Dienstag, 3. März 2015

"Die Stunde der Lilie" - Sandra Regnier

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Die Stunde der Lilie | Lilien-Reihe #1 | 305 Seiten | Carlsen Impress | ISBN 9783646600735 | eBook 

Plötzlich ist alles anders. Eigentlich wollte die sechzehnjährige Julia bloß einen entspannenden Ausritt mit ihrer besten Freundin unternehmen, doch dann geht ihr das Pferd durch und plötzlich befindet sie sich nicht mehr im Deutschland des 21. Jahrhunderts, sondern im Frankreich des 17. Jahrhunderts! Und es scheint keinen Weg zurück zu geben. Aufgegabelt von einer Jagdpartie aus Versailles, findet Julia sich bald am französischen Königshof wieder. Wenn sie überleben möchte, muss sie sich von einem Tag auf den anderen den Sitten bei Hof anpassen: Französisch lernen, die Etikette beachten und bloß niemanden verärgern. Zum Glück steht an ihrer Seite der einflussreiche Graf von Montsauvan. Ob Julia sich an ihr neues Leben gewöhnen kann?

Der Stil der Lilie – Julia auf Zeitreisen 

Seit einer ganz bestimmten, sehr erfolgreichen deutschen Jugendbuchreihe scheinen sich Zeitreiseromane für Jugendliche einer enormen Beliebtheit zu erfreuen. Glück für mich, denn ich liebe Zeitreiseromane. Eigentlich. Denn die liebste Epoche der betreffenden Autoren scheint der Barock zu sein. Immer wieder verschlägt es junge Heldinnen ins siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert, immer wieder werden sie in Mieder und umständliche Kleider gequetscht und müssen sich zwischen Intrigen, Ränkespielen und missgünstigen Adeligen behaupten. „Die Stunde der Lilie“ von Sandra Regnier ist bereits das vierte Buch dieser Art, das ich in den letzten Monaten in den Händen hatte, aber ich bin eine von diesen Personen, denen die Thematik niemals überdrüssig wird. Und „Die Stunde der Lilie“ winkte mit Versailles, dem Sonnenkönig und Barockpracht, wie konnte ich da Nein sagen?

Ich sage es gleich voraus: „Die Stunde der Lilie“ hält nicht, was es verspricht. Mir wurde bereits nach den ersten paar Seiten bewusst, dass mich der Schreibstil schon einmal nicht begeistern würde. Frau Regnier erzählt simpel – hölzern, hier und da etwas trocken, sehr knapp und wenig detailverliebt. Hin und wieder fand ich den Stil sogar völlig unterdurchschnittlich. Es gibt Stellen, da ist die Grammatik offensichtlich falsch und ich frage mich, wieso das vor der Veröffentlichung niemandem aufgefallen ist. Wenn da im Prolog eine Frau „verlangsamt“ (S. 7) oder Julia auf die „Fünf ihrer Französischarbeit“ starrt (S. 9) wird es einem doch ein wenig zu bunt. Was ist denn das für ein Deutsch? Etwas später kommt es dann ganz dicke, als Frau Regnier betonen möchte, dass Julia endlich ein heißes Bad nehmen darf und ein eingeklammertes Ausrufezeichen hinter das zu betonende Wort setzt. Julia und ihr heißes (!) Bad haben mir dann vollkommen den Spaß verdorben. Stilistisch fällt die „Stunde der Lilie“ auf ganzer Strecke durch, so leid es mir tut.

Ich weiß nicht, ob sich Jugendliche groß an diesem Stil, der doch mehr am Chats und E-Mails erinnert, als an einen Roman, stören, aber mich haben die offensichtlichen Patzer sehr oft aus der Handlung gerissen. Dazu kommt, dass sich der Roman liest, wie eine bloße Zusammenfassung der Ereignisse. Selten wird etwas gezeigt: Es gibt kaum detailreiche Beschreibungen, wenig lebendige Momente. Viel eher kam es mir vor, als würde ich gar nicht den eigentlichen Roman lesen, sondern eine sehr lange Paraphrasierung, aus der alle bunten Details und spannenden Szenen herausgenommen wurden. Man erlebt nicht zusammen mit Julia den Alltag in Versailles, es ist eher, als säße man mit jemandem beim Tee, der einem knapp berichtet, was Julia den Tag über getan hat. Alles wirkt merkwürdig distanziert und es fällt sehr schwer wirklich in die Geschichte einzutauchen, da einem zu keinem Moment die Chance dazu gegeben wird.

