Sonntag, 29. März 2015

"Kjell. Das Geheimnis der schwarzen Seerosen" - Evelyn Boyd

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Kjell. Das Geheimnis der schwarzen Seerosen 
Die Seerosen-Saga #1 | 239 Seiten 
Carlsen Impress | ISBN 978-3-646-60024-7  
Leseprobe
Schweden, das Land geheimnisvoller Mythen, sagenumwobener Gewässer und junger Männer mit leuchtend blauen Augen. Es ist das erste Mal, dass die neunzehnjährige Sofie Bachmann seit dem Autounfall ihrer Eltern in ihr Ferienhaus zurückkehrt. Dorthin, wo ihr großer Bruder damals ertrunken ist – in dem außergewöhnlich dunklen See, zu dem es sie nie wieder hin verirrt hat. Es soll ein Herbst großer Lebensentscheidungen werden stattdessen wird es ein Herbst der großen Gefühle. Denn als sie Kjell kennenlernt, ist plötzlich nichts mehr wie es war. Zu spät begreift sie, dass der geheimnisvolle junge Mann nicht wenig mit ihrer Vergangenheit zu tun hat… (Quelle)

 Sofie und der Himmel über Schweden

Viele Bücher bedienen sich heutzutage wahllos irgendwelcher Schauplätze, die bis auf den Namen völlig austauschbar erscheinen. Umso glücklicher war ich, dass dieser Roman sich nicht nur darum bemüht, Schweden authentisch darzustellen, noch dazu gelingt dies so unaufdringlich und spielerisch, dass ich wirklich davon ausgehe, dass die Autorin die Gegend gut kennen muss. Anstatt ewig belanglose Informationen aus einem Lexikon abzuschreiben werden hier beiläufig viele Details eingebunden, die die Gegend lebendig wirken lassen. Ich war noch nie in Schweden, aber in diesem Roman hat alles authentisch gewirkt, fern jeglicher Klischees, auch habe ich jetzt wirklich Lust, die Gegen einmal mit eigenen Augen zu sehen.

Ich habe etwas überlegen müssen, wie ich den Schreibstil der Autorin beschreiben soll, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich ihn nun gut fand oder nicht. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und wirkte im Gegensatz zu vielen anderen Romanen des Verlages professionell geschrieben. Das Problem ist, dass hier viele Formulierungen etwas geschwollen wirken und längere Zeitabschnitte, die für die Handlung irrelevant sind, sehr gerafft erzählt, aber nicht beschrieben werden. Prinzipiell fand ich das gar nicht schlecht und es wirkte auf mich weniger, als sei das schlichtes Unvermögen der Autorin als einfach ihr persönlicher Schreibstil. Mich persönlich hat es auch nicht sehr gestört und das Buch hat sich flüssig lesen lassen, große Gefühle kommen so aber leider auch nicht rüber. Insofern würde ich einfach dazu raten, die Leseprobe zu lesen und selbst zu beurteilen, ob einem diese Art zu schreiben liegt oder nicht.

Gut eingebunden fand ich hier die Mythologie hinter der Geschichte. Um nicht zu spoilern, kann ich hier nur sagen, dass der Mythos zu Schweden passt. Viele Autoren verpflanzen oft allzu gerne beispielsweise irische Feen nach Griechenland, obwohl lokale Mythen vielleicht viel besser gepasst hätten. Ich fand den Mythos hinter der Geschichte auch in sich schlüssig und nicht zu sehr an den Haaren herbei gezogen. Dennoch muss ich sagen, dass der Mythos dann doch ziemlich heteronormativ war, denn dass Frauen nicht nur Männer lieben, Männer eben auch nicht nur Frauen und manch einer auch gar niemanden wird gar nicht erst in Erwägung gezogen. So, wie der Mythos hier umgesetzt wird, findet doch eine recht binäre Unterteilung in Männer und Frauen statt, die ihre klaren Rollen haben und das hätte sich leicht ändern lassen, indem man gesagt hätte, dass von einer bestimmten Sache nicht nur Frauen betroffen sind.

Sofie und das verzweifelte Verzehren nach Liebe

Gefallen hat mir die Protagonistin des Romans, Sofie. Mit 19 Jahren ist sie älter als die meisten Mädchen dieses Genres und das merkt man ihr zum Glück auch an. Insofern passt der Schreibstil auch zu ihr und ich habe es als angenehm empfunden, in ihrem Kopf zu stecken. Auch wenn es traurig ist, das mittlerweile erwähnen zu müssen, so wertet sie ihre Umgebung nicht permanent ab, wie das andere Jugendbuchheldinnen stets tun, sie wirkt wie eine authentische Figur und verliert sich vor allem nicht völlig, als Kjell vorkommt. Der Verlust ihres Bruders und ihrer Eltern hat sie geprägt, aber sie versucht, nicht in Trauer zu versinken, sondern mit ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen und sich eine Zukunft aufzubauen.

Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Kjell ist noch einmal ein ganz eigener Punkt für sich. Ich konnte sie nachvollziehen, was auch nicht mehr selbstverständlich ist, weil sich zu gerne Protagonistinnen einfach spontan in jemanden verlieben, weil die Person einmal in ihre Richtung guckt. Sofie verliebt sich zwar doch recht schnell in Kjell und spricht dann natürlich auch von der großen Liebe, aber es war nicht so arg an den Haaren herbei gezogen wie in anderen Büchern.

Ich möchte das hier fast nicht als positiven Punkt aufführen müssen, aber es ist mir bei ausnahmslos jedem Buch des Impress-Verlages aufgefallen, dass sich die Protagonistinnen irgendwann unsterblich in ihren Love Interest verlieben müssen, ohne dass Zeit darauf verwendet wird, erst einmal eine vernünftige Grundlage dafür zu schaffen. Anstatt realistische und gut geschriebene Liebesbeziehungen aufzubauen, wird lieger eine unsterbliche Liebe an den Haaren herbei gezogen, denn seien wir mal ehrlich, gerade bei Jugendlichen ist es maßlos überzogen, nach zwei Gesprächen davon zu sprechen, dass man sich ja so unsterblich liebt und füreinander sterben würde. Das erzeugt Erwartungen an sich selbst, den Partner und die Beziehung, die niemand je wird erfüllen können und liest sich noch nicht einmal angenehm, weil einem einfach irgendwann gesagt wird, dass die beiden sich jetzt eben lieben und damit soll man sich dann abfinden.

Außerdem ist Kjell für mich keine positive Figur, was zum einen in seiner Natur liegt, zum anderen aber auch in seinem Verhalten. Öfter verhält er sich Sofie gegenüber besitzergreifend und dominant. Gut fand ich hier, dass sich Sofie das nicht gefallen lässt und durchaus sagt, dass sie das gerade nicht gut findet, denn viel zu oft wird so ein Verhalten auch noch als wünschenswert, süß, romantisch oder liebevoll dargestellt, obwohl es das definitiv nicht ist. Nicht gut fand ich, dass sich Sofie am Ende dann doch nahezu bedenkenlos in Kjells Arme wirft, trotz seines Verhaltens und vor allem trotz einiger Dinge, die er getan hat und die ich absolut nicht okay finde. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber ich finde es nicht gut, dass Sofie das so einfach ignoriert, um mit ihm zusammen zu sein.

Sofie und Dornen im Herzen der Leidenschaft

Die Handlung des Romans hat mir gefallen. Auch wenn man nicht von Anfang an weiß, worauf alles hinaus läuft, so arbeitet die Autorin doch geschickt auf das Ende hin und manches wird erst zum Ende hin klar. Das Ende hat mir persönlich wirklich gut gefallen, auch wenn ich sicher bin, dass mir da nicht jeder zustimmen wird, mehr kann ich dann leider auch nicht verraten, ohne zu spoilern. Auch die Nebenfiguren haben überzeugt, allen voran Lilja, die ich sehr mochte. Sie stellt einen anderen Typ Frau dar als Sofie, ist offener, vor allem, wenn es um Beziehungen geht, trotzdem wird keiner der beiden Lebensstile abgewertet.

Leider ist Lilja dann aber auch mein größter Kritikpunkt an diesem Roman. Ich war mit ihrem Schicksal nicht zufrieden, vor allem, weil das, was mit ihr passiert ist, für die Romanhandlung unnötig erschien und nicht hätte sein müssen. Vor allem fand ich es furchtbar, dass danach kaum noch darauf eingegangen ist, was mit ihr passiert, obwohl das durchaus hätte passieren müssen. Lieber hat man noch zwei romantische Szenen zwischen Kjell und Sofie eingefügt. Mich stört gewaltig, dass eine großartige Frauenfigur hier dafür benutzt wird, am Ende ein wenig zu schockieren und den Plot etwas spannender zu machen, ohne dass ihr Schicksal insgesamt überhaupt zum Plot beiträgt, um sie dann einfach zu vergessen. Man hätte das durchaus auch anders lösen können und das finde ich unglaublich schade, denn es macht die positive Darstellung Liljas komplett Zunichte. Ich habe mich für sie interessiert und ich habe sie gemocht, ihr Schicksal ging mir Nahe, dem Roman aber anscheinend nicht. Und wenn ich als Leser das Gefühl habe, mich mehr für das Geschehen zu interessieren, das mich bewegt, als der Roman, dann fühle ich mich vom Roman nicht mehr ernst genommen.

