Montag, 9. März 2015

"Zwischen Schnee und Ebenholz" - Ann-Kathrin Wolf

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Zwischen Schnee und Ebenholz | Einzelband? | 312 Seiten | Carlsen Impress | ISBN 978-3-646-60086-5 |  Leseprobe
Mit dem Auftauchen des ungewöhnlich jungen und viel zu attraktiven Referendars William Grimm an ihrer Schule scheint das Leben der 17-jährigen Alexandra White auf einen Schlag ein anderes zu werden. Nicht genug, dass ihre Großmutter als Märchenerzählerin arbeitet und Alexandra dank ihrer blassen Haut »Schneewittchen« genannt wird, auf einmal verfolgen sie die Erzählungen bis in den Unterrichtsstoff hinein – und darüber hinaus. Denn wer sind die Zwillinge Lukas und Gabrielle, die auch neu an ihrer Schule sind? Und warum riecht es plötzlich überall nach Wolf? Ehe sich Alexandra versieht, befindet sie sich in ihrem eigenen Märchen, nur ist das Happy End noch lange nicht in Sicht… (Quelle

Zwischen Märchen und Popkultur

Das Buch hat gar nicht so schlecht angefangen. Die Autorin hat einen ganz vernünftigen Schreibstil, vielleicht ab und zu etwas oberflächlich und knapp, aber das hat mich am Anfang nicht so sehr gestört. Doch gestört haben mich die vielen Macken, die mir aufgefallen sind, Wortwiederholungen, die nicht hätten sein müssen, Ungereimtheiten (erst ist das Haar der Protagonistin rostbraun, dann dunkel), komische Formulierungen. Das will ich aber gar nicht der Autorin ankreiden, vielmehr hätte das Lektorat dafür sorgen müssen, dass so etwas in der fertigen Ausgabe nicht mehr vorkommt. Manche Szene wirken jedoch, als hätte sich da jemand vorgestellt, dass das in einem Film ganz cool aussehen könnte, im Buch wirkt das dann aber eher aufgeblasen, zu gewollt und theatralisch. Besonders, wenn es um den Antagonisten geht.

Zudem bringt die Autorin viele Anspielungen auf moderne Popkultur mit in den Roman ein (Teen Wolf, Buffy, Sex and the City), was ich vom Prinzip her nicht schlecht finde, aber wenn sie einen Sachverhalt anhand von Buffy erklären will, ist es nicht so günstig, wenn man die Sendung (wie ich) nicht gesehen hat. Ich habe auch keine Ahnung, warum die meisten Figuren englische Nachnamen haben müssen (Lilly Hunt, William Grimm, Alex White), obwohl das Buch in Deutschland spielt. Sie haben die nicht einfach so, sondern kommen aus Großbritannien (Lilly und Will) oder die Familie ist irgendwann mal in die USA ausgewandert und dann wieder zurück nach Deutschland gezogen (Alex), aber muss das sein? 

Gefallen hat mir die Grundidee, Märchen mit der modernen Welt zu verbinden. Das geschieht zwar in letzter Zeit immer häufiger (Once upon a time, Grimm), aber ich habe noch keine Version gefunden, mit der ich wirklich zufrieden war. Leider ist dieses Buch auch nicht, wonach ich gesucht habe. Das liegt hier aber weniger an der Grundidee als an der Umsetzung. Denn Märchenfiguren kommen leider kaum vor und wenn, haben sie auch bis auf die Verbindung zu ihren Originalen wenig Märchenhaftes an sich. Ich habe immer wieder gehofft, in schon bekannten Figuren eine Märchenfigur zu entdecken, leider waren das dann doch völlig Fremde.