Das ist Versailles? – Julia am Hofe des Sonnenkönigs

Historische Fakten gibt es viele, doch leider werden sie selten lebendig in die Handlung eingewoben, sondern dem Leser praktisch vor die Füße geworfen. Sandra Regnier scheint sehr viel recherchiert zu haben und das ist natürlich gut, nur kam es mir meist so vor, als wollte sie ihre Rechercheergebnisse mit Macht in den Text prügeln. Es gibt zum Beispiel eine Szene im Roman, in dem Julia auf einem Ball tanzt. Tänze sind schwungvoll, lebendig und sollen Freude bereiten, doch nichts davon ist in dieser Szene spürbar. Stattdessen zählt Frau Regnier alle Tanzbewegungen einzeln auf und fast liest sich die Szene wie eine Anleitung zum Barocktanz. So verkommt das historische Setting, das farbenfroh und schillernd sein sollte, zu einem künstlich wirkenden Konstrukt, liest sich an Stellen wie aus einem Fachbuch übernommen und konnte mich leider nicht überzeugen. Anstatt die historischen Details mit der Handlung zu verknüpfen und ein stimmungsvolles Bild zu malen, zählt die Autorin Fakten auf und beschränkt sich auf trockene Absätze voller Informationen, die in einem guten Roman in der Form nichts zu suchen haben.

Dazu kommt, dass Frau Regnier merkwürdig inkonsequent ist, was die Fakten angeht: Hier listet sie auf, wie ein Barocktanz funktioniert, aber da spricht sie davon, dass Julia Croissants isst, obwohl man leicht im Internet nachlesen kann, dass 1677 noch niemand in Frankreich gewusst hat, was ein Croissant ist. Da wird die Etikette bei Hof genaustens beschrieben, aber es wird nicht einmal hinterfragt, dass der große Louis XIV, der Sonnenkönig, „L’état c’est moi“, Julia als sein Mündel in Versailles aufnimmt und als Adelige ausgibt. Ein Mädchen, das er völlig verdreckt im Wald gefunden hat. Das ist doch wirklich unlogisch! Nimmt der Sonnenkönig jedes schmutzige Bauernmädchen, das ihm vor die Füße stolpert im Palast auf? Julia spricht kaum Französisch, kann nicht nachweisen, dass sie adelig ist und könnte so gesehen ein beliebiges deutsches Bauernmädchen sein, das weggelaufen ist. Wieso also wird sie in schöne Kleider gesteckt, bei Hofe eingeführt und darf bei der Jagd neben dem König reiten? Die Randfakten mögen stimmen, aber die Figuren benehmen sich so merkwürdig, so unauthentisch, dass ich nur sagen kann: Nein, das ist nicht Versailles.

Reiten, Tanzen, Singen – Julia, die Alleskönnerin 

Zu Beginn des Romans war mir die Protagonistin Julia noch sehr sympathisch. Sie ist sechzehn Jahre alt, hat große Probleme Französisch zu lernen, dafür ist sie in Geschichte gut, hat Angst vor Pferden und ist in einen Jungen aus der Schule verliebt. Ein ganz normales Mädchen eben. Leider wurde Julia mit jeder Seite unsympathischer. Alle Ecken und Kanten, die sie am Anfang hat und die sie interessant machen, werden nach und nach ausgebügelt, bis ein perfektes Mädchen zurückbleibt, dass zwar alles kann, aber völlig uninteressant ist. Innerhalb weniger Wochen lernt Julia Französisch, ja, sie spricht es so gut, dass man fast keinen Akzent mehr heraushört! Ungefähr genauso schnell verliert sie ihre Angst vor Pferden und kann plötzlich so gut reiten, dass sie die Jagd des Königs anführen darf! Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, kann sie auch noch total gut singen, wovon sie sechzehn Jahre lang nichts bemerkt haben will. Sogar der König ist gerührt, als Julia zu singen beginnt und da hört es für mich dann leider ganz auf.

