Donnerstag, 19. März 2015

"Die Feenjägerin" - Elizabeth May

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Die Feenjägerin | Falconer #1 | 400 Seiten | Heyne | ISBN 9783453316096 | OT: The Falconer (USA)

Ballsaison im Edinburgh des Jahres 1844: Jeden Abend verschwindet die junge und bildschöne Aileana Kameron für ein paar Stunden vom Tanzparkett. Die bessere Gesellschaft zerreißt sich natürlich das Maul über sie, aber niemand ahnt, was die Tochter eines reichen Marquis während ihrer Abwesenheit wirklich tut: Nacht für Nacht jagt sie mithilfe des mysteriösen Kiaran die Kreaturen, die vor einem Jahr ihre Mutter getötet haben – die Feen. Doch deren Welt ist dunkel und tückisch, und schon bald gerät Aileana selbst in tödliche Gefahr ... (Quelle)

 Steampunk – Ohne Dampf und ohne Punk

Ich muss gestehen, hätte ich den Roman mit dem deutschen Titelbild im Laden ausliegen sehen, ich hätte ihn wahrscheinlich nicht in die Hand genommen. Ein Mädchen mit entschlossenem Blick und wildem roten Haar schaut den Leser an. In der beringten Hand hält sie einen Degen. Ein schönes Bild, keine Frage, das Buch sieht hübsch aus im Regal. Aber: Das ist ein Bild, das auf einen High-Fantasy-Roman gehört. Nichts am Umschlagbild deutet darauf hin, dass „Die Feenjägerin“ von Elizabeth May ein historischer Phantastikroman sein möchte und ist daher gelinde gesagt irreführend. Leider geht das unpräzise Marketing auch noch weiter: Der Klappentext verspricht einen historischen Roman, der ins Edinburgh zur Ballsaison 1844 entführt. Schottland im frühen viktorianischen Zeitalter? Feen? Ich war sofort begeistert, denn das sind drei schlagkräftige Argumente, wenn man mich dazu bewegen soll, einen Roman zu kaufen.

Der Haken ist nur: „Die Feenjägerin“ ist gar nicht das historische Feenabenteuer, den der Klappentext verspricht. „Die Feenjägerin“ ist ein Steampunkroman, der eindeutig in einem alternativ-historischen Edinburgh spielt. Das ist natürlich nicht von Grund auf schlecht. Das ist sicherlich etwas, das viele von euch sehr gern lesen. Ich hatte mich aber auf etwas völlig anderes eingestellt und gefreut und finde es ein wenig trügerisch, dass der Klappentext weder den Steampunk erwähnt, noch den Fakt, dass das nicht das echte historische Edinburgh ist. Ich bin mit Steampunkromanen nie richtig warm geworden. Steampunk ist ein visuelles Genre und Filme funktionieren da wunderbar, aber ich konnte mich noch nie wirklich für einen Roman aus dem Genre begeistern. Leider ist „Die Feenjägerin“ da auch keine Ausnahme. Hätte ich den Roman liegengelassen, wenn ich vorher gewusst hätte, dass es Steampunk ist? Wahrscheinlich nicht. Ich gebe dem Genre bei interessanten Geschichten natürlich immer wieder gern eine Chance und außerdem haben mich die Feen gelockt.

Ich muss ehrlich sagen, ich finde den Steampunk hier unnötig und das sage ich jetzt nicht, weil ich eh voreingenommen war. Wenn Steampunk, dann so, dass die Elemente so in die Welt eingearbeitet sind, dass man sie sich nicht wegdenken kann, dass sie ein akzeptierter Teil einer funktionierenden Gesellschaft sind. Hier ist Steampunk aber viel eher ein Gimmick. Ein bisschen liest es sich, als hätte die Autorin die Versatzstücke später eingefügt, als der Roman schon fertig war. Was haben wir da? Fliegende Kutschen, die aussehen wie große Fledermäuse. Elektrisches Licht. Es gibt Automaten, die auf Bällen und Festen auf Knopfdruck Tee und Punsch zubereiten und ausschenken – ein wenig wie moderne Kaffeeautomaten im Büro. Es gibt medizinisches Equipment, das zielsicher zuhause tiefe Wunden nähen kann, indem man sich einen kleinen Kasten, aus dem die Nadeln kommen, auf die Stelle aufsetzt. Und natürlich Aileanas Blitze schießende Pistole.