An guten Nebenfiguren mangelt es leider auch. Da gibt es die obligatorische Schulzicke, die sich schminkt, kurze Klamotten trägt, immer zwei charakterlose Zofen mit sich herum schleppt und sofort mit dem gutaussehenden Lehrer flirtet. Sonst hat sie weder eine Charaktereigenschaft noch eine Funktion, kontrastiert nur die Hauptfigur, die natürlich gar nicht so ist. Diese Stereotyp alleine ist ziemlich sexistisch und vollkommen unnötig, weil hier Dinge als schlecht dargestellt werden (Make Up, kurze Klamotten, etc.), die eigentlich nicht per se schlecht sind. Dann ist da noch Niklas, der eigentlich nur da ist, um ständig dumme Kommentare auf Kosten von Alex loszuwerden und... nee, wozu? Ehrlich, wozu ist der da? Wenn schon doofe Leute, dann gebt ihnen doch wenigstens ein paar Charaktereigenschaften.

Auch gestört hat mich, dass wichtige Dinge oft erst dann erwähnt werden, wenn sie wichtig werden, sodass das alles doch zu gewollt wirkt. Alex hat seit ihrer Kindheit die Gabe, Erinnerungen von Menschen wahrzunehmen, wenn sie sie berührt. Sie weiß davon, sie hat sogar gelernt, sie zu kontrollieren, aber anstatt dass sie sich darüber wundert (würde ich ja tun) oder das irgendwie Einfluss auf sie hat, erwähnt sie es eben einmal, als sie Lukas berührt und eine Vision hat. Das Schlimme ist, dass diese Gabe auch überhaupt nie wieder wirklich relevant wird, es ist eben einfach da und fertig. Sie macht nie irgendetwas damit. Sie macht eigentlich überhaupt nie etwas wirklich Wichtiges.

Der Aufbau des Romanes lässt leider auch wirklich zu Wünschen übrig. Der erste Akt ist viel zu lang, genau so wie der dritte Akt, der zweite Akt maximal gequetscht, wenn man überhaupt von Akten sprechen kann. So hat sich kein richtiger Spannungsbogen aufbauen können, am Anfang war es eher langweilig, im Finale... nun, das Finale war zu lang, aber darüber hinaus auch einfach langweilig. Und als das Finale vorbei ist, ist das Buch dann auch auf einmal ganz schnell vorbei. 

Zwischen Ohnmacht und Kopfschütteln

Nicht geholfen haben allerdings auch die vielen Plotlöcher, die einem beim Lesen ins Auge gesprungen sind. Beispielsweise will der Antagonist die Protagonistin in seine Gewalt bringen und beauftragt jemanden, obwohl bereits viel fähigere Leute für ihn arbeiten, die er erst beauftragt, als sein erster Lakai versagt. Obwohl seine anderen Diener nichts Besseres zu tun haben, eher an Alex heran kommen und viel bessere Chancen in jeder Hinsicht hätten. Warum er die nicht gleich beauftragt hat? Nun, wahrscheinlich, damit das Buch auf über 100 Seiten kommt, denn ich kann es mir echt nicht erklären. Auch weiß ich immer noch nicht, wie der Wolf Alex im Traum verletzen konnte, denn auch wenn die Idee an sich wirklich spannend war, wird das leider nie aufgeklärt. Ich verstehe auch nicht, warum sich Alex' Großmutter erst so eine Mühe gibt, nicht gefunden zu werden, dann aber einfach einen Kater bei sich aufnimmt, obwohl sie ganz genau weiß, dass er kein normaler Kater ist und zu denen gehört, vor denen sie sich versteckt. Oh, was für ein Wunder, dass sie sie dann doch finden. Oder warum sich die Großmutter überhaupt versteckt hat. Sie deutet da ein düsteres Geheimnis an, aber ihre Gründe werden nie erläutert. 