Julia aus der Pfalz, sechzehn Jahre alt, wird in die Vergangenheit versetzt und mausert sich innerhalb von nur wenigen Wochen zum Liebling von ganz Versailles? Wirklich alle lieben sie, selbst der große Sonnenkönig, alle reden über sie, alle wollen mit ihr befreundet sein. Interessant wäre es gewesen, zu zeigen welche Probleme ein Mädchen wie Julia im schillernden Versailles haben könnte, auf welche Schwierigkeiten sie stößt, aber nach den Anfangsschwierigkeiten lernt Julia auf einen Schlag alles, was sie wissen muss. Und anstatt, dass sie dann eine von vielen Höflingen am Hofe des Sonnenkönigs wird, wird sie jedermanns Liebling. Sie wird als interessantes, mysteriöses Mädchen in den Himmel gelobt, aber was der Leser von Julia sieht, ist leider einfach nur eine Jugendliche, die keinerlei Kanten mehr hat und ich habe mich wirklich gefragt: Was ist so spannend an ihr? Wieso liebt ganz Versailles dieses Mädchen? Absolut nicht nachvollziehbar.

Für jüngere Jugendliche ist das sicherlich eine schöne Träumerei, aber für ältere Leser sehr unglaubwürdig. Dazu kommt leider, dass es so gut wie keine Handlung neben Julias Eingewöhnung in Versailles gibt. Die Zeitreisen werden überhaupt nicht mehr angesprochen. Hin und wieder fragt sich Julia, wie es ihrer Mutter und ihren Freunden geht und hat Heimweh nach Hause, aber nichts wird erklärt. Wie ist Julia überhaupt von der Pfalz des 21. Jahrhunderts ins barocke Versailles gelangt? Wie funktionieren diese Zeitreisen? Was hat die Reise ausgelöst und gibt es für Julia einen Weg zurück? Das alles wird überhaupt nicht mehr behandelt und was man eigentlich am allermeisten wissen möchte - Wieso ist das alles passiert und was passiert jetzt mit Julia? – wird nicht aufgeklärt. Dazu gibt es eben einfach keine Handlung. Knappe hundert Seiten vor Schluss wird dann eine fadenscheinige Intrige nachgeschoben, die sich natürlich um Julia dreht. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es ist völlig unglaubwürdig und nichts, womit man sich am Hofe von Versailles beschäftigt hätte.

Tragödie auf Fontainebleau – Die homophobe Julia 

„Die Stunde der Lilie“ ist leider auf ganzer Linie mittelmäßig. Nicht gut geschrieben, voller unglaubwürdiger Figuren, Löcher im Plot, Logikfehler und einer Heldin, die für Jugendliche vielleicht noch fürs Wunschdenken und in andere Welten träumen taugt, aber für ältere Leser leider keine Überraschungen bereithält. Ich hätte dem Roman vielleicht zwei Sterne gegeben, hätte es nach knapp zwei Dritteln nicht noch eine sehr böse Überraschung gegeben, die mir den Spaß am Roman dann komplett kaputt gemacht hat. Das Problem ist nicht Julia an sich, sondern ganz klar die Art und Weise, wie Frau Regnier mit Philipe de Bourbon, dem Herzog von Orleans umgeht. Philipe ist eine historische Figur und war der jüngere Bruder des großen Sonnenkönigs. Philipe war homosexuell in einer Zeit, in der das strafbar war. Er hat sich trotzdem seine Liebhaber genommen, hat sich flamboyant gekleidet und dazu noch weiblich gegeben. Philipe hat konstant nicht nur die Geschlechterrollen in Versailles in Frage gestellt, sondern auch die Regeln der Etikette. Gleichzeitig war er einer der größten Strategen Frankreichs, einer der fähigsten Feldherren und stärksten Persönlichkeiten in Versailles.

Ich gebe zu, ich hatte Angst, was Sandra Regnier tun würde, sobald Philipe de Bourbon ins Spiel kommt, aber meine Befürchtungen wurden meilenweit übertroffen. Julia kommt nach Fontainebleau und das erste, was wir über Philipe hören, ist: "Und Monsieur, der Bruder des Königs, war schlicht und ergreifend eine T***e. Normalerweise hätte Julia nie im Leben einen Homosexuellen so genannt, aber er hatte eine Schleife im Haar [...]" (S. 155) Er hatte eine Schleife im Haar, also ist es natürlich total gerechtfertigt, mit homophoben Schimpfwörtern um sich zu werfen (die ich hier nicht ausschreiben werde). Ich muss ehrlich sagen, ich bin bestürzt. Es ist mittlerweile 2015 und hier ist ein Jugendbuch, indem eine interessante historische Persönlichkeit hergenommen und auf Strich und Faden aufgrund seiner Sexualität und Nonkonformität beleidigt wird. Und hier zeigt sich dann auch, welche Art von Roman „Die Stunde der Lilie“ ist: Ein mittelmäßiger Jugendroman, der nichts hinterfragt, nichts tiefer erörtert und lieber alte Klischees weitergibt, als selbst zu erörtern.