Der Steampunk ist inkonsistent – wieso gibt es in dieser Welt besseres medizinisches Equipment als heute, aber niemand hat ein Gerät gebaut, mit dem man über weite Entfernungen hinweg kommunizieren kann? (Man hätte es Telefon nennen können. Oder Faxgerät.) Die Leute schreiben sich also umständlich per Hand Briefe, die mehrere Tage brauchen, bis sie ihr Ziel erreichen und denken nicht daran, ein Kommunikationsmittel zu bauen, haben aber Geräte, die es ihnen abnehmen sich ihren Tee selbst einzuschenken. Das finde ich nicht besonders logisch. Nützliche elektrische Geräte fehlen, aber es gibt unnötige Teeautomaten. Das wirkt auf mich nicht besonders gut durchdacht und eben leider wie eine fixe Idee und nicht wie ein konsequentes Element, das fest in die Geschichte eingebunden ist. Es wirkt vollkommen willkürlich und nicht sorgsam überlegt und aufgebaut.

Edinburgh 1844 – Die Lokomotive aus der Theatermaschine

Leider besteht dieses Problem nicht nur in Verbindung mit den alternativen Elementen, sondern generell. Elizabeth May hat sicherlich gut recherchiert, man merkt schon, dass sie weiß, wie Edinburgh im Jahr 1844 ausgesehen haben muss. Hin und wieder fließen kleine Details ein, die darauf hindeuten, dass die Autorin Ahnung von der Epoche hat und die auch einen Einblick in die Stadt im frühen viktorianischen Zeitalter geben, aber mehr eben leider auch nicht. Es ist ein bisschen so, als würde man durch einen Vorhang schauen, hinter dem sich Silhouetten abzeichnen und hin und wieder erhascht man einen Blick auf das, was dahinter liegt, aber meist bleibt die Sicht versperrt. Das ist frustrierend. Man ahnt, dass hier irgendwo ein sehr guter historischer Roman auf der Strecke geblieben ist, der unter zu vielen Extras – wie zum Beispiel dem unnötigen Steampunk – verschütt gegangen ist.

Ich finde es zum Beispiel spannend, dass Aileana als Feenjägerin ihre eigenen Waffen baut. Aber das ist auch alles an Steampunk, das der Roman gebraucht hätte. Was sollen denn diese Teeautomaten, wieso muss elektrisches Licht schon 1844 in Edinburgh existieren und nicht erst ab 1881, als es tatsächlich in der Stadt installiert wurde. Wieso braucht Aileana eine fliegende Kutsche, wenn es eine von Pferden gezogene genauso getan hätte? Ich glaube sogar, dass eine waffenbauende, feentötende junge Dame in einem historisch authentischeren Roman noch viel besser gewirkt hätte, einen viel krasseren Kontrast zur frühviktorianischen Gesellschaft abgegeben hätte. Dazu kommt, dass zum Beispiel das medizinische Equipment wirkt, wie der sprichwörtliche Gott aus der Theatermaschine. Aileana muss schnell schlimme Wunden heilen, weil es sonst Konsequenzen geben könnte? Gut, dass es diese Medizinkisten gibt, sonst müsste sie ja erklären, wieso sie aussieht, als wäre sie vor die Hunde gegangen.