Alex als Protagonistin hat mir in der ersten Hälftes des Buches gut gefallen. Sie ist im Gegensatz zu anderen Jugendbuchheldinnen angenehm zu lesen, wertet ihre Umgebung nicht konstant ab und war doch sympathisch. Leider ist sie gleichzeitig das größte Problem an diesem Roman, denn... sie tut eigentlich nichts. Eigentlich ist sie die meiste Zeit über vergiftet (ich weiß ja, Schneewittchen und so, aber es ist einfach nur unnötig) und schon vor den ganzen Vergiftungsgeschichten ein körperliches Wrack, weil ihr durchgehend schwindelig ist und im ganzen Buch jede dritte Szene damit endet, dass sie in Ohnmacht fällt. Auch ansonsten ist sie die passivste Protagonistin, die ich je gelesen habe. Sobald Alex erfährt, dass sie die Erbin Schneewittchens ist, verkommt sie zur passiven und klischeehaften Frauenfigur, die einen Wolf tatsächlich mit ihrem Mitleid in die Flucht schlägt. Und wenn Alex überhaupt mal ein klein wenig aktiv wird, dann nur für Will.

Das gilt leider für alle Frauenfiguren in diesem Roman. Wo Lukas als Figur eingeführt wird und präsent ist, ist Gabrielle, Lukas' Schwester, ein blasser Platzhalter, der halt da ist, der aber keinerlei Charakter zugestanden wird und ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, was am Ende des Buches aus ihr wird, denn natürlich ist das keine Erwähnung wert. Wo Will und selbst dieser komische Adler während des Finales irgendetwas tun, steht Alex die ganze Zeit wirklich nur herum. Während Lilly immerhin noch versucht, etwas zu tun, allerdings nur darin scheitern darf. Wir haben also die starken, männlichen Kämpfer und zwei Mädchen, die viele Gelegenheiten gehabt hätten, wenigstens irgendetwas beizutragen, die Autorin lässt sie aber lieber ohnmächtig werden.

Ja, das ist Sexismus. Denn wo Männer hier aktiv handeln dürfen, dürfen Frauen das nicht. Und auch wenn Lilly und Alex keine ausgebildeten Kämpferinnen sind, so hätten sie ja immerhin irgendetwas tun können, mit den Mitteln, die sie haben. Sie sind zwei Jungfrauen in Nöten, die so tun, als wären sie aktive Frauenfiguren, die sich eigentlich nur von ihren beiden Prinzen retten lassen. Und Gabrielle als einzige Frauenfigur, die aktiv etwas tut und damit auch Erfolg hat, kommt weniger vor als der eingangs erwähne Niklas, der eigentlich nur dazu da ist, Alex gemeine Kommentare entgegen zu schleudern.

Das Problem ist auch, dass Alex lange nichts von allem weiß. Die erste Hälfte des Romanes merkt der Leser, dass irgendetwas hinter den Kulissen vorgeht, aber alles Spannende bleibt einem verborgen, weil man in Alex' Kopf feststeckt und sie von nichts eine Ahnung hat. Will sagt ihr lange nichts, weil er denkt, dass sie schon alles weiß, ihre Großmutter sagt ihr aus Gründen nichts, warum genau, wird nie aufgeklärt. Einfach weil. Und einfach weil passiert hier leider viel.

Wirklich gemocht habe ich Lilly. Auch wenn sie von der Autorin im Bezug auf Lukas genau so sexistisch liebeskrank beschrieben wird, steckt in ihr eine starke Frauenfigur, die es sich nicht gefallen lassen will, einfach abzuwarten, während andere ihre beste Freundin retten. Die Freundschaft zwischen Alex und Lilly war sowieso die einzig realistische Beziehung im ganzen Buch. Lilly ist niemand, der sich irgendetwas gefallen lässt und für ihre Freundin da, wenn sie sie braucht, ohne Abstriche und Widerrede. Als Protagonistin hätte sie mir viel besser gefallen und ihre Liebe zu Lukas war immerhin noch im Ansatz nachvollziehbar, anders als die zwischen Alex und Will. Wenn auch doch sehr aus der Luft gegriffen und maßlos übertrieben.