Frau Regnier stellt – so viel kann ich verraten – Philipe de Bourbon als durch und durch schlechten, verabscheuungswürdigen Bösewicht dar. Und das macht sie daran fest, dass er sich sehr weiblich gibt, mit seinem Liebhaber flirtet, während er mit Julia spricht und massig negative Klischees, die viele Menschen von homosexuellen Männern haben, bedient. Ich könnte sehr viel zu diesem Thema schreiben, aber ich halte mich kurz: Das ist engstirnig. Es ist ein Klischee, das knapp 70 Jahre alt ist. Der schwule Bösewicht, der sich feminin gibt und deshalb lächerlich ist, wurde lange Zeit zur Diskriminierung schwuler Männer verwendet und wird es anscheinend bis heute, denn nichts anderes passiert hier. Auch, wenn Frau Regnier betont, dass Julia normalerweise überhaupt nicht homophob ist, ist sie es in dieser Szene doch und in allen folgenden Szenen, in denen Philipe vorkommt. Frau Regnier verzerrt Philipe zu einer bloßen Karikatur seiner selbst, anstatt ihn als den Mann zu zeigen, der er war.

Zielgruppenempfehlung: Ich bin, was diesen Punkt angeht, wirklich zerrissen. Von der Geschichte her, würde ich sagen, dass der Roman für Leser unter 14 Jahren geeignet ist, da der Stil sehr simpel ist und Julia als Heldin vielleicht als Wunschvorstellung taugt. Allerdings gibt es einige sehr brutale Szenen, auf die ich jetzt nicht weiter eingegangen bin, und natürlich möchte ich Jugendlichen keinen Roman empfehlen, in dem Diskriminierung von homosexuellen und / oder femininen Männern so unüberlegt und unreflektiert vorgelebt wird. Schließlich müssen Jugendliche ihre Vorurteile und ihre Homophobie irgendwoher haben und Bücher wie dieses helfen auf jeden Fall nicht, die Vorurteile abzubauen und mehr Akzeptanz zu schaffen. Für ältere Leser, die mit den heiklen Inhalten vielleicht reflektierter umgehen können, ist der Roman allerdings auch nicht wirklich etwas – der Stil zu simpel, die Handlung zu flach, die Figuren zu unglaubwürdig. Daher möchte ich mich mit einer Empfehlung an dieser Stelle zurückhalten.

Fazit: „Die Stunde der Lilie“ ist der erste Band einer Reihe, hat mir die Lust auf die Folgebände allerdings gründlich verdorben. Der Stil ist an Stellen mittelmäßig, an anderen leider wirklich einfach mangelhaft, die historischen Fakten stimmen zwar, werden aber nicht lebendig, die Figuren wirken nicht authentisch und die latente Homophobie im letzten Drittel ist dann der sprichwörtliche Nagel im Sarg dieses Romans. Sieht man davon ab, bringt der Roman auch leider einfach nichts Neues. Ein Zeitreiseroman, der die Heldin in den Barock führt, ist nichts Besonderes und nicht nur fehlt dem Roman der rote Faden, sondern auch das Etwas, das ihn von anderen Romanen abhebt. Ich würde den Roman daher nicht empfehlen und kann es nicht über mich bringen, ihm auch nur einen Punkt zu geben, da ich so latente, offene Homophobie in einem Jugendroman nicht gut heißen will, würde aber allen, die trotzdem an dem Buch interessiert sind, raten, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Kommentare:

  1. Oh je, im.press macht immer mehr den Eindruck auf mich, dass es mit Vorliebe seichte lieblos geschriebene Geschichten veröffentlicht - von ebenso seichten und mittelmäßigen Autorinnen ... Ich schwanke zwischen Fremdschämen und Empörung, denn wenn Oberflächlichkeit die Grenze zur Fragwürdigkeit überschreitet, kann ich solche Bücher nicht mehr aus Desinteresse ignorieren. Da bin ich froh, dass es auch kritische Leser wie dich gibt, die Rezensionen abseits des "Das war eine nette süße Geschichte für zwischendurch - fünf volle Herzen!" schreiben. Ich habe bisher kein im.press-Buch gelesen, weil ich erstens nicht auf Romantasy stehe und mich Leseproben, die Autorinnen selbst und die nichtssagenden "Rezensionen" total abschrecken. Es wird auch nicht besser, wie mir scheint! Echt schade. im.press hat eine so große Reichweite, aber statt auf dem Potential aufzubauen, versinken sie in diesem Sumpf banaler Literatur ...