Zielgruppenempfehlung

Ich würde das Buch etwas älteren Jugendlichen empfehlen, die Fans leichter und  romantischer Lektüre sind. Etwas älteren Jugendlichen deshalb, weil die Protagonistin schon etwas älter und fast nicht mehr jugendlich ist, wodurch sie für jüngere Menschen vielleicht gar nicht erst interessant ist, denn sie beschäftigen dann doch andere Dinge als zum Beispiel ein 14jähriges Mädchen. Auf der anderen Seite sollten die Leser des Romanes in der Lage sein, Kjells teilweise problematisches Verhalten reflektieren und mit Inhalten wie gewaltvollen Toden umgehen können, auch wenn keine explizit brutalen Szenen vorkommen.

Fazit

Ich bin nicht ganz sicher, was ich von diesem Roman halten soll. Traurig finde ich, dass ich schon anfange, für Bücher des Impress-Verlages eigene Maßstäbe anzusetzen. Es ist ungefähr, als würde ich Fastfood untereinander vergleichen und nicht mehr mit normalem Essen. Wenn man es so sieht, dann war das hier ein Burger, der nicht so labbrig war wie andere und das Fleisch nicht verbrannt, aber ein richtig guter Burger aus einem Restaurant war es eben auch nicht. Ich habe das Gefühl, aus dieser Idee hätte ein richtig guter Roman werden können, wurde dann aber, wie alle Impress-Bücher, die ich bisher gelesen habe, zu gehetzt, gekürzt und oberflächlich aufgeschrieben und dann gewaltsam noch eine unsterbliche Liebe hinein gedrückt. Für ein Impress-Buch ziemlich gut, insgesamt aber eher durchschnittlich und größtenteils eben einfach nur nicht schlecht, aber auch nicht gut, deshalb vergebe ich 3 von 5 Sternen.

Die Fortsetzung habe ich inzwischen auch gelesen und ich würde sie ehrlich gesagt nicht empfehlen. Wer mit dem Ende dieses Romanes absolut unglücklich ist, kann sie sich vielleicht einmal ansehen, ansonsten würde ich wirklich eher davon abraten, denn dieses Buch ist auch so in sich abgeschlossen.

Ich möchte aber auch noch einmal auf jeden Fall betonen, dass meine Einschätzung der Bücher des Impress-Verlages nur mein subjektiver Eindruck nach dem Lesen von fünf Büchern des Verlages sind. Vielleicht falle ich auch einfach nicht in die Zielgruppe, die eigentlich angesprochen werden soll, vielleicht habe ich auch einfach immer nur die schlechteren Bücher erwischt und die wahren Perlen noch nicht gefunden. Cami hat mit "Seth - Als die Sterne fielen" ja auch schon ein Buch des Verlages gefunden, das ihr ausgesprochen gut gefallen hat und unser Geschmack ist in diesem Punkt oft sehr ähnlich. Ich möchte auf keinen Fall den Verlag an sich als schlecht darstellen, lediglich haben die Bücher, die ich bisher gelesen habe, mir nicht besonders gut gefallen und das teilweise aus den selben Gründen.

Kommentare:

  1. Ein großes Lob an diese sehr ausführliche und liebevolle Rezension, die viele deiner Gedanken und Gründe klar benennt und das Buch in aller Breite darstellt. Ich kannte es zuvor noch nicht und habe es bei dir jetzt das erste Mal gesehen. Auch wenn es dich nicht ganz so begeistert zurückgelassen hat, werde ich den Tipp dennoch mal aufgreifen und schauen, ob es was für mich ist!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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  2. Hallo :)
    eine tolle und ausführliche Rezension. Ich mochte dieses Buch sehr vor allem wegen der Atmosphäre und den Landschaftsbeschreibungen, die Liebesgeschichte war langsamer und realistischer als bei manch anderen Büchern.
    Sofie fand ich toll, aus den gleichen Gründen die du genannt hast!
    Die Impress Bücher sind so eine Sache, für seichte unterhaltung zwischendurch eigentlich ganz gut. Leider werden auch viele Klischees bedient und die meisten Geschichten laufen nach einem ähnlichen Schema ab.

    Liebe Grüße

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    1. Danke! Genau das denke ich auch über das Buch, nur leider nicht über den zweiten Band... Ich würde mir nur wünschen, dass Impress weniger Klischees bedienen würde, denn der Verlag hat eigentlich wirklich Potenzial. Seichte Unterhaltung muss ja nicht unbedingt schlecht sein! Gerade Girl Online von Zoe Sugg hat das letztens wieder bewiesen.

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