Unsterbliche Liebe auf den ersten Blick

Ich finde es hier gar nicht einmal so schlimm, dass sich Alex in ihren Lehrer verliebt, denn eigentlich ist er natürlich gar kein richtiger Lehrer und sie ist fast 18, er 23, vor allem aber herrscht keinerlei Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen und die Liebe bleibt bis zum Finale einseitig und eine reine Anhimmelei. Aber hier liegt auch das Problem. Sie verliebt sich eben in ihn, aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum. Bis auf seine tiefblauen Augen, die ungefähr 100mal erwähnt werden, hat er keine weitere Charaktereigenschaft und es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum sie auf einmal von unsterblicher Liebe spricht. Die beiden haben auch kaum Szenen miteinander, wenn sie welche haben, sind die alles andere als romantisch, denn das Romantischste, was passiert, ist dass er ihr kurz seine Hand aufs Knie legt, ehrlich. Nichts rechtfertigt jemals das Ausmaß, das ihre Liebe im Finale angeblich hat.

Beim Versuch, eine Liebesgeschichte zwischen den Figuren aufzubauen, übertreibt die Autorin wirklich maßlos. Hier fangen die wirklich gestelzten Formulierungen an, Gefühle werden nur noch per Holzhammermethode benannt, nicht gezeigt und ungefähr 100mal hat sich Furcht/Sehnsucht/Trauer/meine Verzweiflung um das Herz von Alex oder Lilly gekrallt. Zudem verlieren die beiden offensichtlich jegliche Selbstbeherrschung, wenn ihre Liebsten in der Nähe sind. Ist ja egal, ob er gerade versucht hat, sie umzubringen, sie verraten hat, vollkommen egal, wenn er einem gegenübersteht, kann man ja nicht anders, als sich an ihn zu kuscheln und alles zu verzeihen. Das ist weder realistisch noch ein Bild, das man in einem Jugendbuch vermitteln sollte. Niemand ist derart hormongesteuert.

Ich verstehe auch das ganze Gerede von reinen Menschen nicht. Angeblich wirkt das Werwolfgift bei ihnen schneller, aber wie definiert sich das denn? Das wird im Roman nie geklärt, einfach halt nur, dass Alex ein besonders reiner Mensch ist, warum denn auch immer. Vielleicht rein von jeglichen Handlungsabsichten, das würde ich sofort unterschreiben.

Der magische Stein und die Weltheerschaft (Spoiler!)

Im Folgenden werde ich auf das Finale eingehen und dabei alles verraten, was sonst noch so passiert. Wer das nicht lesen möchte, sollte einfach bis zur nächsten Zwischenüberschrift springen.

Nunja, es gibt da diesen Antagonisten. Und vielleicht tut es dem Roman gut, dass man lange überhaupt nichts über ihn weiß, denn er ist eigentlich einfach nur lächerlich. Wer er wirklich ist, erfährt man im ganzen Buch nicht, nur, dass er das Blut der Nachfahren von Märchenfiguren sammelt, um unsterblich zu werden und jetzt auch das von Schneewittchen will. Und deshalb will er auch Alex, denn die ist ja die wahre Erbin Schneewittchens. Und die will er aber heiraten, damit er wieder jung wird, um dann mit ihr die Weltherrschaft(tm) an sich zu reißen. Dafür muss er sich mit ihr vereinigen, also irgendwie mischt er erst ihr Blut und trinkt das dann und wird davon jung, aber dann muss er noch mit ihr magischen Sex auf einem magischen Stein haben, und ach ja, er ist auch noch ihr Vater.