    Bevor ich mich aber in meinen Rant hineinsteigere, würde mich doch interessieren, ob du oder das Mondfräulein noch mehr Erfahrungen mit im.press-Romanen gemacht habt als diese hier. Vielleicht bin ich ja etwas voreilig mit meiner Meinung, die sich zugegebenermaßen eher auf Beobachtungen von außen stützt. :)

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    1. Freut uns sehr, dass dir die Rezension gefallen hat! Tatsächlich habe ich auch durchwachsene Erfahrungen mit Impress gemacht. Ich suche immer nach guten Titeln, aber wenn ich nach Klappentext und Leseprobe schon weiß, dass mir das Buch nicht gefallen wird, kaufe ich es nicht. Ich schreibe ja nicht gerne schlechte Rezensionen. "Kjell - Das Geheimnis der schwarzen Seerosen" fand ich wiederum sogar ganz in Ordnung, auch wenn es ein typischer Liebesroman ist. Dafür nur nicht so schlecht geschrieben wie andere Beispiele und ich habe es lesen können, ohne mich ständig zu ärgern. Zu "Kjell" wird es auf jeden Fall noch eine Rezension geben.

      Insgesamt habe ich allerdings auch den Eindruck, dass Impress erschreckend wenig Wert auf die Qualität der Texte legt. Dafür fallen mir zu viele Fehler auf, die ein gutes Lektorat eigentlich hätte verhindern sollen, außerdem ging es in jedem Impress Buch, das ich bisher gelesen habe, und das sind immerhin vier Stück, um eine unsterbliche Liebe zwischen jungen Menschen, bestenfalls auf den ersten Blick und nicht nachvollziehbar, wie in "Zwischen Schnee und Ebenholz", das ich ebenfalls rezensiert habe. Ich glaube, der Schwerpunkt liegt wirklich auf Romantasy und das ist eigentlich schade, weil man manchen Büchern doch anmerkt, dass sie Potenzial zu mehr gehabt hätten. Gerade als eBook-Label eines großen und etablierten Verlages wäre das die Chance, um ungewöhnlichen und dennoch qualitativ hochwertigen Texten eine Chance zu geben. Ich hoffe sehr, dass sich das doch recht junge Label noch macht. Wenn mich ein Buch anspricht, werde ich ihm auf jeden Fall eine Chance geben. :)

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    2. Ich habe selbst auch schon recht gute Bücher von impress gelesen. Ich habe ja heute erst "Seth" von Christine Millman rezensiert, das mir tatsächlich sehr gut gefallen hat. Allerdings waren auch schon öfter so Sachen bei wie das, was Fräulein Mond beschreibt. Die "Lilie" war aber bisher das einzige, das ich gelesen habe, dass die Grenze von "belanglos" zu "problematisch" überschritten hat. Ich hoffe auch, dass das so bleibt. Obwohl mir schon manche Leseproben da ein anderes Gefühl vermittelt haben, aber Bücher, die mir von vorn herein nicht zusagen, muss ich ja dann auch nicht lesen. :)

      Bei den impress-Sachen sind schon ein paar schöne Bücher dabei, aber man muss natürlich gucken. Ich lese ja selbst auch nicht allzu gern klassische Romantasy mit unsterblicher Liebe zwischen Mensch und mysthischem Geschöpf, weshalb viele Bücher des Verlags für mich von vorn herein rausfallen. Und dann gibt es eben Bücher wie die "Lilie", die total vielversprechend aussehen und dann fällt man damit komplett auf die Nase. Soll heißen: Ich gebe impress noch nicht auf. Mir gefällt das Konzept des Labels auch wirklich sehr - sie machen Bücher, die sich die Zielgruppe auch leisten kann und sie scheinen im Gegensatz zu anderen Verlagen Diversität gegenüber gar nicht vollkommen verschlossen zu sein.