Das passiert leider relativ oft. Gut, dass Aileana eine Fee im Kleiderzimmer wohnen hat, die ihre zerrissenen Kleider repariert, sonst müsste sie das ja auch erklären. Die Höhe war für mich in der Hinsicht, als Aileana knapp 100 Seiten vor dem Ende wie beiläufig erwähnte, dass sie seit Monaten im Garten an einer elektrischen Lokomotive baut. Knapp 300 Seiten hören wir überhaupt nichts von solchen Aktivitäten, aber dann, als Aileana am Ende ein Fahrzeug für das Finale braucht, baut sie plötzlich schon seit einer Ewigkeit an einem, das genau richtig ist. Es hätte doch gereicht, einfach am Anfang zu erwähnen, dass Aileana eine Lokomotive im Garten stehen hat. Aber nein. Deus ex Machina in Reinform. Leider. Auf mich hat das gewirkt, als hätte die Autorin sich vor dem Schreiben kaum Gedanken über ihre Welt gemacht, sondern alles spontan so aufgeschrieben, wie es ihr gerade eingefallen ist. Leider kommt dabei ein mäßig überzeugendes Setting mit zu vielen Inkonsistenzen heraus, wo ein dichter historischer Fantasyroman vielleicht eher hätte überzeugen können.

Ich finde den Weltenbau leider wirklich nicht überzeugend. Zu den Lücken im Setting und den vielen Zufällen kommt nämlich leider noch hinzu, dass Aileana uns als Ich-Erzählerin zwar viel erzählt, aber wenig erklärt. Dinge sind einfach so und es gibt keine Gründe dafür. Nur Frauen können Falknerinnen sein. Nur Männer haben die Sicht. Menschen, die eine bestimmte schottische Diestelart am Körper tragen, können Feen sehen. Aber wieso? Das sind ja vielleicht alles ganz nette Ideen, aber ich möchte dann auch wissen, was die Gründe dahinter sind. Dass es einfach so ist, kann ich vielleicht einmal hinnehmen, aber nicht bei jedem Fakt über die Feen und die Falkner, den Aileana mir vor die Füße wirft. Das reicht mir so nicht und, wenn das ein paar Mal passiert, ärgere ich mich auch darüber. Mythologien schaffen bedeutet, sich auch Gründe auszudenken, weshalb etwas so funktioniert und nicht anders. Mythologien, die einfach irgendwie so sind, sind nicht überzeugend.

Blaustrumpf – Mit Volldampf durch alle Wände

Es gibt eine Szene im Roman, in der Aileana sinngemäß denkt, sie sollte sich etwas damenhafter verhalten, damit niemand denkt, sie könnte ein Blaustrumpf sein. Was ist ein Blaustrumpf? Eine gebildete Frau des neunzehnten Jahrhunderts, die nicht so viel auf typisch damenhafte Hobbys und Verhaltensweisen ihrer Gesellschaft gibt. „Blaustrumpf“ ist ein abwertender Begriff, aber darauf will ich gar nicht eingehen, sondern auf Aileana selbst. Nach den Konventionen ihrer Gesellschaft ist sie nämlich sehr wohl ein „Blaustrumpf“. Sie liest viel, mag keine Bälle, interessiert sich nicht für neue Kleider und will auch keinen Mann. An sich gibt es kein Problem mit historischen Heldinnen, die sich in den Geschlechterrollen ihrer Zeit nicht wohlfühlen. Ein Problem ist es aber, wenn diese Heldinnen sich lesen und denken wie moderne Mädchen aus dem 21. Jahrhundert, die in der Zeit zurückgereist sind. Und so eine ist Aileana.