Es ist ja nicht so, als würde es irgendwie als positiv dargestellt werden, mit seinem Vater Sex auf einem magischen Stein zu haben (was sie am Ende natürlich nicht hat, denn es gibt ja ein Happy End) um dann die Weltherrschaft(tm) an sich zu reißen, aber der Roman krankt hier daran, dass der Antagonist einfach nur lächerlich ist, denn er wundert sich ehrlich darüber, dass Alex von der ganzen Sache nur so mäßig begeistert ist. Und sich auch nicht darüber freut, als er ihr als freudige Überraschung mitteilt, dass sie gleich nicht nur einfach so mit einem irren Kerl Sex auf einem magischen Stein haben wird, sondern dass der irre Kerl auch noch ihr Vater ist. Echt, kann mir nicht vorstellen, dass sie ihren Will da doch lieber hat. Alex hätte absolut gar nichts davon, würde sie sich auf den Antagonisten einlassen und das raubt dem Ende einfach jedes Potential für einen interessanten Konflikt. Den hat am ehesten noch Lukas, der die ganze Zeit für den Antagonisten gearbeitet hat und somit Alex und vor allem Lilly, die er liebt, verraten hat, aber das wird kaum genutzt. 

Das Finale insgsamt ist auch eher so ein ewiges hin und her, das sich wirklich zieht. Es kommen immer mehr Leute auf die Lichtung und wollen verhindern, dass Alex mit dem Antagonisten Sex auf einem Stein haben muss, aber die werden dann wiederum aufgehalten und so weiter und so fort. Und natürlich liebt Alex nur ihren Will, mit dem sie vorher im ganzen Buch weniger Worte gewechselt hat als mit ihrem Flauschekater, weil halt. Einfach weil. Und auch, wenn Alex angeblich eine supermächtige Nachfahrin von Schneewittchen ist, merkt man davon gar nichts und sie steht eigentlich nur herum und findet alles ganz entsetzlich.

Nicht überzeugend ist auch  die Szene, in der sie versucht, Will davon zu überzeugen, dass sie lieber mit dem Antagonisten mitgehen und Sex auf einem Stein haben würde, als mit ihm, weil der Will vor 100 Seiten mal gesagt hat, dass sie ganz doll doof ist. Alles natürlich nur, um ihn zu retten. Weil ich mir nicht vorstellen kann, dass irgendjemand glauben könnte, sie würde lieber mit dem namenlosen Antagonisten mitgehen wollen als mit Will und ich kann mir nicht vorstellen, dass Will das glauben könnte. Auch wieder nur eine sinnlose Szene im Finale, die alles unnötig streckt und bestenfalls lachhaft ist, auf jeden Fall aber nervig.

Und da hat mich dann auch Alex echt genervt, weil sie einfach wirklich überhaupt nichts gemacht hat bis darauf, dem Antagonisten zu sagen, dass sie jetzt nicht so ganz begeistert von seiner Idee ist und sonst... doof herum zu stehen. Ehrlich, Alex und Lilly kommen im Finale keine zwei Schritte weit, wenn sie sich denn mal in Bewegung setzen, ohne, dass sie jemand aufhält, niederschlägt, vergiftet oder sie über eine Wurzel stolpern. Ehrlich, gerade als Alex endlich mal etwas tun will, stolpert sie über eine Wurzel und fällt hin. Und mich hat das irgendwann einfach nur noch genervt.

Lilly ist immerhin noch annähernd aktiv, aber anstatt, dass die Autorin sie mal etwas Vernünftiges tun lässt, wird sie immer wieder aufgehalten. Aber immerhin gibt sie nicht auf und besteht auch noch darauf, noch einmal umzukehren, als klar ist, dass sie kaum eine Chance hat und sie mit ihrem geliebten Lukas einfach verschwinden könnte. Wirklich übel genommen habe ich es der Autorin hier aber, dass Alex die Freundschaft zwischen den beiden nicht so wichtig zu sein scheint. Als der Antagonist verlangt, sie solle sich zwischen Lilly und Will entscheiden, kann sie das nicht, weil sie einen charakterlosen und arroganten Kerl, den sie drei Tage kennt und mit dem sie zwei Worte gewechselt hat genau so sehr mag wie ihre beste Freundin, die sie seit Jahren kennt, die immer für sie da ist, die versucht hat, sie zu retten, obwohl das im Gegensatz zu Will nicht ihr Job ist.