      Ich habe bloß auch das Gefühl, dass vielleicht (noch?) nicht genug darauf geachtet wird, was denn jetzt wirklich in den Büchern steht. Dafür sprechen auch die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler, die sich bei impress leider immer noch sehr oft einschleichen, die kann ich aber ignorieren. Als Verlag gefallen sie mir eigentlich sehr gut, nur manchmal sind da Bücher bei, da kann ich nur den Kopf schütteln. Der impress-Roman, den ich gerade lese, scheint aber auch echt gut zu werden. Drückt mal die Daumen, dass das so bleibt.

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  2. Hallo :)
    ich bin grade wirklich sehr geschock muss ich zugeben. Das Buch hab ich auch gelesen, die Logikfehler fand ich da nicht so schlimm. Was mich wirklich schockiert ist das mit der Teil mit der homophobie so gar nicht aufgefallen ist. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke hast du aber völlig recht, das kommt wirklich so rüber. Und ich hab es auch extra nochmal nachgelesen. Und mich schockiert es wirklich noch viel mehr dass ich das auch einfach so hingenommen habe.
    Bei ersten Lesen war Philipe de Bourbon für mich einfach der Bösewichte mit einem exzentrischen Charakter. Ich hab es nicht direkt auf seine homosexualität bezogen, weil mir das gar nicht in den Sinn gekommen ist. Aber im Buch wird es tatsächlich so dargestellt und ich frage mich warum sowas nicht sofort auffällt!
    Ob ich Band 2 jetzt noch lesen will weiß ich nicht. Und ich überlege auch wirklich meine Rezi noch zu ändern. Mal sehen!

    Vielen Dank für diese tolle, ausführliche und wachrüttelnde Rezi!

    Liebe Grüße

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    1. Hallo. :) Auf der einen Seite freut es mich wirklich, dass unsere Rezensionen es schaffen, auf so etwas aufmerksam zu machen, gerade weil es ja oft so versteckt und nebensächlich passiert, dass man es manchmal gar nicht mitbekommt. Auf der anderen Seite ist es natürlich schade, dass du das Buch jetzt anders siehst, aber ich finde, man muss auch Dinge mögen dürfen, die vielleicht problematisch sind. Wenn du Spaß mit dem Roman hattest, dann hat er seinen Zweck erfüllt und das freut mich dann auch echt, wenn andere Leute an Büchern, die ich nicht mochte, Gefallen finden. Ich mag auch viele Dinge, die nicht ganz so einwandfrei sind und wir leben ja auch einfach in einer Umgebung, in der eigentlich so gut wie nichts einwandfrei und unproblematisch ist.

      Daher geht es Fräulein Mond und mir auch gar nicht so sehr darum zu sagen: "Guckt mal hier, dieses Buch ist aber wirklich furchtbar und heikel, das darf jetzt keiner mögen", sondern eher darum, auf solche Inhalte hinzuweisen, gerade weil es manchmal schwer sein kann, es beim Lesen selbst zu bemerken. Ich überlese sowas auch ganz oft. Deshalb geht es uns eher darum eine Art "Bewusstsein" dafür zu schaffen, dass sowas leider nicht zu selten auch in Jugendbüchern steht, aber eben nicht darum die Bücher anderen zu "vermiesen". Natürlich hätten wir es am Liebsten wenn solche Inhalte gar nicht mehr vorkommen würden, deshalb bloggen wir über Bücher, weil viele Leute so etwas leider überlesen und wir es wichtig finden, darauf hinzuweisen, wenn es uns auffällt. Aber man kann ja auch etwas mögen und es trotzdem kritisch sehen und sich darüber bewusst sein, dass einige Dinge nicht in Ordnung sind. (Ich mag zum Beispiel Twilight, obwohl ich weiß, dass da viele heikle Inhalte drin stecken.)

      Langer Rede kurzer Sinn: Wenn dir der Roman gefallen hat, freut mich das total! Wenn meine Rezension dir einen Punkt aufgezeigt hat, den du gar nicht bemerkt hattest, freut mich das aber auch. Daher: Wenn du das Buch magst, dann ist das eigentlich was Schönes und falls du Teil Zwei doch noch liest, lass mich unbedingt wissen, wie er dir gefallen hat!

      Alles Liebe,

      Fräulein Stern (Cami)

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