Sie weiß alles besser, als die anderen Frauen ihrer Zeit und blickt auf sie herab, weil sie gern mit ihren Freundinnen Tee trinken und auf Bällen tanzen. Für sie zählt nur, so viele Feen wie möglich zu töten und an sich kann ich das bei ihrem Hintergrund auch nachvollziehen, aber ich kann nicht nachvollziehen, dass sie überhaupt keine anderen Dinge mehr kennt und, dass sie ihr altes Selbst als dumm und naiv bezeichnet, weil sie vor dem Tod ihrer Mutter gern auf Bälle gegangen ist. Melissa Fuchs hat letztens dazu gesagt, dass sie sich mehr historische Heldinnen wünschen würde, die innerhalb der Beschränkungen ihrer Gesellschaft arbeiten und nicht auf Teufel komm raus darum herum. Besser kann ich es eigentlich nicht ausdrücken. Ich möchte mehr historische Heldinnen lesen, die sich auch wirklich lesen wie Mädchen, die im neunzehnten Jahrhundert geboren und aufgewachsen sind und weniger solche, die auf ihre Zeitgenossinnen hinab schauen und wirken wie Frauen, die in unsere modernen Gesellschaft groß geworden sind.

Es spricht nichts gegen eine Waffen schwingende viktorianische Heldin, die bei Nacht skrupellos Feen tötet, gern liest, schlau ist und sarkastische Kommentare macht. Es spricht nicht einmal etwas gegen eine Heldin, die nicht gern tanzt oder nicht heiraten mag, obwohl das von jungen Frauen erwartet wird. Aber man kann das auch authentisch schreiben, ohne auf die Frauen, die diese Dinge doch gern tun und wollen herabzublicken und ohne, dass es am Ende so wirkt, als würde man einen Zeitreiseroman lesen. Aileana hasst ihre Gesellschaft nicht vom Standpunkt einer viktorianischen reichen Dame aus – sie hasst sie vom Standpunkt einer modernen Autorin aus, der es nicht ganz gelingt, sich in eine Tochter aus gutem Hause im Jahr 1844 hineinzuversetzen. Deshalb verkommt Aileana auch bald zum typischen Klischee: Das viktorianische Mädchen, das kein Korsett tragen mag, weil es keine Luft kriegt, lieber Hosen anhat, gezwungen werden soll zu heiraten und das natürlich alle anderen Damen nicht mögen. Das ist erstens falsch (früh viktorianische Korsetts sind recht gemütlich, Hosen dafür nicht so) und zweitens hat man es doch schon hundert Mal gelesen.

Aileana ist eine „starke Frau“ in dem Sinne, dass sie skrupellos tötet, kämpfen kann und nicht zimperlich ist, aber sie ist eigentlich keine starke Frauenfigur. Das ist mein größter Kritikpunkt an Aileana als Figur. Was will sie, was ist ihr Antrieb? Die Fee finden und töten, die ihre Mutter auf dem Gewissen hat. Und das ist auch in Ordnung. Aber Aileana hat keine anderen Ziele, kennt nichts weiter als ihre Rachlust und wenn man mich fragen würde, was sie als Figur auszeichnet, dann wüsste ich nichts. Sie baut gern Dinge. Aber nur Waffen, die sie gegen die Feen verwenden kann. Alles, was Aileana tut, tut sie nur, weil sie nach dieser einen Fee sucht. Aileana ist eine leere Figur, ohne richtige Ziele, ohne Interessen. Ihre Sucht nach Rache ist völlig übertrieben und lässt keinerlei Platz für andere Charaktereigenschaften, was aus Aileana, die wohl besonders tough und kämpferisch wirken soll, leider eine sehr flache Figur macht.

Feen und Finale - Am Ende war leider der Dampf raus  

Natürlich möchte ich doch noch ein bisschen was Positives zu „Die Feenjägerin“ sagen, denn es ist nicht so, als hätte mir der Roman nicht gefallen. Zum einen wäre da der schöne Stil zu erwähnen, in dem Elizabeth May Aileanas Geschichte erzählt. Sie hat sich die Ich-Perspektive und das Präsens ausgesucht, was für einen historisch angehauchten Roman ungewöhnlich ist, aber durchaus funktioniert. Elizabeth May schreibt sehr blumig, wenigstens ein kleines Zugeständnis an die Epoche, in der „Die Feenjägerin“ spielt und beschreibt die Feen und Aileanas Edinburgh sehr detailliert und farbenfroh. Ihr Stil ist sehr flüssig zu lesen und wie man Spannung aufbaut, weiß Frau May auch eindeutig. 400 Seiten lesen sich wie im Flug und trotz der vielen Dinge, die mich an „Die Feenjägerin“ gestört haben, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen und wollte immer wissen, wie es weitergeht.