Als der Antagonist schließlich ein Messer nach Will wirft und Alex sich dramatisch vor ihn wirft, schlägt das dem Fass für mich den Boden aus. Ehrlich mal. Es ist keine vernünftige Botschaft, eine Liebe zu zeigen, die an den Haaren herbei gezogen ist, aus dem Nichts kommt, zu jemandem, den man drei Tage kennt, über den man nichts weiß und für den man trotzdem sterben würde. Es ist einfach nur dumm und vermittelt wieder dieses unrealistische Bild der ersten unsterblichen Liebe, das mich in Jugendbüchern immer wieder aufregt. Aber natürlich, lieber sterbe ich für so einen dahergelaufenen Schönling, als wirklich eine aktive Heldin zu sein oder das wenigstens für jemanden zu tun, mit dem ich mehr als dreimal geredet habe. Zumal ich es sowieso problematisch finde, wenn eine Heldin in einem Jugendbuch unreflektiert für jemand anderes sterben will, also wirklich für jemanden sterben will und sich nicht einfach nur in Gefahr begibt, um jemanden zu retten, so wie Lilly es hier tut.

Und dann ist Alex natürlich tot und es gibt ein magisches Irgendetwas, muss man ja auch mal zeigen, dass sie wirklich magisch war, wenn sie schon nie was getan hat, der Antagonist verzieht sich und natürlich kriegen Lukas und Lilly kein Happy End, denn kann ja nicht sein, dass eine Beziehung, die annähernd Chemie hat, gut endet, weil ist ja nicht die Heldin. Und dann küsst Will Alex und blablabla, sie erwacht wieder zum Leben, weil seine Stimme sie geleitet hat und zurück ins Leben geholt hat, weil sie sich ja so sehr lieben und das war einfach nur lachhaft. Ehrlich, ich mag nicht mehr. Ich bin raus.

Zielgruppenempfehlung

Ehrlich? Niemand. Das Buch hat nett angefangen und wenn man wirklich nur die ersten 100 Seiten liest, ist es vielleicht ab 14 nett, aber der Rest ist einfach nur hanebüchen, ziemlich sexistischer Blödsinn und so romantisch wie das Loch in meiner linken Socke. Guckt euch doch lieber einen Disney-Film an, Frozen war ganz toll, auch wenn Fräulen Stern den wegen Cultural Appropriation berechtigterweise furchtbar findet (bis auf das aber ein toller Film), also vielleicht lieber Brave, Brave ist großartig. Tangled fand ich wirklich nett und Küss den Frosch ist auch echt super. Wer nichts von Disney will, kann sich mal Drachenzähmen leicht gemacht (wirklich super) oder Anastasia (immer noch wunderschön) ansehen.

Fazit

Vielleicht wäre es sogar ein guter Roman geworden, hätte man das Finale weg gelassen, aber hat man nicht. Was gut anfing, wurde durch die furchbar passive Heldin, ständige Ohnmachtsanfälle und den lächerlichsten Antagonisten ever verdorben. Kein Spannungsbogen, ein Finale, bei dem ich ständig laut lachen musste und dafür haufenweise Plotlöcher. Im Prinzip hat mir zu Beginn einfach die Richtung gefallen, in die der Roman hätte gehen können, weil er viel Potential hatte, aber nichts wurde zufriedenstellend aufgelöst und das Finale hat mich durchweg enttäuscht. Pluspunkte gibt es nur für Lilly und den doch netten Anfang, insgesamt kann ich aber leider nicht mehr als 1,5 von 5 Sternen vergeben. Ich bin nicht sicher, ob es eine Fortsetzung geben wird,denn der Epilog und die vielen offenen Fragen deuten darauf hin, aber dann wiederum finde ich darüber nichts auf der Verlagsseite und ehrlich gesagt fühlen sich die offenen Fragen eher wie massive Plotlöcher an.

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