auch in Ordnung, wenn die Leute merkwürdige Namen haben und sich die Entwicklung des Landes Illeà nicht komplett nachvollziehen lässt. Nur etwas mehr Hintergrundinformationen zu den Rebellen, zu der Monarchie und zu den gesellschaftlichen Verhältnissen hätte ich mir wirklich gewünscht. Von mir bekommt der Roman daher vier von fünf Sternen für ein wunderschön erzähltes, verträumtes Hofmärchen, das nicht ganz davor zurückscheut auch ernstere Themen anzusprechen. Und nun entschuldigt mich, ich muss „Die Elite“, den zweiten Teil der Reihe, zu Ende lesen.


Kommentare:

  1. Hallo :)
    eine interessante Rezi! Mich konnte das Buch aber so gar nicht überzeugen. Ist so gar nicht meine Welt. Es ist aber leichte Unterhaltung die Spaß machen kann!
    Laut Goodreads wird es wohl auch noch ein fünftes Buch der Reihe geben!

    Liebe Grüße

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    1. Hi. :-) Ja, genau deshalb habe ich in der Rezension so einen Schwerpunkt darauf, dass man solche Geschichten mögen muss, um das Buch zu mögen. Kann mir sehr gut vorstellen, dass es für Leute, die eine richtige Dystopie erwarten, eher enttäuschend sein kann, eine richtige Liebesgeschichte gibt es auch nicht... es ist schon sehr speziell und das sollte man vor dem Lesen echt wissen. Schade, dass es dir nicht gefallen hat, aber bei dem Buch spalten sich die Geister eh. Ganz viele Leute lieben es und ganz viele mögen es überhaupt nicht. :'D

      Ich habe gerade erst gelesen, dass sie wohl noch ein paar Spin-Offs schreiben will. Auf alle Fälle soll es über eine von den anderen Kandidaten auch noch ein Buch geben. Ich weiß aber nicht, ob ich die lesen werde. Die eigentliche Reihe um America ist nach dem dritten Buch beendet und ich weiß nicht, ob ich es ohne sie noch interessant genug finde. Aber jetzt lese ich erstmal die drei Bücher fertig, die schon draußen sind.

      Alles Liebe,

      Cami

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