Leider bringt mich das dann auch zu dem Problem des Romans, das mich wirklich enttäuscht hat. Nicht geärgert oder gestört oder genervt, sondern wirklich enttäuscht. Ich kann das verraten, denn wo nichts ist, kann auch nichts verdorben werden: Es gibt kein Ende. Die Geschichte endet mitten im großen Finale, mitten in der Handlung. Es gibt weder Antworten auf die offenen Fragen, noch kommt der Roman zu einem runden Abschluss. Das ist nicht einmal mehr ein Cliffhanger. Es ist einfach nichts. Der Roman endet so gesehen wie eine Folge einer wöchentlichen Serie: Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt und dann ist es vorbei. Im Fernsehen kann man das machen, aber nicht mit Büchern, wo man den Leser ein ganzes Jahr zappeln lässt, bis er erfährt, wie die Situation ausgeht. Ich fühle mich als Leser ehrlich gesagt ein wenig um das Ende des Romans betrogen und hätte mir gewünscht, hier ein runderes Ende geliefert zu bekommen, als ein spektakuläres Finale, das mitten drin abbricht, als hätte jemand die letzten zehn Seiten herausgerissen.

Wiederum gefallen hat mir die Liebesgeschichte aus dem Grund, dass es eigentlich keine gab. Das klingt jetzt sicher sehr sarkastisch, aber ich meine es genau so. Ich mag Liebesgeschichten, aber die ewigen Beziehungsdreiecke und Instant-Romanzen bin ich langsam wirklich Leid. Ich mag etwas komplexere, gut geschriebene Liebesgeschichten, aber „Die Feenjägerin“ legt das Grundgerüst für ein weiteres Liebes-Dreieck zwischen Aileana, dem reichen und gut auswehenden Junggesellen Gavin und dem düsteren, aber schönen Feenmann Kiaran. Deshalb bin ich froh darüber, dass Elizabeth May sich entschieden hat, diese Liebesgeschichte nur ganz am Rande vorkommen zu lassen. Sie zwingt Aileana nicht, sich irgendwie zwischen den beiden entscheiden zu müssen und der Großteil des Romans dreht sich um Intrigen, Action und Kämpfe mit bösen Feen, was mir gut gefallen hat. Ich fand die Liebesgeschichte, die es dann am Ende gab, nicht besonders überzeugend, aber das ist nicht schlimm, weil so wenig Fokus auf dieser Romanze lag.

Und natürlich: Das Beste zum Schluss. Die Feen. Ich mochte Geschichten über gute Feen eigentlich noch nie, sondern immer lieber die, in denen die Feen mehr wie die Feen aus den alten Sagen sind. Keine kleinen Blumenfeen mit Schmetterlingsflügeln (obwohl es hier davon auch eine gibt), sondern heimtückische, blutrünstige Monster. Selbst die kleine Blumenfee Derrick, die in Aileanas Kleiderzimmer wohnt und ihr öfters aushilft, hat eine hinterhältige Seite und droht nicht selten damit, Aileanas Feinden die Eingeweide herauszureißen. So müssen Feen sein. Was Elizabeth May beim Weltenbau eingespart hat, hat sie anscheinend in ihre Feen gesteckt, denn es gibt in diesem Roman sehr viele verschiedene, interessante Feengestalten, die alle eigene Merkmale haben und teilweise wirklich gruselig sind. Dass Aileana diese Feen jagt und tötet, ist daher auch keine allzu große Überraschung und neben den Feen haben mir die Kampfszenen am besten gefallen. Sie sind sehr lebendig und dynamisch erzählt und sorgen für richtiges Kopfkino. Wenn ich es mir so überlege, würde „Die Feenjägerin“ sicher eine gute Actionserie im Fernsehen abgeben.  

Zielgruppenempfehlung: Ich würde den Roman Jugendlichen ab 14, die einen Roman mit viel Action und wenig Liebesgeschichte suchen, durchaus empfehlen. Ich glaube auch, es wäre besser gewesen, diesen Roman nicht als Erwachsenenroman, sondern als Jugendroman zu vermarkten. Bis auf ein paar brutalere Szenen, die für Jugendliche ab 14 aber auch kein Problem sein sollten, gibt es auch keine für Teenager heiklen Inhalte. Darüber hinaus könnte die Handlung für ältere Leser, die schon mehrere Romane in diese Richtung gelesen haben, zu platt sein und Aileana als Hauptfigur zu flach. Für Jugendliche, die ihre ersten Schritte im Genre historische Fantasy machen, kann „Die Feenjägerin“ aber sicherlich ein toller Lesespaß sein.

Fazit: „Die Feenjägerin“ ist ein Roman, den ich nur ganz schwer einschätzen kann. Er hat mir gefallen, mir wurde nicht langweilig und ich habe die 400 Seiten flott gelesen. Gleichzeitig haben mich aber viele Dinge gestört und geärgert. Am Ende bleibt ein Roman, der wunderschön geschrieben, spannend, voller dynamischer Action- und Kampfszenen und mit wirklich tollen, gruseligen bösen Feen ausstaffiert ist. Trotzdem kann ich über den dürftigen Weltenbau und die noch dürftigere Charakterisierung der Ich-Erzählerin nicht hinwegsehen, finde die Steampunkelemente unnötig und nicht besonders konsistent und bin ganz besonders vom Ende maßlos enttäuscht. „Die Feenjägerin“ ist wohl am Ende wirklich nur ein schnelles, nicht besonders komplexes Lesevergnügen für Nebenbei. Dafür gibt es gut und gerne drei Sterne von mir. 

Wer aber einen dichten, historischen Phantastikroman mit überzeugenden Figuren und einer komplexen Handlung sucht, sollte „Die Feenjägerin“ übergehen oder sich vor dem Lesen klar machen, dass man nicht mit zu hohen Erwartungen an den Roman herangehen darf. Den zweiten Band werde ich übrigens trotzdem nicht lesen. Ich habe den Klappentext zu Teil zwei gelesen und er hat mir alles verraten, was dieses erste Buch mir am Ende nicht verraten wollte. Sprich: Im Klappentext steht, was passiert nachdem die Handlung so völlig unerwartet abreißt und ich bin ehrlich gesagt alles andere als begeistert davon und behalte mir „Die Feenjägerin“ lieber als netten alternativ-historischen Spaß im Gedächtnis. Von daher: Wer das Buch lesen möchte, sollte sich den Klappentext zu Buch zwei besser noch nicht anschauen, das „Ende“ von Buch eins wird dort verraten. 

Kommentare:

  1. Eine sehr ausführliche Rezension. Und eine ehrliche dazu. Ich habe das Buch vor kurzem auch bekommen und jetzt steht es auf meiner Leseliste für den April. Um ehrlich zu sein ist meine Begeisterung und Vorfreude darauf jetzt etwas gedämpft nach deiner Rezi - aber wer weiß? Vielleicht wird es mir ja viel besser gefallen als dir. Ich lasse mich am besten einfach überraschen! ;)

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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    1. Ich kenne sehr viele Leute, denen das Buch sehr gut gefallen hat. :) Hoffentlich gefällt es dir besser als mir. Meld dich ruhig, wenn du es gelesen hast, würde mich echt interessieren, was du denkst.

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